Afrika Scammer Alarm

Spenden in der Grauzone: Mosambik

Titelbild: Screenshot TikTok

In den sozialen Netzwerken kursieren derzeit zahlreiche Videos und Beiträge, die um Unterstützung für hungernde Kinder und notleidende Familien in Mosambik werben. Auf TikTok und Instagram erscheinen immer wieder Aufnahmen von Kindern vor einfachen Hütten, von Essensausgaben aus großen Töpfen und von Männern, die Säcke mit Maismehl und anderen Grundnahrungsmitteln verteilen. Die Begleittexte sind häufig auf Deutsch verfasst und richten sich direkt an europäische Nutzerinnen und Nutzer. „Wir brauchen dich für diese Familie“, heißt es da beispielsweise, verbunden mit der Aufforderung, sich per E-Mail zu melden.

Als Kontaktadressen werden private Gmail-Konten angegeben, darunter sandralourosl@gmail.com und samajoalmeida1996@gmail.com. Eine Frau namens Sandra, die angeblich in Deutschland lebt, und ein Mann namens Almeida José treten als Vermittler auf. Parallel wird auf eine GoFundMe-Kampagne unter dem Namen Mozambiquehope verwiesen.

Die Beiträge folgen einem erkennbaren Muster. Immer wieder werden ähnliche Geschichten erzählt: Eine Witwe habe vor kurzem ihren Mann verloren und müsse nun mit sieben Kindern ein Haus verlassen, es fehle an Geld für Fleisch oder Fisch, und täglich müssten hunderte Kinder ernährt werden. Logo und Name „Abençoando Crianças na África“ tauchen auf, doch eine unabhängige Recherche nach einer entsprechend registrierten und transparent arbeitenden Organisation mit diesen Kontaktdaten und diesem genauen Auftritt ergibt kein klares Bild. Zwar existieren verschiedene Hilfsprojekte und Kircheninitiativen, die unter ähnlichen Bezeichnungen in Mosambik tätig sind und etwa über PIX-Zahlungen oder offizielle Bankkonten Spenden sammeln. Die hier verwendeten privaten E-Mail-Adressen und die massenhafte Verbreitung emotionaler Kurzvideos auf Social-Media-Plattformen passen jedoch nicht zu den üblichen Kommunikationswegen etablierter Organisationen.

Solche Aufrufe bewegen sich in einem Graubereich, der in den vergangenen Jahren wiederholt beobachtet wurde. Emotionale Bilder von Kindern in Armut, wiederholte dringende Appelle und die Bitte um direkten Kontakt per privater Mail statt über geprüfte Spendenplattformen mit nachvollziehbaren Nachweisen sind typische Merkmale. Das bedeutet nicht zwangsläufig, dass vor Ort überhaupt nichts geschieht. Es ist möglich, dass lokal tatsächlich Mahlzeiten ausgegeben oder kleinere Hilfen organisiert werden. Doch ohne öffentlich einsehbare Registrierung als gemeinnützige Organisation, ohne unabhängige Berichte über den Verbleib der Mittel und ohne transparente Rechenschaftslegung bleibt unklar, wie viel von den eingehenden Spenden tatsächlich bei den dargestellten Familien ankommt.

Wer helfen möchte, ist gut beraten, auf etablierte und überprüfbare Strukturen zu setzen. Organisationen wie UNICEF, World Vision, Ärzte ohne Grenzen oder Save the Children verfügen über langjährige Präsenz in Mosambik, über geprüfte Partner vor Ort und über regelmäßige öffentliche Berichte. Auch kleinere, aber registrierte lokale Initiativen, die mit europäischen oder internationalen Trägern zusammenarbeiten, lassen sich in der Regel nachvollziehen. Direkte Überweisungen an private E-Mail-Adressen oder an wenig dokumentierte Crowdfunding-Kampagnen bergen hingegen das Risiko, dass das Geld nur teilweise oder gar nicht den vorgesehenen Zweck erfüllt.

Die Bilder und Videos können real sein und die Not in vielen Regionen Mosambiks ist unbestreitbar. Doch die Art und Weise, wie hier um Unterstützung geworben wird, wirft Fragen auf, die sich mit den verfügbaren Informationen nicht befriedigend beantworten lassen.

Es wirkt wie ein zusammengewürfelter Spendenbetrug aus Westafrika. 

Solange keine unabhängigen Belege für eine seriöse und nachvollziehbare Verwendung der Mittel vorliegen, bleibt Zurückhaltung die vernünftigere Haltung. Nicht-Spenden hilft hier.

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