Titelbild: Carney-Trump, White House, Public Domain
Veto aus Washington gegen Europa – Trumps Krieg gegen Kanada als assoziiertes EU-Mitglied
Es ist die Meldung, die Donald Trump in Rage versetzt hat. Gestern in Straßburg, im Europaparlament, Seite an Seite mit dem kanadischen Premierminister Mark Carney, sagt EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen diesen Satz: Wir wollen die Beziehung zu Kanada auf das höchstmögliche Niveau bringen. Wir wollen darauf hinarbeiten, dass Kanada das erste assoziierte Mitglied der EU wird.
Ein historischer Schritt. Noch nie gab es einen assoziierten Status, er müsste neu geschaffen werden. Aber die Idee ist logisch. Kanada leidet wie die EU unter der unberechenbaren Handels- und Außenpolitik der USA, beide richten ihr Augenmerk verstärkt auf andere Bündnisse, Technologie-Allianz, Verteidigung, Arktis, Energie, kritische Mineralien, KI und Quanten. Von der Leyen sagt es offen: Die Partnerschaft sei nicht gegen Andere gerichtet, sondern solle Kanada und die EU gemeinsam stärker machen.
Und genau da beginnt Trumps Wahn in einer Art Kanonenbootpolitik eines offensichtlich psychisch kranken Diktators.
Denn in Trumps Weltbild darf niemand stärker werden außer Amerika. Und niemand darf sich verbünden, ohne ihn um Erlaubnis zu fragen. Seine Antwort kam wie immer per Drohung. Sollte die EU mit Kanada zusammenarbeiten, um den USA wirtschaftlichen Schaden zuzufügen, dann würden beide mit Zöllen belegt, „far larger than currently planned, will be placed on them both“, liess er, der psychisch kranke Mann vom Weißen Haus verlauten.
Erst letzte Woche drohte er Kanada ab Januar mit 50 Prozent Zoll auf Autos, Lastwagen und Stahl. Wenn Kanada weiter mit China rede oder sich Europa annähere, 100 Prozent auf alles.
Das ist kein Handelskrieg mehr. Das ist die Außenpolitik eines Soziopathen, der glaubt, er könne Veto-Recht über die Souveränität anderer Kontinente verhängen. Kanada darf nicht mit der EU reden. Die EU darf nicht mit Kanada reden. Und wenn sie es doch tun, wird die Brücke zugemauert, die Handelsader gekappt. Er drohte sogar, die Gordie Howe International Bridge, von Kanada finanziert, nicht zu öffnen, bis die USA entschädigt werden.
Wie ein kleiner Junge, der die Süßigkeiten nicht bekommt, die er an der Ladenkasse gefunden hat.
Man muss es so deutlich sagen: Ein Mann, der einem Land verbietet, mit wem es assoziiert sein darf, denkt wie ein Diktator.
Wie jemand, der seine ehemalige Partnerin schlägt, weil sie einen neuen Freund hat.
Das ist das System Trump.
Die EU und Kanada teilen dieselbe Sicht auf die Welt, so hat es von der Leyen formuliert, sie glauben an Demokratie und nicht daran, dass die Macht dem Stärksten, Reichsten oder Lautesten gehöre. Genau diese Idee ist für Trump unerträglich.
Und damit sind wir bei der Frage, die sich jeder amerikanische Wähler gefallen lassen muss. Wie kann ein Land, das sich als Wiege der Demokratie versteht, einen Mann zum zweiten Mal zum Präsidenten wählen, der offen wie ein Mafiaboss erpresst, der Verbündete als Eigentum betrachtet, der jede Kooperation zwischen Demokratien als Angriff auf sich selbst interpretiert? 57 Prozent der Amerikaner halten ihn laut Reuters/Ipsos für zu erratisch, 70 Prozent erwarten, dass seine Zölle ihre eigenen Einkäufe teurer machen. Sie spüren die Kosten seines Größenwahns an der Kasse.
Trumps Drohung mit einem Handelsstopp gegen EU und Kanada, nur weil Kanada assoziiertes EU-Mitglied werden will, ist der endgültige Beweis: Er will keine Partner, er will Untertanen. Kanada hat sich entschieden, nicht mehr Untertan zu sein. Europa sollte jetzt genauso klar sein und diesen ersten assoziierten Sitz in Brüssel nicht als Provokation gegen Washington sehen, sondern als Akt der Selbstverteidigung von Demokratien gegen einen Mann, der glaubt, er könne ihnen vorschreiben, wen sie lieben dürfen.
Hoffentlich strafen die Wähler Trump bei den Midterms ab.
