Titelbild: Karikatur ETEM , kasaan media, 2026
BG ETEM – Die unkündbare Versicherung und wie sie mit Verletzten umgeht
Vier Millionen Beschäftigte, 200.000 Betriebe, 1,45 Milliarden Euro im Jahr. Die Berufsgenossenschaft Energie Textil Elektro Medienerzeugnisse mit Sitz in Köln, Gustav-Heinemann-Ufer 130, ist einer der mächtigsten Schattenstaaten Deutschlands. Zwangsmitgliedschaft, Monopol per Gesetz, kündigen unmöglich, wechseln unmöglich.
Der Vorstand feiert sich gerade für eine Beitragssenkung von 2,82 auf 2,77. Im Schnitt 76 Cent pro 100 Euro Lohn.
Für einen Handwerksbetrieb mit zehn Leuten über 3.000 Euro im Jahr, jedes Jahr, egal ob etwas passiert. 594,9 Millionen Euro für Renten, 427 Millionen für Heilbehandlung, nur 146 Millionen für echte Prävention. Das System finanziert sich durch die Verwaltung von Schäden, nicht durch deren Vermeidung.
Daneben werden, wie in Hamburg und Köln Paläste, finanziert, die jeglicher Beschreibung spotten.
Und wenn der Schaden da ist, beginnt das eigentliche Problem oder die schiere Menschenverachtung.
Offiziell heißt es, erst helfen, dann prüfen. In der Praxis heißt es, erst prüfen, dann zahlen. Nach einem Arbeitsunfall verlierst du dein freies Arztwahlrecht. Du musst zum Durchgangsarzt, in das BG-System. Ein Reha-Manager der ETEM ruft beim Chef an, beim Arzt an, besichtigt den Betrieb. Hilfe nennt man das. Kontrolle erleben es die Betroffenen.
Dann kommt die Begutachtung, das Nadelöhr. Ob du eine Verletztenrente bekommst, entscheidet die Minderung der Erwerbsfähigkeit. Mindestens 20 Prozent dauerhaft müssen es sein. Wer das feststellt? Ein Gutachter, den die BG selbst beauftragt und bezahlt. Der Arm, der zahlen muss, sucht den Gutachter aus, der sagt, wie viel zu zahlen ist. Ergebnis in der Praxis: 10 Prozent statt 20 Prozent, keine Rente. Erst im Widerspruch, oft erst vor dem Sozialgericht mit Anwalt, kommt die Anerkennung. Wer keinen langen Atem hat, gibt auf. Nur reicht bei den systematischen Traumatisierungen der Heilerhelfer der Atem auch mit Reanimation nicht mehr aus.
Bei Berufskrankheiten ist es noch härter. Lärmschwerhörigkeit, Hautkrankheiten, die typischen ETEM-Fälle. Über 70 Prozent aller BK-Anträge werden in Deutschland abgelehnt. Die Argumente sind immer gleich. Innere Ursache, Vorschaden, privater Lärm, altersbedingt. Ausrede gibt es immer, einen ganzen Katalog hier von. Immer griffbereit und maulschlau.
Und dann kommt der Punkt, der in fast jedem Betroffenenforum steht: Die Akte. Viele Verletzte berichten, dass die Aktenführung zu Gunsten der Berufsgenossenschaft wirke.
In der Hauptakte stehen oft Telefonvermerke wie „Patient wirkt motiviert“ oder „Besserung eingetreten“, während ausführliche Beschwerdeschilderungen des Verletzten nur als subjektive Beschwerden auftauchen.
Viele haben Manipulationen geschildert.
Gutachten, die für den Versicherten sprechen, werden durch ein zweites, niedrigeres Gutachten überlagert. Der Beratungsarzt der BG relativiert Wochen später den Bericht des D-Arztes. Am Ende zählt für den Bescheid die letzte, für die BG günstigere Einschätzung. Fakt ist, Betroffene haben nach § 25 SGB X ein Recht auf vollständige Akteneinsicht, nicht nur auf die Hauptakte, sondern auch auf die interne Reha-Akte und die Beratungsarztakte.
So berichten Betroffene in Foren und vor Sozialgerichten über die BG ETEM, Ein-Satz-Bemerkungen:
– Nach 25 Jahren auf dem Bau wurde mein weißer Hautkrebs als angeblich privat abgelehnt.
– Nach dem Stromunfall hieß es, meine Nervenschäden seien psychisch bedingt.
– Der Reha-Manager rief bei meinem Chef an, ohne mich vorher zu fragen.
– Erst 10% MdE vom Gutachter der BG, vor Gericht dann 30% vom freien Gutachter.
– Mein D-Arzt sagte Arbeitsunfall ja, der Beratungsarzt der BG schrieb danach nein.
– Meine Berufskrankheit Lärmschwerhörigkeit wurde mit Freizeitlärm begründet.
-Nach brutalem Überfall wegselektiert
Das Ergebnis: Die BG ETEM gibt knapp eine Milliarde für Renten und Heilbehandlung aus. Für den einzelnen Schwerverletzten ist es ein jahrelanger Kampf gegen eine Behörde, die kassiert wie ein Staat und streitet wie eine Versicherung. Sie hilft, solange es billig ist. Wird es teuer und dauerhaft, wird aus dem Helfer der Gegner.
Die ETEM muss aufgelöst werden, so eine Forderung von Betroffenen, die Petitionen an den Bundestag gerichtet haben, zu übel waren die einzelnen Schicksale- die wir in den folgenden Wochen ganz dezidiert schildern wollen.
