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Die Schweden hatten die Nase voll von den „Schwedendemokraten“

Die Schweden hatten die Nase voll

Sie hießen mal BSS. Bevara Sverige Svenskt – Erhaltet Schweden schwedisch. 1988 gründeten sich die Schwedendemokraten aus der offenen Neonazi-Szene, aus Uniformträgern, aus White-Power-Bands, aus Leuten mit SS-Runen am Revers. Der Name war das erste große Täuschungsmanöver. Sverigedemokraterna. Wer will schon gegen Demokratie sein? Unter Jimmie Åkesson zogen sie die Springerstiefel aus und die Anzüge an, aber das Personal blieb lange dasselbe, die Chats, in denen von Muslimhorden die Rede war, blieben dieselben.


2022 kam ihr Durchbruch. Nicht in die Regierung, aber an die Macht. Der Tidö-Vertrag, benannt nach dem Schloss, in dem sich Moderate, Liberale, Christdemokraten und die SD einigten, machte sie zum Königsmacher. Ulf Kristersson konnte nur regieren, weil die SD ihn duldeten. Und sie lieferten. Die restriktivste Migrationspolitik, die Schweden je gesehen hat. Abschiebungen verschärft, Familienzusammenführung erschwert, Meldepflichten für Behörden, Kürzungen bei Integrationshilfen. Ihre Sprache war immer dieselbe: Hass als Programm. Hass auf Muslime, Hass auf Sozialarbeiter, Hass auf Journalisten.

Das Ergebnis nach vier Jahren ist ein komplettes politisches Versagen.

Erstens: Sie haben ihr eigenes Kernthema zerstört. Schweden hat eine der ältesten Bevölkerungen Europas. 37 Prozent aller Fachärzte, 53 Prozent aller Pflegehelfer, ein großer Teil der Busfahrer, der Erzieher, der Erntehelfer sind im Ausland geboren. Wer 30.000 bis 50.000 Menschen ohne Papiere aus dem System werfen will, wer gleichzeitig jede Form von Arbeitsmigration als Bedrohung brandmarkt, der sägt am Ast, auf dem das schwedische Gesundheitssystem sitzt. Kliniken melden heute schon, dass sie Schichten nicht besetzen können, während die SD gleichzeitig im Parlament über Verschleierungsverbote debattiert.

Zweitens: Sie haben nichts geliefert, was das Leben der Menschen besser macht. Keine Wohnungen, keine besseren Schulen, keine sinkenden Strompreise. Nur Symbolpolitik. Ihr einziges großes Projekt war die Kulturkampf-Rhetorik. Wer jeden Tag erklärt, Schweden gehe unter, weil es zu tolerant sei, der hat nach vier Jahren Regierungsnähe ein Problem, wenn Schweden immer noch steht, aber die Warteliste beim Arzt länger geworden ist.


Drittens: Sie haben ihre bürgerlichen Partner vergiftet. Die Moderaten von Kristersson sind auf 19,9 Prozent abgestürzt, auf den niedrigsten Wert seit zwanzig Jahren. Die Liberalen mussten um ihr Überleben kämpfen, weil bürgerliche Wähler nicht mehr wussten, ob sie liberal oder rechtsextrem wählen. Die Taktik, die Rechtsextremen durch Einbindung zu zähmen, hat genau das Gegenteil bewirkt. Nicht die SD wurden bürgerlich, die Bürgerlichen wurden zu Erfüllungsgehilfen.

Und gestern haben die Schweden geantwortet. Bei der Wahl am 13. September 2026 haben die Schwedendemokraten 2,8 Prozent und zehn Mandate verloren, sie liegen jetzt bei 17,7 Prozent. Das Oppositionslager aus Sozialdemokraten, Grünen, Linken und Zentrum liegt mit 175 zu 174 Mandaten vorn. Es ist kein linker Rutsch, das linke Lager hat nur 0,4 Prozent zugelegt. Es ist eine Abrechnung mit dem Hass.

Die Schweden sind ein pragmatisches Volk. Sie haben lange überlegt, ob man den Brüdern im Geiste der AfD eine Chance geben soll, weil sie in Anzügen kamen und sagten, wir haben uns geändert. Jetzt haben sie zwei Legislaturperioden gesehen, was passiert, wenn man Hass in Regierungsverantwortung lässt. Er wird nicht kleiner, er wird nur lauter und inkompetenter. Die SD haben in vier Jahren bewiesen, dass sie keine einzige Lösung für ein reales Problem haben. Nur Feindbilder.

Deshalb haben sie verloren. Weil die Schweden die Nase voll hatten von einer Partei, deren einziges politisches Kapital der Hass auf andere ist.

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