Jugoslawien Frühjahr 1970, kasaan media, 2020
Cold Case

Weitere Suche nach der Identität der Isdal-Frau – Jugoslavijo, dobar dan 

Spuren im Nebel einer der mysteriösesten Morde der Nachkriegsgeschichte

Der Fall der Isdal-Frau wird spannender, als er zunächst, auch nach den neueren Untersuchungen der Staatsanwaltschaft in Bergen im Jahre 2016 wirkte. Klar wird, wenn man den Fall der Isdal-Frau aus der Distanz betrachtet, dass zahlreiche Unterlagen der polizeilichen Ermittlung aus diesen Tagen nicht den Weg in das Staatsarchiv in Bergen fanden. Diese Unterlagen scheinen bis heute zurückgehalten zu werden.

Der Grund ist recht einfach, die Erwerber gewisser Gegenstände müssten diese zwangsläufig an die rechtmäßigen Eigentümer zurückgeben.  Andere Unterlagen, die in den Koffern der unbekannten Toten aufgefunden wurden, sind hingegen schon veröffentlicht worden. Wie die unselige Streichholzschachtel von dem Beate-Uhse-Versand. Warum das so ist oder war, lässt sich heute sicherlich nicht mehr feststellen. Der militärische Nachrichtendienst der Norweger bekleckerte sich sicherlich nicht mit Ruhm in diesen Tagen. 

Die Wahrscheinlichkeit, dass die Isdal-Frau auch in Hamburg Aufenthalt hatte, ist sehr groß. Die deutschen Waren könnten aus dem Kepa / Karstadt in Hamburg stammen, die sich damals in Steinwurfweite des Bahnhofs befand. Im Sortiment waren die Gegenstände, die bei Isdal-Frau gefunden wurden, sicher. Zahlreiche Vorgeschichten und journalistische Recherchen können Sie hier finden. 

FOTO: POLITIET / STATSARKIVET I BERGEN
FOTO: POLITIET / STATSARKIVET I BERGEN

FOTO: POLITIET / STATSARKIVET I BERGEN

Es sind im Herbst 50 Jahre vergangen, dass Staatsanwalt Carl Halvor Aas an diesem nebligen November-Tag des Jahres 1970 die Ermittlungen übernahm.

Ausgeschlossen wurde ein angeblicher Selbstmord mit 60 Femenal Tabletten im Magen und einer Kohlenmonoxidvergiftung. Diese Tabletten gab es nicht in Norwegen.  Selbst die Ermittler glaubten nicht an den Suizid. 

Schon nach der Aussage des Fischers konnte man Zweifel über die Vollständigkeit der Akten haben. Diese Aussage steht nun in einem anderen Kontext. Es wurden in den Unterlagen der unbekannten Toten keinerlei Spionagewerkzeuge wie Minikameras etc. gefunden. Trotzdem wurde sie nach dem Treffen mit den beiden südländisch aussehenden Herren auf einem Waldweg kurz vor ihrem Tod, das von einem Zeugen beobachtet wurde, als Spionin gesehen. Der Code, den sie in ihren Tagebüchern verwendete, war ein einfacher und eher naiver Code. Schuhe und Deodorant aus Deutschland wiesen gleich auf eine Mitarbeiterin der Spionage hin. Zudem waren alle Schilder aus der Kleidung entfernt worden. 

Die Pinguin-Raketen werden in diesem Zusammenhang keine Rolle gespielt haben. Auch der später einvernommene Mitarbeiter des israelischen Mossad „Lillehammer-Affäre“ kannte den Namen nicht. Vielmehr ist der Besuch in dem Hotel Bristol in Trondheim interessant – als Vera Jarle aus Antwerpen vom 6. bis 8. November. Zuvor hatte sie unter dem Namen von Alexia Zarna-Merchez, geboren am 27.11.1943 in Ljubljana, im Hotel Neptun in Bergen vom 30.10.1970 – 06.11.1970 übernachtet. 

Die Spur führte laut der Sauerstoff- und Strontium-Isotopen-Analyse der Universität in Canberra auch in das damalige innerstaatliche Grenzgebiet zwischen Serbien und Kroatien. Auf eine gedachte Linie zwischen Užice und Sarajevo.     

FOTO: KART FRA PROF. JURIAN HOOGEWERFF/NATIONAL CENTRE FORENSIC STUDIES/UNIVERSITY OF CANBERRA 

Die Isdal-Frau gab nicht nur einmal an, dass sie Antiquitätenhändlerin war. Dieser Umstand scheint sich 50 Jahre nach dem Auffinden der Leiche im Isdal zu bewahrheiten. Dazu stehen die Aussage des italienischen Fotografen und die Hotelmeldung zur Verfügung. Sie reiste augenscheinlich immer wieder unter falschen Legenden, gab jedoch bei verschiedenen Gelegenheiten auch den Beruf als Verziererin an. Sie kannte sich hervorragend mit Porzellan aus, gab der italienische Fotograf Giovanni Trimboli zu Protokoll. Trimboli war eine zweifelhafte Gestalt, dem Verbindungen zur Mafia und Schmuggel lange nach seinem Tod nachgesagt wurden. Das Fotografieren wäre nur eine Tarnung gewesen.

Es ging um Kunstschmuggel aus dem ehemaligen Ostblock

 BRD_Helmstedt_Zonengrenze_3Isdal_Frau
BRD_Helmstedt_Zonengrenze_3Isdal_Frau

Grenzübergang Helmstedt BRD/DDR 1969, kasaan media, 2020

Ostberlin hatte seit der Aktion Licht im Jahr 1962, in der alle seit dem Krieg nicht genutzten Schließfächer in Banken von Mitarbeitern des Ministeriums für Staatssicherheit geöffnet wurden, die sich nach dem Krieg nicht mehr gemeldet hatten,

Die devisenklamme DDR brauchte Geld. Diese Aktion Licht brachte ihr mehr als 4 Millionen DM zur damaligen Zeit. Darunter zahllose Kunstgegenstände, die in aller Herren Länder geschmuggelt wurden.

Besonders wertvolle Stücke (Gemälde, Schmuck, Antiquitäten, etc.) wurden demnach den Besitzern in den jeweiligen Ländern durch Kuriere übergeben. Erst im Februar 1973 wurde in Ostberlin die KuA GmbH (Kunst und Antiquitäten GmbH) gegründet. Diese setzte noch bis lange in die 1980er Jahre „Verkäufer“ via dem ehemaligen Jugoslawien ein.   Vor Jahren war schon eine Spur zu einem Kunstmaler offenbar geworden, der damals in Norwegen und im Süden Frankreich lebte. Ein gewisser Kjell Varvin zu dem nun die Fährte der Isdal-Frau, auch in anderem Zusammenhang, führte.

Riksarkivet (National Archives of Norway) from Oslo, Norway – Vidkun Quisling og hans kone Maria.

Wahrscheinlich hatten die Schergen bei der Operation Licht Jahre zuvor Anhaltspunkte zum sagenhaften Kunstschatz des Vikun Quisling aufgefunden. Quisling, dessen Name heute noch für die größte Schande Norwegens steht, war der Statthalter der Nazis in Norwegen und hatte seit Ende der 1930er Jahre zusammen mit seiner russischen Gattin eine riesige Kunstsammlung aufgebaut, die nach dem Krieg zum Teil im Osten Deutschlands verschwand.

 2. Teil Die Schmuggler von Titos Gnaden

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