Trump USA

Feuchte Träume Trumps

Aus dem Irrsinn von Donald Trump ist längst ein eigenes visuelles Genre geworden. Am Wochenende hat er es auf die Spitze getrieben.

Auf seiner Plattform Truth Social postete der US-Präsident eine Karte von Nordamerika, auf der es keine Grenzen mehr gibt. Der gesamte Kontinent, von den arktischen Küsten Grönlands bis zur Südgrenze Mexikos, ist in die amerikanische Flagge gehüllt, mit Sternen und Streifen überzogen. Einbezogen sind nicht nur Kanada, Mexiko und Grönland, sondern auch Island und Kuba. Darauf prangt nur noch ein einziger Ländername, in großen Lettern: Vereinigte Staaten von Amerika. Einen Kommentar schrieb Trump nicht dazu. Er ließ das Bild für sich stehen, wie eine Drohung, die keiner Erklärung mehr bedarf.

Die Grafik ist keine Satire, sie ist Teil einer Serie. In den letzten Tagen hat Trump nach Zählung von Beobachtern innerhalb von zehn Stunden rund 40 solcher Posts abgesetzt, fast alle mit KI-generierten Karten und Umbenennungen, die geografische Realität neu konstruieren sollen. Der Mechanismus ist einfach und deshalb so wirksam. Ein Vorbild wird genommen, eine echte Landkarte, dann werden Farbflächen ausgetauscht, Labels überschrieben, und in Sekunden entsteht eine neue Version der Welt, die sich in den sozialen Feeds schneller verbreitet als jede diplomatische Note.

Der Inhalt ist dabei nicht neu, nur die Form ist radikalisiert. Mit Kanada führt Trump einen heftigen Zollstreit und hatte bereits mehrfach anklingen lassen, das Nachbarland könne der 51. Bundesstaat werden. Grönland will er kaufen, angeblich um die zu Dänemark gehörende Insel gegen Russland und China zu verteidigen. Mexiko war schon in seiner ersten Amtszeit Ziel seiner Mauer- und Zollfantasien. Jetzt werden aus diesen Sprüchen Karten, aus Karten werden vermeintliche Tatsachen.


Und es bleibt nicht bei den Nachbarn. Trump hat in seiner zweiten Amtszeit seit 2025 die Umbenennung als politisches Machtinstrument entdeckt. Zuerst taufte er den Golf von Mexiko in Golf von Amerika um, dann ließ er anordnen, dass der Lake Ontario, durch den die Grenze zu Kanada verläuft, künftig Lake America heißen soll. Am Wochenende legte er nach. Er postete eine Karte von New Mexico, auf der das Wort Mexico durchgestrichen war und durch America ersetzt wurde. Aus New Mexico soll New America werden.

Die Reaktionen ließen nicht lange auf sich warten. Mexikos Präsidentin Claudia Sheinbaum schrieb nur wenige Stunden später auf X, ihr Land sei weder eine Kolonie noch ein Protektorat eines fremden Landes und werde es auch niemals sein. Wir sind stolz darauf, ein freies, unabhängiges und souveränes Land zu sein, erklärte sie, ohne Trump namentlich zu nennen. In Kanada und Dänemark ist die Empörung ebenso groß, doch Trump setzt genau darauf. Je größer der Aufschrei, desto größer die Aufmerksamkeit, desto mehr normalisiert sich der Gedanke, dass Grenzen verhandelbar seien, wenn Amerika sie verhandelt. 39c6

Was auf den ersten Blick wie ein bizarrer Post eines 79-Jährigen wirkt, ist in Wahrheit eine Methode. Trump braucht keine Panzer, um Annexion zu inszenieren, er braucht nur eine Karte in den Nationalfarben. Er braucht keine Verträge, um Souveränität zu bestreiten, er braucht nur einen neuen Namen auf einem See. Aus dem Irrsinn wird so eine Strategie der visuellen Enteignung. Er zeigt eine Welt, in der es nur noch Amerika gibt, und wartet ab, wer zuerst widerspricht.

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