Titelbild: Anastasia Hunde/tiktokDauerhafte Spendenaufrufe für ukrainische Straßenhunde auf TikTok werfen Fragen auf
Auf TikTok kursieren seit Monaten unzählige kurze Videos, in denen deutsche Texttafeln von hungernden Hunden und Katzen in der Ukraine berichten. Immer wieder erscheinen dieselben Formulierungen: „Über 60 Hunde brauchen dringend Futter“, „Wir haben Hunger“, „Jeder Euro rettet Leben“ oder „PayPal im Profil“.
Die Bilder zeigen streunende Tiere an Futterschüsseln, Welpen in Zwingeranlagen, kranke oder verletzte Hunde und immer wieder dieselben unbefestigten Wege und Zäune. Zwischendurch bedankt sich der Account für eingegangene Spenden und zeigt Futterpakete, nur um wenige Clips später erneut den dringenden Notfall auszurufen – mal weil Anastasia krank sei, mal weil Klinikschulden offen stünden, mal weil der Bruder angeblich wieder an die Front müsse.
Was auf den ersten Blick wie die verzweifelte Bitte einer einzelnen Helferin wirkt, die sich in einem Dorf nahe Odessa um Dutzende streunende Tiere kümmert, entpuppt sich bei genauerem Hinsehen als ein auffällig standardisiertes Muster.
Die deutsche Ansprache, die massive Häufung nahezu identischer Botschaften und der ständige Verweis auf private Zahlungswege erzeugen den Eindruck einer systematischen Spendenmaximierung.
Seriöse oder zumindest transparente Initiativen arbeiten in der Regel mit nachvollziehbaren Strukturen: eingetragenen Vereinen, regelmäßigen Abrechnungen, Belegen für Futter- und Tierarztkosten oder Kooperationen mit größeren Organisationen. Hier fehlt all das. Stattdessen wird ein emotionaler Kreislauf aufrechterhalten, in dem nach jeder Danksagung sofort die nächste Krise folgt.
Dass es in der Ukraine private Helferinnen und Helfer gibt, die unter schwierigen Bedingungen Straßenhunde und -katzen versorgen und auf Spenden angewiesen sind, steht außer Frage. Manche dieser Menschen leben selbst in prekären Verhältnissen und versuchen, so viele Tiere wie möglich durchzubringen. Das Problem bei diesem Account liegt jedoch nicht in der Existenz von Not, sondern in der Art der Präsentation. Die Dauerbeschallung mit Hunger, Krankheit, Krieg und dem täglichen Überlebenskampf, kombiniert mit dem Fehlen jeglicher nachprüfbarer Rechenschaft, lässt den begründeten Verdacht aufkommen, dass hier entweder stark übertrieben und dramatisiert wird oder dass ein erheblicher Teil der eingehenden Gelder nicht oder nur unvollständig bei den Tieren ankommt.
Solche Muster sind in sozialen Netzwerken, insbesondere auf TikTok, seit Längerem bekannt. Emotionale Tierleid-Videos, private Zahlungswege und fehlende Transparenz gehören zu den typischen Merkmalen von Accounts, die auf impulsive Spenden aus Mitleid setzen.
Wer helfen möchte, ist in den meisten Fällen besser beraten, etablierte Organisationen mit nachvollziehbarer Arbeit und veröffentlichten Berichten zu unterstützen. Bei Profilen, die über Wochen und Monate hinweg denselben emotionalen Druck aufbauen und ausschließlich auf private Konten verweisen, ist gesunde Skepsis nicht nur angebracht, sondern notwendig.
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