Deutschland

Nebel, nasses Laub und kreuzendes Wildschwein

Leipzig, Deutschland

Von Andrea HENTSCHEL

Tiefstehende Sonne, Nebel und kreuzende Wildschweine: Der Herbst bringt für Autofahrer besondere Gefahren mit sich. Das Risiko für Wildunfälle ist in dieser Jahreszeit mit am größten. Fragen und Antworten:

WIE VIELE WILDUNFÄLLE PASSIEREN?

Nach den aktuellsten Zahlen wurden den Autoversicherern im Jahr 2020 rund 272.000 Wildunfälle gemeldet. Rein rechnerisch kollidiert damit alle zwei Minuten ein Auto mit einem Wildtier. Rehe kommen am häufigsten unter die Räder. Ein 20 Kilogramm schweres Reh hat beim Zusammenstoß bei Tempo hundert ein Aufschlaggewicht von fast einer halben Tonne.

WANN IST DIE GEFAHR AM GRÖẞTEN?

Die größte Gefahr droht grundsätzlich in der Morgen- und Abenddämmerung, bei Nacht und Nebel sowie auf Straßen an Wiesen, Feldern und Wäldern. Die Zeitumstellung Ende Oktober verschärft die Situation noch: Tiere ändern ihre Gewohnheiten natürlich nicht, was dazu führt, dass Autofahrer sich ab Ende Oktober bereits am späten Nachmittag auf verstärkte Wildwechsel einstellen müssen.

Im April und Mai sorgen insbesondere Wildschweinrotten mit ihren Frischlingen für eine um rund 20 Prozent höherer Unfallgefahr. Zwischen Oktober und Dezember passieren dann besonders viele Unfälle mit Hirschen, weil diese in ihrer Brunftzeit sehr aktiv sind.

WIE SOLLTEN AUTOFAHRER REAGIEREN?

Grundsätzlich gilt: Im Wald und an Feldrändern Fuß vom Gas. Bei Tempo 70 ist der Bremsweg bei einer Gefahrenbremsung etwa 25 Meter lang – bei Tempo hundert bereits 50 Meter. Steht Wild an der Straße, sollten riskante Ausweichmanöver vermieden werden. Der Zusammenprall mit einem anderen Auto oder Baum geht in der Regel weniger glimpflich aus als die Kollision mit einem Tier. Als Regel gilt: Beim Auftauchen von Wild Fernlicht abblenden, bremsen, hupen und das Auto auf Spur halten. Zudem sollte immer mit Nachzüglern gerechnet werden.

WAS IST NACH EINEM WILDUNFALL ZU TUN?

Die Unfallstelle sollte gesichert und die Polizei gerufen werden. Gibt es Verletzte, wird auch der Rettungsdienst gerufen. Ein verletztes oder totes Tier sollte möglichst nicht angefasst werden. Die Bergung ist Sache des Försters oder Jagdpächters. Wer Wild mitnimmt, macht sich der Wilderei strafbar.

WAS IST WEGEN DER VERSICHERUNG ZU BEACHTEN?

Autofahrer sollten nach dem Unfall die Schäden fotografieren und sich eine Wildunfallbescheinigung von Polizei, Förster oder Jagdpächter ausstellen lassen. Schäden am eigenen Fahrzeug, die durch Haarwild wie Rehe und Wildschweine verursacht werden, deckt die Voll- oder Teilkaskoversicherung ab. Einige Versicherer weiten ihren Schutz zusätzlich auf Unfälle mit bestimmten weiteren oder auch sämtlichen Tieren aus. Auf den persönlichen Schadenfreiheitsrabatt hat ein Wildschaden keinen Einfluss.

Wenn nicht nachzuweisen ist, dass der Schaden am Fahrzeug durch den Zusammenstoß mit Wild oder infolge von Ausweich- oder Bremsmanövern entstand, kann er über die Vollkaskoversicherung reguliert werden. Für einen Wildunfall zahlten die Versicherer 2020 im Durchschnitt mehr als 3100 Euro.

WAS GILT ES BEI RUTSCHIGEM HERBSTLAUB UND NEBEL?

Abrupte Lenkmanöver und Gefahrenbremsungen können durch nasse Blätter auf der Straße zum Teil ihre Wirkung verfehlen. Der ADAC rät, „sehr gefühlvoll“ zu lenken und zu beschleunigen. Eine vorausschauende Fahrweise, angepasste Geschwindigkeit und ausreichend Abstand zum Vordermann empfiehlt sich auch bei Nebel.

Bei dichtem Nebel kann zudem die Lichtautomatik aussteigen – der Schalter sollte daher per Hand auf Fahrtlicht umgestellt werden. Nebelschlussleuchten dürfen übrigens nur bei Nebel mit Sichtweiten von weniger als 50 Metern eingeschaltet werden. Außerdem nennt der Autoklub ACE eine weitere Faustregel: Bei einer Sicht von 50 Metern gilt maximal Tempo 50.

hex/cfm

© Agence France-Presse

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