DDR

Feature: Flucht aus der DDR

Lang, doch so kurz ist es her

30 Jahre ist es nun her, bevor der heiße Sommer 1989 die Welt auf den Kopf stellte und die eigentliche Wiedervereinigung beider deutscher Staaten möglich machte.
Der Sommer der Deutschen.

Noch heute ist es lebende Zeitgeschichte, besonders erinnerlich sind die Karawanen der Trabis und Wartburgs an allen Stellen des Eisernen Vorhangs.

In der DDR allerdings galt der Schießbefehl. Wer gehen wollte, und das waren nicht gerade wenige, wurde nach dem Mauerbau von 1961, möglicherweise an der Grenze gewaltsam gehindert. Für viele endete der Fluchtversuch in Bautzen, in Haft, wegen Republikflucht, für andere kam jede Hilfe zu spät. Sie verbluteten in den Sperranlagen. An der Berliner Mauer kamen 138 Menschen um. Diesen sinnlosen Opfern zu gedenken, kann es nicht genug Erinnerungskultur geben. Chris Gueffroy ist der letzte Mauertote, der im Februar vor 30 Jahren an der Grenze erschossen wurde. Günter Litfin war der Erste, den das Grenzregime 1961 richtete.

Bernauer Strasse 1973.jpg
By Karl-Ludwig Lange – <span class=“int-own-work“>Self-photographed</span>, CC BY-SA 3.0, Link

Viele Leser kennen die DDR nur vom Hörensagen, die Mauer, das Minenfeld an der Grenze, die Selbstschussanlagen, die Laufwege für die Hunde. Die Zäune und die menschenverachtende Ideologie der Clique um Honecker und Mielke. Leider sind die Genossen der Ostberliner Clique nicht hart genug bestraft worden. Ein erbärmliches Beispiel der politischen Vollstreckung ist der Fall Manfred Smolka, der zum Tode verurteilt wurde und von der Stasi als Beispiel für Repression gegen alle Fluchtwilligen benutzt wurde.

Bundesarchiv Bild 183-R1220-401, Erich Honecker.jpg
Von Bundesarchiv, Bild 183-R1220-401 / Autor unbekannt / CC-BY-SA 3.0, CC BY-SA 3.0 de, Link

Bundesarchiv Bild 183-R0522-177, Erich Mielke

Einige flohen mit Ultraleicht-Fliegern, andere flohen über die Ostsee, was sehr gefährlich war und fast ein nicht auszumachendes Risiko. Nur wenigen gelang die Flucht durch das eiskalte Gewässer bis in die internationalen Wasserstraßen. Mit Taucheranzügen und selbst gebauten Schlauchbooten. Auch in Tunneln flohen die DDR-Bürger, die nach Freiheit dürsteten. Es gab Fluchtorganisationen, die von reicher Westverwandtschaft erhebliche Beträge verlangten. Meistens waren diese schon im Visier der Stasi oder deren ausländischen Partnerdiensten. Eine Flucht mit einer Organisation kostete etwa 30.000 DM (15.200 Euro) pro Person.

Bulgarien lag an der NATO Außengrenze zur Türkei. Ein Weg durch die Wälder war dort lebensgefährlich, um nach Griechenland oder in die Türkei zu kommen. Etwa 100 Menschen starben bei den Versuchen, in die Freiheit zu gelangen. Noch heute sind Schicksale von damals ungeklärt.

Wie war eine Flucht aus der DDR überhaupt möglich?
Die DDR und der damalige Ostblock waren in der Tat ein großes Gefängnis. Aus diesem Gefängnis konnte man sich nach verbüsster Haft von der Bundesrepublik Deutschland freikaufen lassen. Meistens wurden die Häftlinge nach drei Jahren in die Bundesrepublik abgeschoben, die Staatsangehörigkeit aberkannt. Gar gab es eine Flugzeugentführung von Danzig nach Westberlin. Der Fantasie der Fluchtwilligen schienen keine Grenzen gesetzt.

Wir haben überlegt, wie wären wir aus der ehemaligen DDR geflohen?

Jeder in der Redaktion sollte einen realen Fluchtweg vor den Schergen der SED in Ostberlin ausarbeiten.

Ein Geheimtipp war der Weg von Ungarn nach Jugoslawien und von da aus über die Grenze nach Österreich. Nach Ungarn zu kommen war kaum ein Problem. Doch aber in das blockfreie Jugoslawien zu gelangen war schon schwieriger. Meistens gelang es, über das Kom-Gebirge nach Jugoslawien zu fliehen. Aber es waren auch Fluchtwege, die über Istrien dann weiterführten.
Diese Wege und die Flucht über Griechenland, die Türkei und was DDR Bürger dort erlebten, wollen wir im 2. Teil des Artikels beleuchten.
Ungefährlich war es allemal nicht. Zumal die Stasi, wie im Fall des 1978 geflüchteten Fussballspielers Lutz Eigendorf, nicht gerade zimperlich mit den Opfern ihrer Machenschaften umging. Zwar wurden Verschleppungen in den Osten, wie noch in den 1950er und 60er Jahren weniger, sicher konnte sich niemand sein, der geflohen war.

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