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Ekurhuleni-Morde erschüttern Südafrika

Titel-Bild:Moselakgomo, SAPS, Gauteng

Ekurhuleni: Das Gesicht unserer Wut

Es begann auf einem Feld neben der R21. Am 15. Juli wurde dort bei Kempton Park, östlich von Johannesburg, der Körper einer 37-jährigen Frau gefunden.
Sie war nackt, mit Kabelbindern gefesselt. Die Polizei nahm zwei Tage später einen Mann fest, nach Berichten südafrikanischer Medien ihr Lebensgefährte, bislang der einzige Festgenommene in diesem Komplex. Es hätte ein Einzelfall bleiben können, einer der vielen Morde, die in Südafrika jeden Tag geschehen. Doch es blieb kein Einzelfall.
Etwas mehr als einen Monat später wurde fast an derselben Stelle erneut eine Leiche entdeckt. Und seit dem 7. September hat sich die Zahl innerhalb weniger Tage vervielfacht. Sieben weitere Frauenkörper in einem Umkreis von nur 25 Kilometern, drei in Olifantsfontein, einer in Springs, einer in Dawn Park, zwei weitere wieder in Kempton Park.


Am Donnerstag kam ein neunter Fund hinzu, nahe einer Baustelle, eine Frau von etwa dreißig Jahren, mit Stichverletzung an der Seite und durchtrennter Kehle. Die Polizei sagt, ob diese neunte Tote zu den anderen Fällen gehört, müsse noch geklärt werden, aber die Muster sind so ähnlich, dass die Behörden selbst von einer Verbindung sprechen, die hinreichend besorgniserregend sei, um eine öffentliche Warnung herauszugeben.

Die Warnung lautete, Frauen in und um Kempton Park sollten nicht allein laufen oder joggen, möglichst in Gruppen unterwegs sein und abgelegene Strecken meiden. Es war genau diese Warnung, die eine zweite Welle ausgelöst hat, nicht der Ermittlungen, sondern der Empörung. Frauen, die längst ihre Routinen geändert haben, die längst nicht mehr allein laufen, die ihre Runden auf bewachte Wohnanlagen verlegen, ihre Läufe abkürzen, weil sie Angst haben, fühlten sich erneut dafür verantwortlich gemacht, am Leben zu bleiben.

Eine Finanzmanagerin aus der Region, Lebogang Kgari, sagte gegenüber CNN, Laufen sei für sie zu einem Trigger geworden. Sie kannte das Opfer nicht persönlich, aber sie kannte Läuferinnen, die Elizabeth Moselakgomo kannten.
Moselakgomo, 38 Jahre alt, von allen „Tsontso“ genannt, war zu einem abendlichen Lauf aufgebrochen und nicht zurückgekehrt. Erst nachdem ihre Laufgemeinschaft eine Suchaktion in den sozialen Medien startete, nachdem ihr Verschwinden viral ging, wurde mit Intensität gesucht, wurde ein multidisziplinäres Team aus Mordkommission, forensischer Psychologie, Forensik und Spürhunden zusammengestellt, wurden Patrouillen erhöht.


Die Advocacy-Gruppe „Women For Change“ schrieb dazu, es sollte nicht erst eine vermisste Frau, eine verzweifelte Familie und eine Community, die selbst sucht, brauchen, bis ein Gebiet mit dieser Intensität durchkämmt werde. Der Daily Maverick titelte, Moselakgomo sei jetzt das Gesicht unserer Wut.

Diese Wut hat einen Hintergrund, der weit über Ekurhuleni hinausreicht. Südafrika verzeichnete im Finanzjahr 2024/25 nach offiziellen Angaben 24.692 Morde, im Durchschnitt 68 pro Tag. Nur 10.129 Fälle wurden überhaupt zur Anklage gebracht, nur 3.628 endeten mit einer Verurteilung.

Für Frauen ist das Risiko, ermordet zu werden, nach Zahlen der Vereinten Nationen fünfmal so hoch wie im globalen Durchschnitt.
Präsident Cyril Ramaphosa erklärte geschlechtsbasierte Gewalt im November 2025 offiziell zum nationalen Desaster, nachdem er bereits 2019 nach einer Reihe von Morden an Frauen, darunter an der Studentin Uyinene Mrwetyana, die in einem Postamt in Kapstadt getötet wurde, und an einer Profiboxerin, von einem Krieg gegen Frauen gesprochen hatte. Damals wurde unter dem Hashtag AmINext landesweit protestiert, damals wurde ein Notfallplan mit 1,6 Milliarden Rand angekündigt, damals band die Herzogin von Sussex am Tatort in Kapstadt ein gelbes Band fest. Sieben Jahre später ist das Band noch da, die Rhetorik auch, aber sicherer sind Frauen nicht geworden.

In Kempton Park, wo Moselakgomo gefunden wurde, stehen heute Kerzen, für Donnerstag ist ein Marsch angekündigt. Bilder der Opfer kursieren im Netz, was die Polizei scharf kritisiert, weil es Angst verbreite und Nachahmungstaten begünstigen könne. Die Bilder zeigen Frauen, die auf dem Weg zur Arbeit waren, die laufen waren, die zu Hause waren. Und sie zeigen ein System, das seit Jahren versucht, mit Appellen an Frauen zu reagieren, statt mit Verurteilungen von Tätern.
Gautengs Polizeichef Fred Kekana sagt, man prüfe alle Möglichkeiten, auch die, dass es mehrere Täter oder voneinander unabhängige Taten seien, man wolle sich nicht voreilig auf die These eines Serienmörders festlegen. Die Erinnerung an frühere Serien ist dennoch da. In den neunziger Jahren tötete Moses Sithole mindestens 37 Frauen und ein Kind in Gauteng, 15 Leichen wurden damals in Cleveland gefunden, ebenfalls östlich von Johannesburg.



Was in Ekurhuleni gerade geschieht, ist deshalb nicht nur ein Kriminalfall. Es ist die Sichtbarmachung einer Epidemie, die seit Jahren als solche bezeichnet wird und dennoch weiterwächst. Es geht um Felder neben Autobahnen, an denen Frauen gefunden werden, die dort nicht sein sollten, weil niemand dort sicher ist. Es geht um eine Polizei, die erst dann ein Gebiet systematisch absucht, wenn der Druck aus den sozialen Medien groß genug ist. Und es geht um einen Staat, der Femizid zum nationalen Desaster erklärt hat und gleichzeitig Frauen rät, nicht allein zu laufen, als sei das eine Lösung.

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