Johannesburg - Eine Stadt in Angst

Wer es sich leisten kann, zieht sich hinter Mauern und Elektrozäune zurück: In Johannesburg hat die Angst vor Kriminalität in den letzten Jahren bizarre Formen angenommen und ein neues Stadtbild entstehen lassen - abgeschottete Hochsicherheitsburgen vornehmlich weißer Afrikaner existieren neben den Townships der Armen.

Afrika Südafrika

Johannesburg – die Innenstadt, die sich selbst aufgegeben hat- endgültig

JOHANNESBURG – DIE INNENSTADT, DIE SICH SELBST AUFGEGEBEN HAT-

Wer heute durch die Johannesburger Innenstadt läuft, läuft nicht durch eine Metropole. Er läuft durch eine Warnung.

Was einst als das wirtschaftliche Herz Afrikas galt – mit Carlton Centre, Commissioner Street, Bankenviertel – ist heute ein Schatten seiner selbst. Und das ist noch freundlich formuliert.


Verfall als Normalzustand

Ganze Straßenzüge zwischen Hillbrow, Berea und CBD bestehen nur noch aus entkernten Hochhäusern. Fensterscheiben fehlen, Kabel hängen aus Fassaden, Aufzüge funktionieren seit Jahren nicht. Offiziell „hijacked buildings“ – gekapert von kriminellen Syndikaten, die Miete kassieren, aber keinen Cent in Wasser, Strom oder Brandschutz investieren.


Die Stadtverwaltung weiß es. Sie tut nichts. Mehr als 400 solcher Gebäude soll es laut Stadtbericht geben. Bewohner leben ohne Müllabfuhr, mit einem Wasseranschluss für 80 Parteien.

Das Feuer in der Usindiso-Mine im August 2023 mit 77 Toten war kein Unfall. Es war eine Ankündigung.

Kriminalität als Geschäftsmodell

Tagsüber ist die Innenstadt laut, voll, chaotisch. Nach 16 Uhr leert sie sich. Wer kann, flieht nach Sandton, Rosebank, nach Norden. Wer bleiben muss, lebt nach eigenen Gesetzen.

Handy in der Hand? Weg. Uhr am Handgelenk? Weg. Auto an der Ampel? Hijacking. Die Polizei ist präsent – und machtlos oder desinteressiert. Viele Geschäftsleute zahlen lieber private Securities als sich auf die SAPS zu verlassen.

Kleinhändler erzählen das Gleiche: Schutzgeld, Einbrüche, keine Versicherung zahlt mehr für das CBD.

Ein Schatten seiner selbst

Johannesburg hat alles, was eine Weltstadt braucht: Geld, Menschen, Energie. Was fehlt, ist Verwaltung. Seit Jahren wechselt der Bürgermeister, Koalitionen brechen nach Monaten, Budgets verschwinden in Untersuchungen.



Während Kapstadt und selbst Durban sanieren, lässt Johannesburg sein Zentrum verrotten. Investoren bauen drumherum. Die Innenstadt wird zum Ghetto der Zurückgelassenen.

Die Wahrheit ist hart: Ohne massive Zwangsräumungen, Sanierung und eine Polizei, die ihren Job macht, ist das CBD nicht mehr zu retten. Wer von „Revitalisierung“ spricht, hat seit zehn Jahren nicht mehr zu Fuß die Pritchard Street durchquert.

Johannesburg lebt noch. Aber nicht hier.

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