Titelbild: Julius Malema,2011
Der Hass, den Julius Malema über Jahre hinweg mit seinen radikalen Aussagen und provokanten Auftritten geschürt hat, scheint nun auf ihn selbst zurückzuschlagen – und das in einer Weise, die viele Beobachter als bittere Ironie empfinden. Der charismatische, aber hochumstrittene Anführer der Economic Freedom Fighters (EFF) steht seit Langem im Zentrum polarisierender Debatten: Für seine Anhänger ist er ein unerschrockener Kämpfer gegen anhaltende Ungleichheit und weiße Vorherrschaft in Südafrika, ein Mann, der laut und kompromisslos für Landreform, Nationalisierung und die Rechte der Armen eintritt. Für seine Kritiker hingegen verkörpert er den klassischen Hetzer, der mit feuriger Rhetorik Rassenhass schürt, Gewalt verherrlicht und die Gesellschaft spaltet, anstatt sie zu einen.
Der aktuelle Höhepunkt dieser Konfrontation zeigt sich in dem langwierigen Gerichtsverfahren wegen des Vorfalls bei einer EFF-Veranstaltung im Jahr 2018, als Malema vor Tausenden Anhängern Schüsse aus einem Gewehr in die Luft abgefeuert hat. Im Oktober 2025 wurde er des illegalen Waffenbesitzes, des unbefugten Abfeuerns einer Schusswaffe in einem öffentlichen Bereich sowie der rücksichtslosen Gefährdung von Personen und Eigentum für schuldig befunden – Vorwürfe, die er stets als politisch motiviert und lächerlich abgetan hat, indem er behauptete, es habe sich um eine Attrappe gehandelt. Doch das Gericht sah das anders und verurteilte ihn eindeutig. Nun hängt über ihm die Drohung einer Haftstrafe von bis zu 15 Jahren, auch wenn mildere Sanktionen wie gemeinnützige Arbeit oder eine Bewährungsstrafe möglich bleiben.
Bei der jüngsten Vorverhandlung zur Strafzumessung am 23. Januar 2026 in East London strömten Tausende rot gekleidete EFF-Unterstützer zusammen, um ihren „Commander-in-Chief“ zu feiern und zu schützen, während das Gericht einen umfangreichen Sozialbericht prüfte und die Argumente beider Seiten abwog. Die Staatsanwaltschaft drängt auf eine harte Gefängnisstrafe, um ein Exempel zu statuieren und die Glaubwürdigkeit des Rechtsstaats zu untermauern – gerade weil Malema als einflussreicher Politiker immer wieder mit dem Gesetz in Konflikt geraten ist. Die Verteidigung hingegen plädiert für Milde und betont, dass keine Person verletzt wurde und der Vorfall symbolisch gemeint gewesen sei. Am Ende vertagte die Richterin das Verfahren auf den 15. und 16. April 2026 für die abschließenden Plädoyers und das Urteil, was bedeutet, dass Malema vorerst auf freiem Fuß bleibt, aber unter enormem Druck steht.
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Sollte eine Freiheitsstrafe von mehr als zwölf Monaten verhängt und in allen Instanzen bestätigt werden, wäre das nicht nur ein persönlicher Schlag für Malema – es würde ihn automatisch aus dem Parlament ausschließen und die EFF vor eine existenzielle Krise stellen. Viele sehen darin eine Art karmische Gerechtigkeit: Der Mann, der oft mit martialischen Drohungen gegen Gegner wie AfriForum auftritt und verkündet hat, unter einer EFF-Regierung würden bestimmte Gruppen „beten“, dass sie nie an die Macht kämen, könnte nun selbst die Konsequenzen seiner eigenen Aggressivität und Gesetzesüberschreitungen tragen. Kritiker argumentieren, dass genau diese Art von rücksichtslosem Verhalten – sei es das Abfeuern einer Waffe in einer Menschenmenge oder die wiederholte Verwendung provokativer Sprache, die an der Grenze zur Hetze steht – den Kreislauf von Gewalt und Misstrauen in Südafrika nährt und letztlich auf den Hetzer selbst zurückfällt.
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Ob Malema tatsächlich ins Gefängnis muss, bleibt abzuwarten – das südafrikanische Justizsystem ist langsam, und Berufungen könnten den Prozess noch Jahre in die Länge ziehen. Doch unabhängig vom Ausgang hat der Fall bereits eine klare Botschaft gesendet: Niemand, auch kein charismatischer Populist mit Millionen von Followern, steht über dem Gesetz. Der Hass, den er gesät hat, um politisch zu mobilisieren, könnte nun die Waffe sein, die ihn selbst trifft – und das in einem Land, das ohnehin genug unter Spaltung und Gewalt leidet. Für seine Gegner ist das eine willkommene Demut, für seine Anhänger ein Beweis weiterer Unterdrückung; für die Gesellschaft insgesamt aber ein Moment, in dem die Frage gestellt wird, ob radikale Rhetorik wirklich Veränderung bringt oder nur neue Ketten schmiedet.
