Titelbild: M-141, Bukharov, Wikipedia 4.0
Donald Tusk warnt vor massivem russischen Angriff mit Drohnen und Raketen – NATO als Unterstützer der Ukraine im Visier.
Polens Ministerpräsident Donald Tusk hat nach einer Krisensitzung in Warschau eindringlich vor einer neuen Eskalationsstufe Russlands gewarnt. Anlass war ein russischer Drohnenangriff am Sonntag in der westukrainischen Region Wolyn, nur achthundert Meter vor der polnischen Grenze. Nach ukrainischen und polnischen Angaben traf eine Drohne die Lokomotive eines Passagierzuges auf dem Weg nach Warschau mit zweihundertsechs Personen an Bord, eine zweite schlug nahe dem Grenzübergang Dorohusk-Jahodyn ein. Verletzt wurde niemand, der Bahnverkehr musste zeitweise unterbrochen werden.
Tusk sagte, Russland werde seine Angriffe in den kommenden Wochen und Monaten noch verstärken, und er könne nicht ausschließen, dass diese Eskalation auch polnisches Territorium betreffen werde. Er verwies auf Informationen, die er von Verbündeten und direkt von der CIA erhalten habe, und betonte, Polen und ganz Europa müssten sich auf verschiedene Szenarien vorbereiten, nicht nur an der russisch-ukrainischen Front, sondern auch entlang der gesamten Ostflanke der EU und der NATO.
Besonders besorgt zeigt sich Tusk über den Einsatz neuer Jet-Drohnen durch Russland. Ihre Reichweite und Präzision seien besorgniserregend und deutlich gefährlicher als bisherige Modelle. Russland selbst erklärte, es greife Bahnstrecken an, die für Rüstungstransporte aus Europa in die Ukraine genutzt würden. Damit wird deutlich, worauf die Strategie abzielt, die Versorgungs- und Grenzübergänge zwischen der EU und der Ukraine zu desorganisieren und zu treffen, ohne formal NATO-Gebiet anzugreifen.
Die Warnung kommt nicht aus dem Nichts. Bereits am zehnten September hatte Polen neunzehn russische Drohnen im eigenen Luftraum gemeldet und einen Teil davon abgeschossen, unterstützt von F-sechzehn und F-fünfunddreißig Jets von Verbündeten.
Es war das erste Mal, dass ein NATO-Mitglied im Ukraine-Krieg scharf geschossen hat. Tusk nannte den Vorfall damals eine groß angelegte Provokation und die größte Nähe zu einem offenen Konflikt seit dem Zweiten Weltkrieg, er ließ daraufhin Artikel vier des NATO-Vertrages aktivieren.
Nach Tusks Einschätzung geht es Russland darum, die NATO als Unterstützer der Ukraine zu schwächen, durch ständige Nadelstiche nahe der Grenze, Angriffe auf kritische Infrastruktur wie Bahn und Energie und die Erzeugung von Unsicherheit in der Bevölkerung. Nur maximale Vorbereitung könne verhindern, dass es zu dramatischen Ereignissen komme, so Tusk. Die Lage an den Grenzübergängen sei derzeit unter Kontrolle, der Verkehr laufe normal, werde aber je nach Sicherheitslage immer wieder kurz gestoppt.
