Titelbid: Ratko Mladic in Sarajevo,1993 Evstafiev, Wikipedia 3.0
Wir lassen uns das nicht bieten – Ein Völkermörder ist kein Volksheld (ode)
Es gibt Bilder, die zeigen, wie weit Serbien von Europa entfernt ist. Die Beerdigung von Ratko Mladic am Montag in Belgrad ist so ein Bild.
Tausende Menschen stehen Schlange vor der St.-Lukas-Kirche. Fahnen, Militärkapelle, Kränze. Offiziere in Uniform tragen den Sarg. Minister der Regierung sind anwesend. Der russische Botschafter verneigt sich. Es sieht aus wie ein Staatsbegräbnis. Es ist als Staatsbegräbnis gemeint.
Beerdigt wurde nicht irgendein General. Beerdigt wurde ein Mann, der am 27. August 2026 in Den Haag gestorben ist, während er eine lebenslange Haftstrafe verbüßte. Verurteilt vom Internationalen Strafgerichtshof für das ehemalige Jugoslawien wegen Völkermords, Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit.
Ratko Mladic war der Mann von Srebrenica. Im Juli 1995 liess er die UN-Schutzzone stürmen und sagte den verängstigten Bosniaken noch in die Kamera: „Habt keine Angst“. Danach liess er 8.000 Jungen und Männer zusammentreiben und erschiessen. Er war der Mann von Sarajevo, der eine Stadt drei Jahre lang belagern und beschießen liess. 10.000 Tote.
Der Internationale Gerichtshof und das Jugoslawien-Tribunal haben Srebrenica als Völkermord anerkannt. Das ist kein „Vorwurf“. Das ist ein Urteil.
Und was macht Belgrad? Justizminister Nenad Vujic kündigt vorab an: „General Mladic ist ein General, und das Protokoll ist bekannt“. Übersetzt: Wir behandeln ihn, wie wir einen Helden behandeln.
EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen musste einschreiten: Sie zeigte sich „schockiert“ über die Feierlichkeiten. „Er war verantwortlich für Völkermord“. Dass es offizielle Unterstützung gegeben habe, sei „zutiefst bedauerlich“. Das ist Brüsseler Diplomatensprache für: Ihr habt den Verstand verloren.
Denn Serbien will in die EU. Es ist Beitrittskandidat. Gleichzeitig pflegt die Regierung unter Aleksandar Vucic enge Beziehungen zu Russland und China und inszeniert einen verurteilten Kriegsverbrecher als Märtyrer.
Das ist kein internes serbisches Folklore-Fest. Das ist die Verherrlichung von Völkermord mitten in Europa. Und es ist ein Schlag ins Gesicht der Überlebenden. Munira Subasic, die Vorsitzende der Mütter von Srebrenica, die Mann und Sohn verlor, sagte einmal: Die Deutschen hatten Hitler, die Serben haben Mladic.
Wer heute in Deutschland und der Schweiz Hakenkreuze an Schulen schmiert, wer in sozialen Netzwerken vom „Todesengel“ Mengele Memes macht, der lernt aus genau solchen Bildern: Man kann 8.000 Menschen ermorden lassen und trotzdem als Held beerdigt werden.
Wir lassen uns das nicht bieten. Wer Völkermord als Heldentum verkauft, hat in der EU nichts zu suchen. Und wer hierzulande Mladic-Plakate klebt oder seine Taten leugnet, muss wissen: In Deutschland ist die Billigung, Leugnung und Verharmlosung von Völkermord strafbar.
Die Toten von Srebrenica haben kein Grab, keine Kirche, keine Ehrenwache bekommen. Sie liegen in Massengräbern. Mladic bekam Blumen und Salutschüsse.
Dieses Begräbnis war kein Abschied. Es war eine Ansage. Die Antwort Europas muss genauso klar sein.
