Allgemeine Nachrichten

Psychische Gewalt und Deepfakes-Collien Fernandes und Christian Ulmen

Titelbild:
Der Fall um Collien Fernandes und ihren Ex-Mann Christian Ulmen hat in Deutschland Ende 2025 und Anfang 2026 eine heftige Debatte über Deepfakes, digitale Gewalt und insbesondere die psychischen Folgen solcher Angriffe ausgelöst.

Collien Fernandes, bekannt als Moderatorin und Schauspielerin, hat über Jahre hinweg gegen eine Flut von gefälschten pornografischen Inhalten gekämpft, die mit KI-Technologie hergestellt wurden und sie in extrem sexualisierten, demütigenden Szenen zeigten. Sie beschreibt, wie hunderte solcher Deepfake-Bilder und -Videos im Netz kursierten, oft mit Titeln wie „Jerk-off Challenge“, die hunderttausende Male abgerufen wurden.

Fake-Profile in ihrem Namen wurden erstellt, mit denen Unbekannte – oder wie sie nun vorwirft: gezielt ihr Ex-Partner – Telefonsex-Terminvereinbarungen trafen, pornografisches Material verschickten und ihre Identität komplett instrumentalisierten.
Die psychische Gewalt, die durch solche Deepfakes entsteht, ist für Betroffene oft kaum erträglich und unterscheidet sich in ihrer Wirkung kaum von realer sexualisierter Gewalt. Fernandes hat öffentlich gesagt, sie fühle sich, „als hätte man mir über Jahre meinen Körper geklaut“. Jedes Mal, wenn sie oder Menschen in ihrem Umfeld auf solche Inhalte stießen, wurde die Demütigung neu aktiviert: Scham, Hilflosigkeit, das Gefühl permanenter Bloßstellung und des Kontrollverlusts über den eigenen Körper und die eigene Sexualität. Sie spricht von „virtueller Vergewaltigung“, weil der Täter – in diesem Fall mutmaßlich jemand aus nächster Nähe – ihren Körper und ihr Gesicht ohne Einwilligung in Szenen zwang, die sie nie erlebt hat, die aber für Außenstehende täuschend echt wirken.
Diese Form der Gewalt hinterlässt tiefe Spuren: Viele Betroffene entwickeln Symptome wie posttraumatische Belastungsstörungen, massive Angstzustände, sozialen Rückzug, Schlafstörungen und ein dauerhaft gestörtes Körpergefühl. Fernandes selbst hat beschrieben, dass sie sich teilweise wie in einer Todesnachricht fühle – als ob ein Teil von ihr öffentlich getötet und zur Schau gestellt würde.Besonders perfide wird die psychische Zerstörungskraft, wenn der Täter – wie Fernandes nun in ihrer Strafanzeige in Spanien vorwirft – aus dem engsten privaten Umfeld kommt. Die Trennung des Paares erfolgte 2025 auf Mallorca, wo sie lange lebten.

Fernandes erstattete Ende 2025 Anzeige gegen Ulmen, unter anderem wegen Identitätsmissbrauch, Beleidigung, Bedrohung, Verbreitung pornografischer Inhalte und – neben körperlichen Übergriffen – massiver psychischer Gewalt durch diese digitale Kampagne. Der Vorwurf lautet, Ulmen habe über Jahre Fake-Accounts betrieben, Deepfakes erstellt und verbreitet, teilweise in direkter Kommunikation mit anderen Männern unter ihrem Namen.
Für Fernandes bedeutete das nicht nur die öffentliche Demütigung, sondern auch den Verrat durch jemanden, dem sie einst vertraute und mit dem sie ein scheinbar glückliches Promi-Paar bildete.
Diese Nähe des Täters verstärkt das Trauma enorm: Das Vertrauen in Beziehungen, in die Privatsphäre und in die eigene Wahrnehmung wird nachhaltig zerstört.
Psychologisch betrachtet handelt es sich bei Deepfake-Pornografie um eine besonders invasive Form narzisstischer und misogyner Kontrolle. Der Täter enteignet das Opfer symbolisch seines Körpers, macht ihn zum Objekt öffentlicher Lust und Schande und zwingt es in eine passive Rolle, in der es keine Gegenwehr geben kann.

Die ständige Verfügbarkeit der Inhalte im Netz sorgt für einen nie endenden Kreislauf der Viktimisierung – selbst wenn einzelne Videos gelöscht werden, tauchen sie oft an anderer Stelle wieder auf. Studien zeigen, dass über 90 Prozent aller Deepfakes pornografisch sind und fast ausschließlich Frauen betreffen.

Die psychischen Langzeitfolgen ähneln denen von Stalking-Opfern oder Opfern wiederholter sexualisierter Übergriffe: Chronische Hypervigilanz, Selbstzweifel, Schamattacken und das Gefühl, nie wieder wirklich „sauber“ oder sicher zu sein.Der Fall hat eine gesellschaftliche und rechtspolitische Lawine ausgelöst. Justizministerin Hubig und andere Politiker fordern inzwischen explizite Strafbarkeit des Herstellens und Verbreitens pornografischer Deepfakes, weil das geltende Recht (vor allem Recht am eigenen Bild, § 201a StGB oder Beleidigung) oft nur Bagatellstrafen oder gar keine Handhabe bietet. Fernandes selbst hat schon vor Jahren in Dokumentationen und Interviews auf diese Schutzlücken hingewiesen und sich für Betroffene stark gemacht.
Nun ist sie selbst zum prominentesten Beispiel geworden, wie nah Täter oft stehen und wie tief die psychische Verwundung durch digitale sexualisierte Gewalt reicht. Es ist eine Gewaltform, die unsichtbar bleibt, aber real verletzt – und die zeigt, dass der digitale Raum längst kein Schonraum mehr ist, sondern ein Tatort, an dem Seelen nachhaltig zerstört werden können.

Themenverwandte Artikel

Das große Aufräumen geht im Saarland los

the kasaan times

Lippetal-Herzfeld – Knochenfund bei Erdarbeiten in Lippetal-Herzfeld

the kasaan times

Was tun, um die Kriegsgefahr abzuwenden?

the kasaan times

Mobile militärische wird Infrastruktur digitalisiert

the kasaan times

20 Tote im Himalaya geborgen- Flug TB903 zerschellte an einer Felswand

the kasaan times

Russland bereitet sich auf eine militärische Konfrontation vor

the kasaan times

Menschenrechtssituation in Belarus gibt Anlass zu großer Besorgnis

the kasaan times

Autofahren auf Schnee und Eis

the kasaan times

Duterte ist auf dem Weg nach Den Haag

the kasaan times

Staatsanwalt: Weinstein nutzte seine Macht systematisch für Vergewaltigungen

the kasaan times

Ungewöhnlich heftiges Beben in Alaska- Tsunami-Warnung mittlerweile aufgehoben

the kasaan times

Anschlag von Ukraine auf Nordstream 2 -Festnahme

the kasaan times

Hinterlasse einen Kommentar

*