Was bei Otto auf den Tisch kam
Wenn wir heute an ein mittelalterliches Festmahl denken, sehen wir vor unserem inneren Auge oft Berge aus Bratkartoffeln, dazu Pfeffersoße und vielleicht noch Tomaten. Nichts davon hätte Otto der Große je zu Gesicht bekommen. Die Welt auf dem Teller sah im Jahr 970 völlig anders aus als heute, und sie erzählt viel darüber, wie die Menschen damals lebten.
Die Grundlage für alle, vom einfachen Bauern bis zum Kaiser in Magdeburg, war das Brot. Es war kein helles, fluffiges Brot wie heute, sondern ein schweres, dunkles Brot aus Roggen, Gerste und Dinkel, das in großen Laiben im Lehmofen gebacken wurde und oft mehrere Tage halten musste. Wer kein Brot hatte, aß Brei. Brei war das tägliche Essen, morgens, mittags, abends. Ein dicker, heißer Brei aus Hafer oder Gerste, mit Wasser oder Buttermilch angerührt, manchmal mit Erbsen und Lauch verlängert. Dazu kam, was der Garten hergab. Kohl, Rüben, Zwiebeln, Lauch und im Sommer die Kräuter aus dem Klostergarten wie Dill, Petersilie und Koriander.
Fleisch war das Zeichen von Macht und Reichtum. Otto aß viel Fleisch, weil er es sich leisten konnte. Schwein war am wichtigsten, dazu Rind und Schaf, Hühner für die Eier und den Sonntagsbraten. Gejagt wurde Hirsch, Wildschwein und Hase, aber das war dem Adel vorbehalten. Das Fleisch kam über das offene Feuer, wurde in großen Kesseln gesotten oder eingesalzen und geräuchert, damit es den Winter überlebte. Fisch kam vor allem an den vielen Fastentagen der Kirche auf den Tisch. Das konnten die Menschen in Frankfurt damals nicht selbst fangen, also aß man getrockneten Hering aus dem Norden, der in Fässern mit Salz transportiert wurde, oder Fische aus der Elbe und ihren Nebenflüssen.
Was es nicht gab, war fast alles, was wir heute für selbstverständlich halten. Kartoffeln, Tomaten, Paprika, Mais und Sonnenblumenöl kamen erst mit der Entdeckung Amerikas fünfhundert Jahre später nach Europa. Zucker war völlig unbekannt. Die einzige Süße war Honig, den die Zeidler aus den Wäldern holten. Er war so wertvoll, dass daraus auch Met gebraut wurde, der Honigwein für Feste.
Gewürze waren pures Gold. Pfeffer musste über tausende Kilometer aus Indien über Venedig nach Deutschland gebracht werden. Er war so teuer, dass man damit Schulden bezahlen konnte. Eine Pfeffersoße, wie wir sie heute kennen, hätte ein Vermögen gekostet. Stattdessen würzte man mit Senf, der hier wuchs, und mit Salz aus den Salinen von Halle.
Getrunken wurde kaum Wasser, weil es oft verschmutzt war und krank machte. Das tägliche Getränk für alle, auch für Kinder, war Dünnbier, ein leichtes Bier mit wenig Alkohol, das aus Gerste gebraut wurde und nahrhaft war. Am Hof gab es dazu besseren Met und, wenn die Händler aus dem Rheinland kamen, auch Wein.
So saß man also zusammen an einer langen Holztafel in einer steinernen Halle, bei Kerzenschein. Vor den einfachen Leuten eine Schale Brei, ein Stück dunkles Brot und Kraut. Vor dem Kaiser ein gebratener Schweinerücken, Brot, Käse, Honig und ein Krug Met. Es war eine einfache, aberc ehrliche Küche.
