Archäologie

Argentinosaurus – ein Gigant, selbst unter den Sauriern

Titelbild: KI- kasaan media, 2026

 

Argentinosaurus, benannt nach dem Land seiner Entdeckung, gehört zu den beeindruckendsten und gigantischsten Kreaturen, die jemals über die Erde gewandelt sind. Dieser kolossale Sauropode lebte vor etwa 95 bis 90 Millionen Jahren in der ausgehenden frühen bis mittleren Oberkreide im heutigen Argentinien, genauer gesagt in der damaligen südamerikanischen Landmasse, die damals noch Teil des zerfallenden Superkontinents Gondwana war.
Als Vertreter der Titanosaurier, einer Gruppe langhalsiger Pflanzenfresser, die gegen Ende der Dinosaurier-Ära die größten Landtiere stellten, verkörpert Argentinosaurus den Höhepunkt dieser Entwicklungslinie.

Die Fossilien dieses Giganten wurden Ende der 1980er Jahre in der Provinz Neuquén gefunden, zunächst von einem Farmer, der einen riesigen Oberschenkelknochen für versteinertes Holz hielt. Erst 1993 beschrieben die Paläontologen José Bonaparte und Rodolfo Coria das Tier wissenschaftlich als Argentinosaurus huinculensis. Die Überreste sind leider sehr fragmentarisch: Man kennt mehrere riesige Wirbel von enormer Größe – einer davon misst vom unteren Wirbelkörper bis zur Spitze des Dornfortsatzes fast 1,60 Meter –, Teile von Rippen, ein Schienbein von etwa 1,55 Metern Länge sowie einen teilweise erhaltenen Oberschenkelknochen mit einem beeindruckenden Umfang von rund 1,20 bis 1,30 Metern. Genau diese Unvollständigkeit macht genaue Rekonstruktionen schwierig, weshalb die Größen- und Gewichtsschätzungen in der Fachwelt bis heute variieren.Die meisten seriösen Rekonstruktionen gehen heute von einer Gesamtlänge zwischen etwa 30 und 35 Metern aus, wobei einige optimistischere Modelle bis knapp 37 oder sogar knapp 40 Meter reichen, wenn man besonders lange Hälse und Schwänze annimmt, wie sie bei verwandten südamerikanischen Titanosauriern vorkommen. Die Schulterhöhe lag vermutlich bei 7 bis 7,5 Metern, wenn das Tier auf allen vieren stand – hoch genug, um über die meisten modernen zweistöckigen Häuser hinwegzublicken. Das Gewicht wird in neueren, vorsichtigeren Schätzungen meist zwischen 65 und 80 Tonnen angesiedelt, wobei der wahrscheinlichste Wert oft um die 73 bis 75 Tonnen kreist. Ältere oder spekulativerere Berechnungen nannten teilweise bis zu 90 oder sogar über 100 Tonnen, doch aktuelle volumetrische Modelle und Vergleiche mit besser erhaltenen Verwandten wie Patagotitan oder Dreadnoughtus haben diese oberen Grenzen eher nach unten korrigiert. Dennoch bleibt Argentinosaurus damit eines der schwersten Landtiere der Erdgeschichte – vergleichbar mit 10 bis 12 ausgewachsenen afrikanischen Elefanten zusammen.Der Körperbau folgte dem klassischen Sauropoden-Muster in extremer Ausprägung: Ein langer, schlanker Hals, der wahrscheinlich sehr beweglich war und es dem Tier erlaubte, in weitem Radius Vegetation von Bäumen oder dem Boden zu erreichen, ohne den massigen Körper viel bewegen zu müssen.

Der Schwanz war ebenfalls sehr lang und diente vermutlich als Gegengewicht und vielleicht auch als Kommunikations- oder Abwehrinstrument. Der Rumpf war breit und tonnenförmig, getragen von vier säulenartigen Beinen, deren Knochen unglaublich massiv und stabil gebaut waren, um das gigantische Gewicht tragen zu können. Der Schädel selbst ist leider nicht bekannt, doch wie bei anderen Titanosauriern dürfte er relativ klein gewesen sein, mit breiten, spatelförmigen Zähnen, die zum Abrupfen von Blättern, Trieben und Nadeln geeignet waren. Argentinosaurus ernährte sich rein pflanzlich und verschlang täglich enorme Mengen an Vegetation – Schätzungen gehen von mehreren hundert Kilogramm pro Tag aus –, um den Energiebedarf dieses Riesen zu decken.Trotz seiner enormen Größe hatte das adulte Tier wahrscheinlich kaum natürliche Feinde. Die Raubsaurier der damaligen Zeit, wie etwa Giganotosaurus oder Mapusaurus, waren zwar selbst riesig, doch ein gesunder, ausgewachsener Argentinosaurus war mit seiner schieren Masse und den kräftigen Beinen und dem peitschenden Schwanz eine fast unangreifbare Festung. Gefährdet waren vor allem die Jungtiere: Man nimmt an, dass Argentinosaurus wie viele Sauropoden zahlreiche Eier in Nestern ablegte – möglicherweise Eier von etwa 30 bis 35 Zentimetern Durchmesser –, aus denen zunächst relativ kleine Junge schlüpften. Diese mussten in den ersten Lebensjahren extrem schnell wachsen, um der Prädation zu entgehen; Wachstumsraten von über einer Tonne pro Jahr sind für solche Giganten plausibel.
Argentinosaurus symbolisiert bis heute den extremen Größenrekord unter den Landtieren. Obwohl neuere Funde wie Patagotitan mayorum in manchen Punkten ähnlich oder lokal sogar etwas größer gewesen sein könnten, bleibt Argentinosaurus wegen seiner massiven Einzelknochen und der daraus resultierenden konservativen, aber immer noch atemberaubenden Schätzungen eine Ikone der Paläontologie – ein stummer Zeuge dafür, zu welchen gigantischen Dimensionen das Leben auf dem Land einmal fähig war.

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