Kanaren

Der Kokainhandel über die Kanaren erreicht eine beängstigende Dimension

Titelbild: Beispielbild 

Der Kokainhandel nach Europa über die Kanarischen Inseln hat sich in den letzten Jahren zu einer der zentralen Schmuggelrouten entwickelt, wie verschiedene Lageberichte und Ermittlungen zeigen. Das Bundeskriminalamt (BKA) beschreibt in seinen jährlichen Bundeslagebildern zur Rauschgiftkriminalität – zuletzt im Bericht für 2024 – eine anhaltend hohe Verfügbarkeit von Kokain auf dem deutschen und europäischen Markt. Tonnenweise wird die Droge aus Südamerika, vor allem aus Ländern wie Kolumbien, Brasilien und Ecuador, nach Europa transportiert, wobei die Kanaren als wichtiges Tor dienen. Die Inseln liegen strategisch günstig im Atlantik und sind nur wenige Tage Schifffahrt von den Produktionsregionen entfernt, was sie für die internationalen Kartelle attraktiv macht.

Große Mengen Kokain erreichen die Kanaren häufig per Seefracht auf Handelsschiffen, wo die Pakete in Containern, unter legalen Ladungen wie Salz oder Obst versteckt werden. Ein markantes Beispiel war Anfang 2026 die Beschlagnahme von fast zehn Tonnen Kokain durch die spanische Nationalpolizei auf einem brasilianischen Frachter etwa 290 Seemeilen westlich der Inseln – eine der größten Sicherstellungen auf hoher See in der europäischen Geschichte. Solche Funde unterstreichen, dass die Route trotz intensiver Kontrollen enorm profitabel bleibt. Neben den großen Schiffsladungen spielen aber auch kleinere, wendigere Methoden eine wachsende Rolle: Schnellboote (sogenannte „Narco-Boote“ oder Go-Fast-Boote) bringen die Ware nachts an abgelegene Strände und Buchten der Inseln.

Besonders die südlichen und östlichen Küstenabschnitte von Teneriffa und Gran Canaria werden dafür genutzt. Orte wie die Costa del Silencio im Südosten Teneriffas – eine eher ruhige, touristisch weniger überlaufene Gegend mit felsigen Abschnitten und kleinen Buchten – bieten ideale Bedingungen für nächtliche Anlandungen.

Unter dem Schutz der Dunkelheit und oft bei ruhiger See fahren die Boote dicht ans Ufer, wo Komplizen mit Taschenlampen oder Infrarotsignalen die Ladung in Empfang nehmen. Die Kokainpäckchen (meist in wasserdichten Ballen zu je 20–30 kg) werden schnell entladen und sofort in bereitstehende Fahrzeuge umgeladen.

Hier kommen Wohnmobile ins Spiel, die in den letzten Jahren immer wieder in solchen Operationen auftauchen. Die Camper wirken unauffällig und harmlos – viele Touristen reisen genau mit solchen Fahrzeugen über die Inseln und später per Fähre aufs spanische Festland oder sogar weiter durch Europa. Innen werden die Wohnmobile jedoch umgebaut: doppelte Böden, versteckte Hohlräume hinter Schränken, unter Betten oder in den Wänden bieten Platz für Dutzende bis Hunderte Kilo Kokain. Nach der nächtlichen Anlandung wird die Droge oft noch am selben Ort oder in einer nahen Finca umgeladen, danach fahren die Fahrzeuge tagsüber ganz normal weiter – über die Inselstraßen, zur Fähre nach Cádiz oder Bilbao und von dort aus über Frankreich, die Beneluxländer bis nach Deutschland, Skandinavien oder Osteuropa.

Die Organisationen dahinter sind meist international vernetzt: Südamerikanische Kartelle liefern die Ware, marokkanische, albanische oder galicische Gruppen übernehmen den Weitertransport in Europa, lokale spanische Netzwerke kümmern sich um die Anlandung und Umladung. Deutsche Ermittler beobachten, dass immer mehr Kokain aus dieser Route in Deutschland landet – die Straßenpreise sinken teilweise, die Reinheit steigt, und die Verfügbarkeit ist so hoch wie nie. Das BKA betont in seinen Berichten, dass die Bekämpfung solcher Lieferketten nur durch internationale Zusammenarbeit (mit Spanien, DEA, Europol) möglich ist, doch die Schmuggler passen ihre Methoden ständig an: Drohnen zur Überwachung, verschlüsselte Kommunikation und der Einsatz scheinbar alltäglicher Fahrzeuge wie Wohnmobile erschweren die Arbeit der Behörden erheblich.

Insgesamt zeigt sich ein hochprofessionelles, millionenschweres Geschäft, das die Kanaren als Drehscheibe nutzt und von dort aus ganz Europa versorgt – oft unbemerkt inmitten des Massentourismus und der vielen Camper, die jährlich über die Inseln ziehen.

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