In Kambodscha existieren mehrere Initiativen zur Rettung, Rehabilitation und teilweise auch zur Auswilderung von Affen, die vor allem von Organisationen wie Wildlife Alliance vorangetrieben werden. Das bekannteste und größte Zentrum ist das Phnom Tamao Wildlife Rescue Center südlich von Phnom Penh, das als eines der wichtigsten Auffang- und Pflegezentren für beschlagnahmte oder gerettete Wildtiere in Südostasien gilt und regelmäßig auch Primaten betreut.
Viele Affen – vor allem Langschwanzmakaken (long-tailed macaques), Schweinsaffen (pig-tailed macaques), Silberlanguren, Dusksamangaben oder auch seltener Plumploris – gelangen in dieses Zentrum, weil sie als Babys aus der Wildnis gewildert wurden, um als Haustiere verkauft zu werden, oder weil sie in der illegalen Wildtierhaltung, im Unterhaltungstourismus oder im Bushmeat-Handel gefangen waren. Nach der Beschlagnahme durch die Forstbehörden oder durch Razzia-Aktionen landen die Tiere meist in sehr schlechtem Zustand: unterernährt, dehydriert, mit schweren Parasitenbefall, gebrochenen Knochen durch falsche Haltung oder mit Verhaltensstörungen durch jahrelange Isolation von Artgenossen.
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Im Phnom Tamao Zentrum durchlaufen die Affen zunächst eine intensive medizinische Versorgung und Quarantänephase. Tierärzte und Pfleger behandeln Infektionen, Wunden, Zahnprobleme und innere Parasiten, impfen gegen übertragbare Krankheiten und stabilisieren den Allgemeinzustand. Danach beginnt die eigentliche Rehabilitationsphase, die je nach Alter und Vorgeschichte der Tiere mehrere Monate bis mehrere Jahre dauern kann. Die Affen werden in großen, baumreichen Gehegen untergebracht, in denen sie Klettermöglichkeiten, Versteckplätze und natürliche Nahrungssuche üben können. Besonders wichtig ist die Sozialisierung. Man bringt die Tiere schrittweise in kleinen Gruppen zusammen, damit sie normales Sozialverhalten, Fellpflege, Spiel- und Rangordnungskämpfe wieder erlernen. Jungtiere, die von Menschen aufgezogen wurden, müssen oft erst lernen, überhaupt wie ein Affe zu leben – sie kennen weder natürliche Nahrung noch Feindvermeidung noch Gruppenkommunikation.
Nicht alle Affen können später ausgewildert werden. Viele, die als sehr kleine Babys lange Zeit bei Menschen lebten, verlieren zu viele artspezifische Fähigkeiten und bleiben lebenslang auf menschliche Versorgung angewiesen; sie bleiben dann dauerhaft im Schutzgebiet oder in großen, naturnahen Gehegen des Zentrums. Bei den Tieren, die gute Chancen auf ein selbstständiges Leben in der Wildnis haben – meist jüngere Individuen oder Gruppen, die noch relativ naturnah gehalten wurden –, wird ein sehr sorgfältiger Auswilderungsprozess vorbereitet. Dafür wählt man geschützte Waldgebiete aus, die ausreichend Nahrung, Wasser und wenig menschliche Störung bieten und idealerweise schon eine kleine Restpopulation der gleichen Art beherbergen, sodass die Neuankömmlinge Anschluss finden können.
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Vor der Freilassung durchläuft die Gruppe eine Soft-Release-Phase. Sie wird in einer großen, halboffenen Anlage direkt im Waldgebiet untergebracht, wo sie schon natürliche Nahrung suchen kann, aber noch gefüttert und medizinisch überwacht wird. Erst wenn die Affen selbstständig fressen, Schutz vor Raubtieren suchen und stabile Gruppenstrukturen zeigen, öffnet man die Anlage dauerhaft. Mitarbeiter beobachten die Tiere danach noch monate- oder jahrelang per Funkhalsband, Kamera-Fallen und direkter Nachsuche, um bei Problemen eingreifen zu können – etwa wenn ein Tier verletzt wird, sich von der Gruppe trennt oder in Konflikt mit Menschen gerät.
Solche Auswilderungen sind in Kambodscha bisher vor allem bei Makaken-Gruppen dokumentiert worden, die nach mehreren Jahren Vorbereitung erfolgreich in geschützte Waldstücke entlassen wurden und sich dort etabliert haben. Bei stark gefährdeten Arten wie Languren oder Gibbons ist die Auswilderung deutlich seltener und schwieriger, weil ihre Bestände bereits sehr klein sind und die Tiere extrem wählerisch bei der Partner- und Revierwahl sind.
Die Projekte stehen vor großen Herausforderungen. Die Zerstörung von Wäldern durch Landwirtschaft, Plantagen und Infrastruktur nimmt immer noch zu, illegale Jagd bleibt ein Problem und der Klimawandel verändert die Verfügbarkeit von Früchten und Blättern. Dennoch haben die konsequente Beschlagnahmepolitik der kambodschanischen Behörden in den letzten Jahren zusammen mit NGOs wie Wildlife Alliance dazu geführt, dass Hunderte Affen gerettet, rehabilitiert und – wo möglich – wieder in die Freiheit entlassen werden konnten. Jede erfolgreiche Auswilderung ist damit nicht nur ein Einzelschicksal, sondern ein kleiner, konkreter Beitrag zum Überleben bedrohter Primatenarten in den verbliebenen Wäldern Kambodschas.
