Flora und Fauna

Dramaqueen Husky

Titelbild : Pixabay Beispielbild

Ein typischer Siberian Husky stolziert durchs Leben, als wäre er der unbestrittene Star einer täglich stattfindenden Soap-Opera, bei der er sowohl Hauptrolle als auch Regisseur, Drehbuchautor und vor allem Publikumsliebling in Personalunion spielt. Kaum dreht sich der Tag mal nicht ausschließlich um ihn, setzt sofort das große Drama ein. Ein leises, theatralisches Seufzen entweicht seiner beeindruckend langen Schnauze, gefolgt von einem Blick, der selbst den abgebrühtesten Zuschauer in Grund und Boden starren könnte – diese Mischung aus verletzter Eitelkeit, existenzieller Enttäuschung und vorwurfsvoller Anklage, als hätte man ihm gerade verkündet, dass der Rest der Welt ab morgen keine Schnee mehr produziert.



Wird das Abendessen fünf Minuten später serviert als üblich, verwandelt sich der sonst so elegante Wolfimitator blitzschnell in eine heulende Diva. Er wirft sich dramatisch auf den Boden, alle viere von sich gestreckt, als hätte man ihm das Herz gebrochen, und beginnt mit diesem unverkennbaren, halb singenden, halb jammernden Husky-Talk, der irgendwo zwischen Operngesang, beleidigtem Teenager und einem besonders leidenschaftlichen Streit unter Nachbarn liegt. „Wie kannst du es wagen?“, scheint jedes langgezogene „Arrrrooooouuuu“ zu fragen, während die blauen oder bernsteinfarbenen Augen funkeln, als wollten sie Tränen der Kränkung produzieren – natürlich nur fast, denn echte Tränen wären ja uncool und unter seiner Würde.



Noch besser wird es, wenn der Spaziergang unerwartet verkürzt werden muss. Dann kommt der berühmte Husky-Tantrum: Er lässt sich einfach fallen, wird plötzlich schwer wie ein nasser Mehlsack, streckt alle Beine steif von sich und gibt Laute von sich, die klingen, als würde man ein Auto mit defekter Hupe durch einen Chor betrunkener Wölfe jagen. Jeder vorbeigehende Spaziergänger muss unwillkürlich grinsen, während der Husky mit letzter Kraft noch einen vorwurfsvollen Seitenblick riskiert – für den Fall, dass jemand Mitleid hat und die Runde doch noch verlängert.

Selbst banale Dinge wie Medizin schlucken, Krallen schneiden oder ein Bad werden zur Bühne für oscarreife Auftritte. Kaum taucht die Pipette auf, beginnt das große Rückwärtslaufen, begleitet von empörtem Schnauben und diesem typischen „Ich bin doch nicht dein Versuchskaninchen!“-Geheule. Beim Baden könnte man meinen, das Wasser sei flüssiges Drama: Jeder Tropfen wird mit markerschütterndem Protest kommentiert, als würde man versuchen, ihn in Säure zu tauchen, statt nur in lauwarmes Wasser mit ein bisschen Hundeshampoo.

Und doch liegt genau in dieser übertriebenen Theatralik der unwiderstehliche Charme. Denn hinter all dem Getue steckt ein unglaublich kluger, sensibler und vor allem extrem unterhaltsamer Charakterkopf, der genau weiß, wie er Aufmerksamkeit bekommt – und sie auch verdient. Ein Husky ist niemals einfach nur ein Hund. Ein Husky ist ein wandelndes Entertainment-Programm mit Fell, das jeden noch so tristen Tag in eine Komödie verwandelt, bei der der Zuschauer gleichzeitig lacht, den Kopf schüttelt und das Herz vor lauter Liebe fast platzt. Dramaqueen? Ja. Aber die mit Abstand lustigste, charmanteste und unvergesslichste, die man sich vorstellen kann.

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