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Tote Aale

Titelbild: Beispielbild Pixabay

Seit Mitte März 2026 bietet sich entlang des Rheins in Nordrhein-Westfalen ein dramatisches und besorgniserregendes Bild.

Hunderte, wenn nicht sogar deutlich mehr tote Aale werden an den Ufern angespült, vor allem in Abschnitten von Bonn über Köln und Düsseldorf bis hinauf nach Rees. Besonders in Düsseldorf-Himmelgeist häuften sich die Funde Anfang März massiv, als Spaziergänger und Angler in Buchten und an den Stränden plötzlich Hunderte der langen, geschlängelten Körper entdeckten – viele davon zerstückelt, mit tiefen Schnittwunden oder stark geknickt.



Der Rheinische Fischereiverband schlug sofort Alarm und sprach von einem erschreckenden Massenfund, der sich über hunderte Kilometer Flusslänge erstreckt. Es handelt sich überwiegend um adulte Blankaale, also geschlechtsreife Tiere, die sich gerade auf ihrer letzten großen Wanderung zur Sargassosee befanden, um dort abzulaichen – eine Reise, die für die ohnehin stark bedrohte Art ohnehin schon mit hohen Verlusten verbunden ist. Nun endet sie für Hunderte Exemplare bereits im Rhein tödlich.

Die Tiere zeigen fast durchweg mechanische Verletzungen. Scharfe Schnitte, zertrennte Körperteile und andere Spuren, die stark auf Kontakt mit den Turbinen von Wasserkraftanlagen hindeuten. Experten des Verbandes und Wissenschaftler vermuten daher, dass die Aale beim Passieren von Stauwehren oder Kraftwerken in die Rotoren geraten sind – ein bekanntes, aber bisher nie in diesem Ausmaß beobachtetes Problem. Obwohl es Fischaufstiege und Schutzmaßnahmen gibt, scheinen diese bei der aktuellen Wanderungswelle entweder nicht auszureichen oder nicht überall richtig zu funktionieren.


Der Verband hat bereits Dutzende der Kadaver eingesammelt und zur Untersuchung unter anderem an die Universität Wageningen geschickt, um die genaue Todesursache zu bestätigen und weitere Hinweise zu erhalten. Gleichzeitig wird betont, dass es sich nicht um eine Seuche oder eine klassische Gewässervergiftung handelt, da andere Fischarten kaum betroffen sind. Dennoch bleibt die Situation alarmierend, weil der Europäische Aal ohnehin auf der Roten Liste der bedrohten Arten steht und jede zusätzliche Verlustwelle den ohnehin kleinen Bestand weiter dezimiert.

Angler und Naturschützer beschreiben den Anblick als „Bild des Jammers“: tote Aale, die in großen Mengen ans Ufer gespült werden, teilweise noch frisch, teilweise schon in Verwesung übergegangen. Noch bis Mitte März wurden vereinzelt neue Funde gemeldet, während die Strömung die Kadaver flussabwärts transportiert und sie sich stellenweise ansammeln. Der Vorfall zeigt einmal mehr, wie konfliktbeladen die Nutzung des Rheins als Wasserstraße, Energiequelle und Lebensraum für Wanderfische ist – und wie dringend bessere Schutzmaßnahmen für den Aal benötigt werden, bevor diese ikonische Art aus unseren Flüssen endgültig verschwindet.

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