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Flora und Fauna

Das Ende der Eisbären

Titelbild: Beispielbild Pixabay 

Die Eisbären, diese mächtigen Knochen-Gestelle der Arktis, stehen heute vor einer existenziellen Krise, die sich in den letzten Jahrzehnten immer dramatischer zuspitzt. Ihr Schicksal ist untrennbar mit dem schmelzenden Meereis verknüpft – jenem lebenswichtigen, schwimmenden Jagdrevier, auf dem sie Robben erbeuten, das sie zum Überleben brauchen und das durch den menschengemachten Klimawandel in atemberaubendem Tempo verschwindet.

Weltweit leben derzeit schätzungsweise 22.000 bis 31.000 Eisbären, verteilt auf 19 relativ getrennte Teilpopulationen. Diese Zahl klingt auf den ersten Blick nicht nach unmittelbarer Ausrottung, doch sie täuscht. Seit den 1960er- und 1970er-Jahren, als durch strenge internationale Jagdbeschränkungen die Bestände von einem Tiefststand von vielleicht 5.000–10.000 Tieren wieder anstiegen, hat sich das Bild grundlegend gewandelt. Der Klimawandel ist längst zur alles überragenden Bedrohung geworden – und zwar nicht erst in ferner Zukunft, sondern bereits jetzt messbar und in einigen Regionen brutal spürbar.Besonders gut untersuchte Populationen wie die in der Western Hudson Bay oder der Southern Beaufort Sea zeigen seit Jahrzehnten einen klaren Rückgang. In der Western Hudson Bay ist der Bestand in nur vier Jahrzehnten um etwa 50 % geschrumpft, von rund 1.200 auf etwa 800 Tiere, und selbst in jüngster Zeit (bis etwa 2021) gab es weitere dramatische Einbrüche von bis zu 27 % innerhalb weniger Jahre. Ähnlich verhält es sich in Alaska, wo die Southern-Beaufort-Population weiter abnimmt und inzwischen nur noch knapp über 800 Individuen zählt.

Wissenschaftliche Analysen haben inzwischen einen direkten, kausalen Zusammenhang hergestellt. Je länger die eisfreien Sommerperioden dauern, desto mehr Zeit müssen die Bären fasten, desto schlechter ist ihre Körperkondition, desto weniger Jungtiere überleben und desto stärker sinkt die Reproduktionsrate. Die Eisbären sind auf das Meereis angewiesen wie kaum ein anderes Raubtier auf seinen Lebensraum. Wenn das Eis im Frühjahr früher aufbricht und im Herbst später wieder zufriert, verlieren sie entscheidende Wochen oder sogar Monate Jagdzeit.

Sie zehren ihre Fettreserven auf, Mütter können ihre Jungen schlechter säugen, viele Jungtiere sterben,  Weibchen werfen seltener Nachwuchs. In manchen Regionen – besonders im Süden des Verbreitungsgebiets wie Southern Hudson Bay oder Western Hudson Bay – sehen Forscher bereits jetzt den Punkt kommen, an dem sich diese Populationen nicht mehr selbst erhalten können. Prognosen sprechen davon, dass bei ungebrochenem Emissionspfad bis 2050 bereits ein Drittel oder mehr der Tiere verschwunden sein könnte, bis Ende des Jahrhunderts droht in den meisten Regionen das lokale Aussterben – nur ganz im hohen Norden, wo noch länger dickes, mehrjähriges Eis verbleiben könnte, hätten einige wenige Bestände eine Überlebenschance. Die Internationale Union für Naturschutz (IUCN) stuft den Eisbären seit Jahren als „vulnerable“ (gefährdet) ein – also als Art, die einem hohen Risiko des Aussterbens in freier Wildbahn ausgesetzt ist. Das ist keine Panikmache, sondern nüchterne Einschätzung auf Basis der vorhandenen Daten.

Kritische Stimmen, die behaupten, die Eisbären würden sich schon irgendwie anpassen oder die Bestände stiegen ja insgesamt noch, greifen in der Regel zu kurz. Sie verwechseln oft die Erholung nach dem Jagdbann mit einer Widerstandsfähigkeit gegen den Eisverlust oder konzentrieren sich auf die wenigen stabilen oder sogar leicht wachsenden Populationen im Hocharktis-Bereich, während sie die dramatischen Rückgänge in den südlicheren, wärmeren Regionen ausblenden. Die Gesamtbetrachtung zeigt jedoch ein klares Bild: Die Hauptbedrohung ist nicht mehr die Jagd, sondern der Klimawandel – und dieser schreitet schneller voran, als die meisten Arten sich evolutionär anpassen könnten.Zusätzlich verschärfen andere Faktoren die Lage: Industrieaktivitäten in der zunehmend eisfreien Arktis, Ölbohrungen, Schifffahrt, Mensch-Bär-Konflikte, Schadstoffbelastung und möglicherweise bald freiwerdende Krankheitserreger aus dem tauenden Permafrost. All das trifft auf ein Tier, das zwar körperlich beeindruckend robust wirkt, dessen Lebensstrategie aber auf eine sehr spezifische, eisgebundene Nahrungskette zugeschnitten ist. Diese Anpassungsfähigkeit, die man den Tieren gerne zuschreibt – mehr Landnahrung, längeres Schwimmen –, reicht in den meisten Fällen nicht aus, um den massiven Energieverlust durch längere Fastenzeiten auszugleichen.Kurz gesagt: Die Eisbären sind keine Ikone des Klimawandels aus dramaturgischen Gründen, sondern weil ihre Lage wirklich prekär ist. Ohne massive und schnelle Reduktion der Treibhausgase, ohne wirksamen Klimaschutz, werden diese riesigen, weißen Knochen-Gestelle in weiten Teilen ihres einstigen Reiches in den kommenden Jahrzehnten verschwinden – nicht mit einem Schlag, sondern langsam, qualvoll, Population für Population. Das wäre nicht nur ein tragischer Verlust für die Arktis, sondern auch ein unübersehbarer Beweis dafür, wie radikal der Mensch das Gefüge des Planeten bereits verändert hat.

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