Titelbild: Walther, Lizenz 3.0
Marc Dutroux aus Ixelles bei Brüssel als ältester von fünf Kindern, wuchs in einer Familie auf, die von Konflikten geprägt war; seine Eltern, beide Lehrer, emigrierten zeitweise in den belgischen Kongo und trennten sich 1971, woraufhin der damals 15-Jährige bei seiner dominanten Mutter blieb, während sein Vater als aggressiv beschrieben wurde.
Schon in seiner Jugend zeigte Dutroux delinquenten Verhalten, das sich mit dem Alter verschärfte, von Kleinkriminalität über Autodiebstähle bis hin zu Zuhälterei, womit er Geld für Immobilienkäufe anhäufte.
Bereits 1989 wurde er zu 13 Jahren Haft verurteilt, weil er fünf Mädchen im Alter von 12 bis 19 Jahren entführt, eingesperrt und sexuell missbraucht hatte, doch nach nur drei Jahren kam er auf Bewährung frei, was später als schwerer Fehler der Justiz kritisiert wurde.
In den Jahren 1995 und 1996 beging Dutroux die Verbrechen, die Belgien in einen nationalen Schock versetzten.
Er entführte sechs Mädchen zwischen acht und 19 Jahren, darunter Julie Lejeune und Melissa Russo, beide acht Jahre alt, die er in einem selbstgebauten Verlies im Keller seines Hauses in Marcinelle bei Charleroi einsperrte, wo sie verhungern ließen, während er abwesend war; die Teenager An Marchal und Eefje Lambrecks tötete er ebenfalls, und zwei weitere Opfer, die 12-jährige Sabine Dardenne und die 14-jährige Laetitia Delhez, überlebten die monatelange Haft und Misshandlungen, bis sie 1996 gerettet wurden.
Dutroux hatte das Verlies so konstruiert, dass es hinter einem Regal verborgen war, und nutzte es, um seine Opfer zu isolieren, während er mit Komplizen wie seiner damaligen Frau Michelle Martin und Michel Lelièvre zusammenarbeitete, die ihm bei den Entführungen halfen und später ebenfalls verurteilt wurden – Martin zu 30 Jahren, Lelièvre zu 25 Jahren.
Der Fall enthüllte nicht nur die Grausamkeit der Taten, bei denen Dutroux seine Opfer wiederholt missbrauchte und pornografische Aufnahmen produzierte, sondern auch massive Versäumnisse der belgischen Polizei und Justiz, die trotz mehrerer Hinweise – darunter ein Tipp von Dutroux‘ eigener Mutter 1995, dass er Mädchen in einem seiner leerstehenden Häuser festhalte – 14 Monate brauchten, um ihn zu verhaften, und sogar bei einer Hausdurchsuchung Schreie aus dem Keller ignorierten, die sie für Tiergeräusche hielten. Dutroux entkam einmal kurz während der Untersuchungshaft, was die öffentliche Empörung weiter steigerte, und es gab Vorwürfe, dass rivalisierende Polizeieinheiten Beweise zurückhielten, was zu Verschwörungstheorien über ein größeres Pädophilennetzwerk führte, das möglicherweise hohe Beamte, Polizisten und Regierungsmitglieder einschloss, obwohl diese nie bewiesen wurden.
Der Skandal löste 1996 die größte Demonstration in Belgien seit dem Zweiten Weltkrieg aus, als über 250.000 Menschen in Brüssel auf die Straßen gingen, um gegen die Inkompetenz der Behörden zu protestieren und eine Reform des Justizsystems zu fordern, was zu einer parlamentarischen Untersuchungskommission führte, die Korruption und Schutz einiger Verdächtiger andeutete. Der Prozess gegen Dutroux begann erst 2004, acht Jahre nach seiner Verhaftung, da Gerichte lange über die Frage stritten, ob er allein handelte oder Teil eines Syndikats war, und endete mit einer Verurteilung zu lebenslanger Haft für Entführung, Missbrauch, Mord und den Verkauf von Kindern ins Ausland, wobei Dutroux stets leugnete, die Morde geplant zu haben, und sich als Opfer eines Systems darstellte.
Der Fall traumatisierte das Land, vereinte die sonst oft geteilte belgische Gesellschaft in Abscheu und erschütterte das Vertrauen in Polizei und Politik, da Dutroux während seiner Taten sogar staatliche Unterstützung als Arbeitsloser erhielt und Medikamente nutzte, die der Staat bezahlte, um seine Opfer zu sedieren. Bis heute werfen die Ereignisse Schatten, etwa durch den Freispruch und die vorzeitige Entlassung von Michelle Martin 2012, was die Opferfamilien empörte, oder Dutroux‘ wiederholte Anträge auf vorzeitige Haftentlassung, die abgelehnt wurden, zuletzt nach einer psychiatrischen Untersuchung.
Ein jüngerer Vorfall unterstreicht die anhaltende Kontroverse.
Im Juli 2024 entdeckten Behörden bei einer Durchsuchung seiner Einzelzelle im Gefängnis von Nivelles etwa 200 pornografische Bilder, von denen rund die Hälfte kinderpornografisches Material darstellten, versteckt in vier Umschlägen mit Abbildungen nackter Frauen und Minderjähriger, was zu einer neuen Untersuchung durch die Staatsanwaltschaft von Walloon Brabant führte, obwohl Dutroux behauptete, die Bilder seien von anderen Insassen in seine Zelle geschmuggelt worden.
Diese Entdeckung, die von Medien wie Humo enthüllt wurde, hat erneut Fragen zur Überwachung von Hochrisikogefangenen aufgeworfen und die Debatte über Dutroux‘ Rehabilitation oder bleibende Gefahr entfacht, während die Opferfamilien weiterhin mit dem Trauma ringen und Forderungen nach strengeren Kontrollen stellen.
