Menschenrechte Todesstrafe

Hitchcocks Hinrichtung

 

Titelbild: Hitchcock- Florida Department of Corrections
Am 30. April 2026 wurde in Florida der 70-jährige James Ernest Hitchcock durch eine tödliche Injektion hingerichtet. Die Hinrichtung fand im Florida State Prison nahe Starke statt und markierte die sechste Vollstreckung der Todesstrafe in diesem Bundesstaat im Jahr 2026. Hitchcock war fast genau 50 Jahre zuvor, am 31. Juli 1976, für den brutalen Mord an seiner damals 13-jährigen Stiefnichte Cynthia „Cindy“ Driggers verurteilt worden. Das Verbrechen hatte sich in Winter Garden im Orange County ereignet, wo Hitchcock das Mädchen in ihrem Zuhause vergewaltigte und anschließend durch Schläge und Erdrosseln tötete.

Hitchcock, geboren am 5. April 1956 in Arkansas, war zunächst 1977 zum Tode verurteilt worden. Die Jury hatte damals mit deutlicher Mehrheit für die Todesstrafe gestimmt. In den folgenden Jahrzehnten wurde das Urteil mehrmals aus formalen oder verfahrensrechtlichen Gründen aufgehoben – insgesamt dreimal –, doch bei jeder Neuverhandlung sprachen sich die Geschworenen erneut für die Hinrichtung aus, zuletzt mit Abstimmungen wie 12:0 oder 10:2. Insgesamt wurde Hitchcock viermal zum Tode verurteilt. Er verbrachte damit länger auf der Todeszelle als fast jeder andere Häftling in den USA.

Während seines gesamten Aufenthalts auf dem Death Row beteuerte Hitchcock seine Unschuld. Er hatte zunächst ein Geständnis abgelegt, dieses später jedoch widerrufen und seinen eigenen Bruder beschuldigt, der angeblich ebenfalls Geständnisse abgelegt haben soll. Seine Anwälte führten diese Argumente in zahlreichen Berufungen an, darunter bis vor den US Supreme Court. Am Morgen des Hinrichtungstages lehnte das Oberste Gericht den letzten Aufschub ab, unter anderem durch eine Entscheidung von Justice Clarence Thomas. Auch der Florida Supreme Court hatte zuvor einen Antrag auf Stopp der Vollstreckung zurückgewiesen. Gouverneur Ron DeSantis hatte das Todesurteil mit einem entsprechenden Warrant Ende März 2026 in Kraft gesetzt.

Die Hinrichtung selbst begann um 18:00 Uhr Ortszeit. Hitchcock erhielt eine dreifache Injektion der üblichen Substanzen, wie sie in Florida für die Todesstrafe vorgesehen sind. Um 18:12 Uhr wurde er für tot erklärt. Vertreter der Familie des Opfers waren als Zeugen anwesend. Cynthias Schwester Lynn Cobb äußerte anschließend, dass die Familie nun endlich ein Kapitel schließen könne, auch wenn die Erinnerung an Cindy weiterleben werde. Ein Cousin des Mädchens formulierte es noch deutlicher: „Unser Monster ist tot.“ Die Angehörigen empfanden die Vollstreckung nach so vielen Jahren als späte Gerechtigkeit.

Trotz der langen juristischen Auseinandersetzungen und der anhaltenden Unschuldsbeteuerungen Hitchcocks hielten die Gerichte über fünf Jahrzehnte hinweg an der Schuld des Verurteilten fest. Die Beweislage, einschließlich des anfänglichen Geständnisses und der forensischen Spuren, wurde in mehreren Verfahren als ausreichend bewertet. Florida gehört zu den US-Bundesstaaten mit der aktivsten Vollstreckungspraxis, und die Hinrichtung Hitchcocks reiht sich ein in eine Serie von Exekutionen, die unter der aktuellen Regierung beschleunigt wurden.

Der Fall zeigt exemplarisch die Komplexität und die Länge von Todesstrafenverfahren in den USA: Jahrzehnte voller Berufungen, Neuverhandlungen und emotionaler Belastung für Opferfamilien und Täter zugleich. Am Ende stand jedoch die Vollstreckung des Urteils, fast ein halbes Jahrhundert nach der grausamen Tat an der 13-jährigen Cynthia Driggers.

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