Damals Mittelalter

Das Essen der Reichen im Mittelalter

Das Essen der Reichen und des Adels im Mittelalter war ein zentraler Ausdruck von Macht, Reichtum und gesellschaftlichem Status. Während die breite Bevölkerung sich vorwiegend von Getreidebrei, dunklem Brot, Kohl, Rüben und gelegentlichem Speck oder Fisch ernährte, konnten sich Adlige, Fürsten, Bischöfe und reiche Patrizier eine üppige, vielfältige und oft verschwenderische Küche leisten, die durch Importwaren, aufwendige Zubereitungen und prunkvolle Präsentationen beeindruckte.

Im Alltag der wohlhabenden Haushalte spielten zwei Hauptmahlzeiten eine Rolle: eine gehaltvolle Mittagsmahlzeit am späten Vormittag und ein leichteres Abendessen. Das Frühstück galt vielen als unnötig oder sogar unziemlich, wurde aber bei Bedarf eingenommen. Brot war die Basis, doch für die Oberschicht ausschließlich feines Weißbrot aus Weizen, das sogenannte Herrenbrot – im Gegensatz zum groben Roggen- oder Mischbrot der Armen. Dieses Weißbrot diente nicht nur als Beilage, sondern oft auch als Teller (Trencher), auf dem die Speisen angerichtet wurden.

Fleisch stand bei den Reichen deutlich häufiger auf dem Tisch als bei anderen Schichten. Besonders geschätzt waren Wildbret wie Hirsch, Wildschwein oder Hase, das durch die Jagd auf eigenen Ländereien erlegt wurde und Prestige symbolisierte. Daneben kamen Rind, Schwein, Lamm und vor allem Geflügel wie Hühner, Enten, Gänse, Pfauen oder sogar seltene Vögel auf den Tisch. Große Braten am Spieß, Pasteten, gefüllte Tiere und raffinierte Ragouts waren üblich. An Fastentagen, die die Kirche streng vorschrieb, ersetzte man Fleisch durch Fisch – frischen Flussfisch, Aal, Lachs, Karpfen oder teuren importierten Stockfisch. Auch Krebse und andere Meeresfrüchte waren bei Küstennähe oder durch Handel beliebt.

Gemüse und Hülsenfrüchte ergänzten die Gerichte: Lauch, Zwiebeln, Rüben, Kohl, Erbsen, Linsen, Spinat, Mangold oder Kürbis wurden in Suppen, Breien oder als Beilagen serviert, oft in Mandelmilch oder mit Gewürzen verfeinert. Reis, eine teure Importware, galt als Luxus und wurde mit Zimt, Safran oder Mandeln zubereitet. Obst wie Äpfel, Birnen, Kirschen, Pflaumen oder Beeren kam frisch, gedörrt oder in Kompotten auf den Tisch, je nach Saison. Nüsse, Honig und Käse rundeten viele Mahlzeiten ab.

Ein besonderes Merkmal der mittelalterlichen Oberschichtsküche war die intensive Verwendung von Gewürzen. Pfeffer, Safran, Zimt, Nelken, Ingwer, Muskat und andere exotische Aromen aus dem Orient wurden in großen Mengen eingesetzt – nicht nur zum Würzen, sondern vor allem als Statussymbol, das Reichtum und Zugang zum Fernhandel demonstrierte. Saucen waren oft süß-sauer, kombiniert mit Honig, Essig, Wein oder Früchten, und viele Gerichte wurden zu Pasten oder Pürees verarbeitet. Marzipan, Honigkuchen, feine Torten und Konfekt galten als besondere Leckereien.

Die wahren Höhepunkte waren jedoch die großen Bankette und Festmahle. Bei Hochzeiten, Bündnissen, Siegesfeiern oder Besuchen hoher Gäste wurden mehrere Gänge aufgetragen, oft mit Dutzenden von Gerichten pro Gang, von denen die Gäste nicht alles probieren mussten. Schaugerichte wie feuerspeiende Wildschweinköpfe, mit Blattgold überzogene Vögel, pastetenförmige Kunstwerke oder ganze gebratene Tiere dienten der Unterhaltung und Zurschaustellung. Diener und Pagen servierten an einer offenen Tischseite, die Sitzordnung folgte streng der Hierarchie, und Musik, Spielleute oder sogar Schaukämpfe begleiteten das Mahl. Wein – oft schwerer Importwein aus Frankreich, Italien oder dem Elsass – floss in Strömen, während Bier oder Met eher für niedrigere Anlässe diente.

Trotz aller Üppigkeit mahnte die Kirche zur Mäßigung, denn Völlerei galt als Todsünde. Viele Adlige hielten sich jedoch nicht immer daran, und reichhaltiges Essen blieb ein wichtiges Mittel, um Gastfreundschaft, Großzügigkeit und gesellschaftliche Überlegenheit zu demonstrieren. Reste der Mahlzeiten wurden oft an Bedürftige verteilt. Die Küche der Reichen war also nicht nur Genuss, sondern vor allem ein politisches und soziales Instrument, das den Alltag der Mächtigen von dem der einfachen Leute deutlich abhob. Saisonale Frische, raffinierte Zubereitung und die Pracht der Präsentation machten das Essen im Mittelalter für die Oberschicht zu einem wahren Fest für alle Sinne.

 

 

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