Vermisste

Der Fall Inga Gehricke

Titelbild:Inga Gericke, BKA
Am 2. Mai 2015 verschwand die damals fünfjährige Inga Gehricke aus Schönebeck in Sachsen-Anhalt unter mysteriösen Umständen, die bis heute unaufgeklärt geblieben sind.

Inga, geboren am 18. August 2009 als Tochter von Victoria und Jens-Uwe Gehricke, war an jenem Samstag gemeinsam mit ihren Eltern und Geschwistern zu einem Treffen befreundeter Familien auf dem Gelände des Diakoniewerks Wilhelmshof bei Uchtspringe im Landkreis Stendal gekommen.
Der Hof liegt in einem abgelegenen, dicht bewaldeten Gebiet, und die Familien wollten am Abend auf dem Sportplatz des Geländes grillen. Inga half bei den Vorbereitungen mit. Ihr Vater sah sie noch, wie sie mit zwei großen Wasserflaschen den etwa hundert Meter langen Fußweg vom Haus in Richtung Grillplatz ging. Kurz darauf, gegen 18:30 Uhr, beobachteten zwei andere Kinder, wie sie die Flaschen abstellte und den Rückweg zum Haus antrat. Dort kam sie jedoch nie an. Gegen 18:45 Uhr bemerkte ihre Mutter, dass Inga fehlte. Die Anwesenden suchten sofort das Grundstück und den angrenzenden Wald ab, doch von dem Mädchen mit den mittelblonden Zöpfen, den blauen Augen, den fehlenden vorderen Schneidezähnen und den rosa Haarspangen fehlte jede Spur.

Noch in derselben Nacht und in den folgenden Tagen setzte eine groß angelegte Suche ein. Hunderte Einsatzkräfte der Polizei, Spürhunde, Hubschrauber mit Wärmebildkameras und freiwillige Helfer durchkämmten das weitläufige Waldgebiet rund um den Wilhelmshof. Teiche wurden ausgepumpt, Gebäude mehrfach durchsucht, und die Suche dehnte sich auf Tausende Hektar aus.
Dennoch blieb Inga verschwunden. Anfänglich behandelten die Behörden den Fall als Vermisstensache und gingen von einem möglichen Unglück aus, etwa dass das Kind im Wald verunglückt sein könnte. Als bis zum 7. Mai 2015 keinerlei Spur gefunden worden war, ging die Polizei offiziell von einem Verbrechen aus. Die Kriminalpolizei war laut späteren Akten erst etwa 36 Stunden nach der Vermisstenmeldung hinzugezogen worden, was im Nachhinein Kritik auslöste, weil in der Zwischenzeit möglicherweise Spuren durch die intensive Suche zerstört oder verwischt worden sein könnten.


In den folgenden Jahren gingen über zweitausend, später sogar mehr als viertausend Hinweise bei den Ermittlern ein. Eine Belohnung von zunächst 25.000 Euro wurde ausgesetzt und später auf 50.000 Euro erhöht. Es gab verschiedene Ermittlungsansätze, darunter die Überprüfung von Personen, die auf dem Diakoniewerk-Gelände lebten – darunter auch ehemalige Straftäter –, sowie die Überprüfung möglicher Verbindungen zu anderen bekannten Fällen. Ein Verdächtiger im Fall Madeleine McCann, der in der Nähe gelebt hatte und am Vortag in der Region in einen Unfall verwickelt gewesen war, wurde untersucht und aufgrund von Handydaten entlastet. Besonders umstritten war der Einsatz privater Mantrailing-Hunde, deren Führerin behauptete, Ingas Spur über hunderte Kilometer bis nach Österreich verfolgt zu haben – eine Spur, die sich als Sackgasse erwies und nach Ansicht kritischer Stimmen andere Ermittlungsrichtungen in den Hintergrund gedrängt haben könnte.


2019 wurde das Verfahren offiziell eingestellt, weil keine entscheidenden Hinweise vorlagen. Unter dem Druck der Familie und öffentlicher Kritik nahm ein spezielles Cold-Case-Team der Polizeiinspektion Halle den Fall 2023 wieder auf. Es folgten weitere Suchaktionen, darunter Grabungen nach dem Anschlagen von Spürhunden Ende 2023, bei denen jedoch nur tierische Knochen gefunden wurden. Auch in den Jahren danach fanden immer wieder Durchsuchungen von Waldstücken statt, ohne Ergebnis.

Das Verschwinden von Inga Gehricke gilt als eines der rätselhaftesten Vermisstenfälle Deutschlands der letzten Jahrzehnte. Das extrem kleine Zeitfenster von wenigen Minuten, in dem das Kind spurlos verschwand, die Abgeschiedenheit des Ortes und das Fehlen jeglicher forensischer Spuren – weder DNA noch Kleidungsstücke oder Fußabdrücke – machen die Aufklärung außerordentlich schwierig. Theorien reichen von einer Entführung durch eine Person, die sich auf dem Gelände aufhielt, bis hin zu einem ungeklärten Unglück. Die Eltern und die Familie halten an der Hoffnung fest, dass Inga noch lebt. Bis heute, mehr als elf Jahre später, bleibt der Verbleib des Mädchens unbekannt.


Die Polizei und das Bundeskriminalamt rufen weiterhin öffentlich zur Mithilfe auf und suchen mit aktualisierten Fahndungsfotos und Belohnungen nach neuen Hinweisen.
Hinweise dringend erbeten an Telefonder:+493452241291

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