Titelbild: Eiskaltes Essen, lieferando, kasaan media, 2026
Lieferando sieht sich seit Jahren mit umfassender und anhaltender Kritik konfrontiert, die vor allem die Arbeitsbedingungen der Fahrer, den Umgang mit Partner-Restaurants und den Kundenservice betrifft und das Unternehmen als Symbol für die Schattenseiten der Plattformökonomie erscheinen lässt.
Besonders schwer wiegt der Vorwurf der systematischen Auslagerung von Verantwortung: Während Lieferando lange als einer der „besseren“ Anbieter galt, weil es einen größeren Anteil direkt angestellter Kuriere mit Betriebsratsstrukturen und etwas stabileren Bedingungen beschäftigte, kündigte das Unternehmen 2025 rund 2.000 festangestellte Fahrer und verlagert die Lieferungen zunehmend auf Subunternehmer und Freelancer-Modelle. Dadurch verschlechtern sich Löhne, Absicherung und Arbeitszeiten erheblich, da viele Fahrer ohne richtige Verträge, mit unsicheren Einkünften und fast ausschließlich auf Trinkgelder angewiesen arbeiten – eine Entwicklung, die von Arbeitsrechtlern und Medien als Rückschritt und Alarmsignal für die gesamte Branche gewertet wird, da sie klassische Ausbeutungsmechanismen in der Gig-Economy verstärkt. Gleichzeitig lasten hohe Provisionssätze von oft 20 bis 30 Prozent oder mehr auf den Restaurants, die dadurch in eine starke Abhängigkeit geraten, kaum eigene Kundendaten aufbauen können und teilweise gezwungen sind, Preise anzupassen oder Margen zu opfern, was viele Gastronomen offen kritisieren und als existenzbedrohend empfinden.
Auf Kundenseite häufen sich Berichte über miserable Erfahrungen: Bestellungen werden als zugestellt markiert, obwohl sie nie ankommen, der Support reagiert kaum oder gar nicht auf Beschwerden, Rückerstattungen ziehen sich hin oder bleiben aus, und Lieferzeiten sind oft viel länger als angegeben, sodass das Essen kalt oder unvollständig eintrifft.
Zusätzlich nervt das Unternehmen Kunden unendlich mit einem ständigen Bombardement an Newslettern, Werbemails und Push-Nachrichten, die sich kaum abbestellen lassen und den Posteingang sowie das Handy mit irrelevanten Angeboten und Rabattaktionen überfluten.
Auf Bewertungsplattformen wie Trustpilot dominieren negative Stimmen, die von Frust, enttäuschten Erwartungen und dem Gefühl sprechen, dass das Unternehmen systematisch Verantwortung ablehnt und Kunden mit technischen Ausreden abspeist. Diese Probleme verstärken den Eindruck, dass Lieferando primär auf Wachstum und Gewinnmaximierung setzt, während faire Bedingungen für alle Beteiligten – Fahrer, Restaurants und Besteller – in den Hintergrund rücken. Insgesamt zeichnet die Kritik das Bild eines Konzerns, der die Bequemlichkeit des Lieferdienstes auf Kosten prekärer Arbeit, wirtschaftlicher Abhängigkeit und unzuverlässigem Service erzielt und dadurch immer öfter Boykott-Aufrufe oder bewusste Alternativen bei lokalen Anbietern provoziert.
Zudem: Lieferando-Essen schmeckt einfach nicht mehr so gut wie früher. Die Portionen wirken oft fad, die Qualität der Zutaten schwankt stark und vieles kommt lauwarm oder matschig an. Was früher noch zuverlässig lecker war, wirkt inzwischen häufig lieblos und austauschbar.
