Titelbild: Beispielbild Sewastopol/Pixabay
Die Frage, ob Jeffrey Epstein ein Agent des russischen Geheimdienstes (wie FSB oder GRU) war und ob er als Kontaktperson für Donald Trump und andere Politiker nach Russland diente, sowie die mögliche Verbindung zu Jan Marsalek, ist hochspekulativ und basiert größtenteils auf jüngsten Veröffentlichungen von Epstein-Dokumenten im Jahr 2026 sowie auf Medienberichten und Geheimdienst-Vermutungen.
Seit Anfang 2026, insbesondere nach der massiven Freigabe von Millionen Seiten DOJ-Dokumenten (Justice Department) zu Epstein, haben Vorwürfe stark zugenommen, dass Epsteins Sex- und Erpressungsnetzwerk („honeytrap“) nicht nur persönliche Bereicherung oder kriminelle Pädophilie war, sondern teilweise von russischen Diensten instrumentalisiert oder sogar mitgesteuert wurde.
Polens Ministerpräsident Donald Tusk hat deswegen eine offizielle Untersuchung angekündigt und öffentlich von der „sehr wahrscheinlichen“ Ko-Organisation durch russische Dienste gesprochen – ein Schritt, den er als nationale Sicherheitsfrage einstuft.
Ähnliche Spekulationen finden sich in britischen (Daily Mail, Telegraph), amerikanischen und osteuropäischen Medien.
Kern der These ist, dass Epstein nach seiner Verurteilung 2008 weiterhin intensiven Kontakt zu russischen Figuren pflegte: Es gibt Hinweise auf Treffen oder Korrespondenz mit Personen aus dem Umfeld Putins, auf russische Models und Escorts, die gezielt in sein Netzwerk gebracht wurden, sowie auf einen angeblichen Fake-Pass und andere Indizien, die in FBI-Berichten auftauchen. Manche Quellen behaupten sogar, Epstein habe Putin persönlich getroffen oder als eine Art „Vermögensverwalter“ fungiert – Behauptungen, die aus Informant-Aussagen stammen, aber nicht gerichtsfest bewiesen sind. Der Fokus liegt auf „kompromat“: Kompromat-Material (kompromittierende Aufnahmen, Informationen) gegen westliche Eliten zu sammeln, was ein klassischer KGB/FSB-Ansatz ist. Epstein soll nach seiner Haft weiter russische Frauen eingeflogen haben, um Politiker, Banker und Prominente zu kompromittieren.Bezüglich Donald Trump: Epstein und Trump kannten sich seit den 1980er/90er Jahren aus der New Yorker Society-Szene. Trump war mehrmals in Epsteins Häusern, flog auch einmal mit dessen Jet (allerdings nicht zur Insel), und es gibt Fotos zusammen. In den neuen Dokumenten tauchen E-Mails auf, in denen Epstein 2018 (also während Trumps erster Amtszeit) einem Kontakt vorschlägt, Putin oder Außenminister Lavrov könnten über ihn (Epstein) „insight“ in Trump bekommen. Epstein positionierte sich also offenbar als jemand, der angeblich Insider-Wissen über Trumps Verhalten (einschließlich möglicher Partys oder Schwächen) an Russland weitergeben konnte. Ob das tatsächlich geschah oder nur Großmannsucht war, bleibt offen. Trump hat jede strafrechtliche Verwicklung abgestritten und betont, den Kontakt irgendwann abgebrochen zu haben. Kein Beweis liegt vor, dass Trump aktiv in ein russisches Erpressungsszenario eingebunden war – aber die Nähe zu Epstein wird in Verschwörungskreisen immer wieder als potenzielles „kompromat“-Element gegen ihn interpretiert.
Zu Jan Marsalek: Hier gibt es keine direkte, belegte Verbindung zu Jeffrey Epstein. Marsalek, der ehemalige COO von Wirecard, ist seit 2020 international gesucht (Interpol Red Notice) wegen des milliardenschweren Bilanzbetrugs bei Wirecard. Er floh 2020 über Belarus nach Russland und lebt dort offenbar unter Schutz russischer Dienste. Zahlreiche Recherchen (Bellingcat, Financial Times, Telegraph, Frontline) zeigen, dass Marsalek seit Jahren für russische Geheimdienste (vor allem GRU) arbeitete: Er leitete ein Spionagenetzwerk in Großbritannien, organisierte Honeytraps, Attentats- und Entführungspläne gegen Kreml-Kritiker (z. B. Christo Grozev) und nutzte Wirecard als Tarnung für Geldwäsche und nachrichtendienstliche Operationen.
Obwohl beide Figuren (Epstein und Marsalek) in Honeytrap- und Erpressungskontexten stehen und beide starke Russland-Verbindungen haben, gibt es in den öffentlichen Quellen bis Februar 2026 keinen einzigen Dokumentenbeleg, der sie persönlich oder operativ verknüpft. Einige Reddit-Spekulationen und ältere Blog-Beiträge versuchen Parallelen zu ziehen (beide mit russischen Frauen, Geldflüssen, Deutsche-Bank-Nähe), aber das bleibt reine Spekulation ohne Substanz.
Marsalek operierte hauptsächlich in Europa und im postsowjetischen Raum für den russischen Militärgeheimdienst, Epstein primär in den USA und international für ein eigenes Netzwerk, das nachträglich russifiziert interpretiert wird.
Die These, Epstein sei russischer Agent gewesen, hat seit den 2026-Dokumenten enorm an Fahrt aufgenommen und wird von Politikern wie Tusk ernst genommen, bleibt aber (noch) eine starke Vermutung ohne unumstößlichen Beweis. Die Brücke zu Trump existiert über Epsteins Eigen-PR als „Trump-Kenner“, ist aber dünn. Jan Marsalek hat mit Epstein faktisch nichts zu tun – außer dass beide in russischen nachrichtendienstlichen Kontexten als nützlich erscheinen. Die ganze Affäre bleibt ein Gemisch aus belegten Fakten, Geheimdienst-Spekulationen und Verschwörungsnarrativen, wobei die jüngsten Aktenfreigaben die Russland-Spur deutlich verstärkt haben.
