Titelbild: Lufthansa 1980er Jahre, kasaan media, 2026
Die Geschichte der Lufthansa erstreckt sich über ein ganzes Jahrhundert und ist geprägt von Pioniergeist, technischen Innovationen, schweren Krisen und beeindruckenden Neuanfängen, die die Entwicklung der modernen Luftfahrt maßgeblich mitgestaltet haben. Alles begann am 6. Januar 1926 in Berlin, als durch den Zusammenschluss der Junkers Luftverkehr AG und des Deutschen Aero Lloyd die Deutsche Luft Hansa AG entstand, deren Name an die historische Hanse anknüpfte und Handel sowie Verbindungen symbolisierte. Bereits am 6. April desselben Jahres hob der erste Linienflug von Berlin-Tempelhof nach Zürich ab, und das ikonische Kranich-Logo, das bereits 1918 von Otto Firle entworfen worden war, wurde übernommen. In den ersten Jahren wuchs das Streckennetz rasch, von Europa bis nach Asien und Südamerika, und die Airline beförderte bald Hunderttausende Passagiere mit Flugzeugen wie der Junkers F 13, dem ersten Ganzmetall-Verkehrsflugzeug der Welt, oder später der legendären Ju 52.
Die 1930er Jahre brachten ein enormes Wachstum, mit einem der größten Netze Europas und Pionierleistungen wie Katapultstarts über den Atlantik, doch gleichzeitig verflocht sich die Lufthansa zunehmend mit dem nationalsozialistischen Regime, wurde zu einem Instrument der Aufrüstung, bildete Piloten für die Luftwaffe aus und setzte während des Krieges Tausende Zwangsarbeiter ein – ein dunkles Kapitel, das die heutige Lufthansa kritisch aufarbeitet und im Jubiläumsjahr 2026 mit einem umfassenden Geschichtsband weiter beleuchtet.
Mit dem Ende des Zweiten Weltkriegs erlosch die erste Lufthansa 1945, und die Alliierten verboten zunächst jeden deutschen Flugbetrieb. Doch der Pioniergeist lebte weiter: 1953 wurde in Köln die Aktiengesellschaft für Luftverkehrsbedarf (Luftag) gegründet, die 1954 die Markenrechte am Namen Lufthansa und am Kranich erwarb und sich in Deutsche Lufthansa AG umbenannte. Am 1. April 1955 startete der Neubeginn mit innerdeutschen Flügen, bald gefolgt von internationalen Routen, darunter der erste Transatlantikflug nach New York. In den Wirtschaftswunderjahren der Bundesrepublik wuchs die Lufthansa zur Symbolfigur für Mobilität und Wohlstand, mit Ikonen wie der Lockheed Super Constellation, der Boeing 707 im Jet-Zeitalter der 1960er oder der Boeing 747, dem Jumbo-Jet, ab 1970. Frankfurt wurde zum zentralen Hub, und die Airline etablierte sich als Premium-Carrier mit hohem Serviceanspruch. Die Privatisierung begann in den 1960er Jahren, war 1994 abgeschlossen, und 1997 gründete Lufthansa gemeinsam mit anderen Airlines die Star Alliance, das erste globale Luftfahrtbündnis, das bis heute die Branche prägt.
Die Nachkriegsära brachte nicht nur Erfolge, sondern auch Herausforderungen: Übernahmen wie Swiss 2005, Austrian Airlines 2009 oder Brussels Airlines integrierten die Lufthansa in einen paneuropäischen Konzern, doch Krisen wie die Ölpreisschocks, Terroranschläge, die Germanwings-Tragödie 2015 oder die Corona-Pandemie forderten immense Anpassungen, mit Staatshilfen und Restrukturierungen. Dennoch blieb die Lufthansa innovativ: Von der Einführung moderner Flotten wie der Airbus A320-Familie über die Boeing 787 Dreamliner bis hin zur aktuellen Flottenerneuerung mit effizienteren Jets wie dem A350. Heute ist die Lufthansa Group mit über 100.000 Mitarbeitern aus mehr als 160 Nationen einer der größten Luftfahrtkonzerne der Welt, der jährlich Hunderte Millionen Passagiere befördert und Brücken zwischen Kontinenten schlägt.Im Jubiläumsjahr 2026, genau 100 Jahre nach der Gründung, feiert die Lufthansa unter dem Motto „We are the Journey“ diese gemeinsame Reise von Mitarbeitern, Passagieren und Partnern – mit einer Sonderflotte aus sechs Flugzeugen in besonderer Lackierung, einer permanenten Ausstellung historischer Maschinen, einem Geschichtsbuch, Filmen und Events weltweit. Es ist ein Moment der Reflexion über Erfolge und Schatten gleichermaßen, aber vor allem ein Aufbruch in ein zweites Jahrhundert, geprägt von Nachhaltigkeit, Digitalisierung und der unveränderten Leidenschaft, Menschen, Kulturen und Wirtschaftsräume zu verbinden. Der Kranich fliegt weiter, höher und weiter als je zuvor.
