Archäologie

Quetzalcoatlus- ein beeindruckendes Tier

Titelbild: KI- generiert kasaan media 

Quetzalcoatlus zählt zu den beeindruckendsten und zugleich rätselhaftesten Geschöpfen, die je die Erde bevölkert haben. Dieser riesige Pterosaurier lebte vor etwa 68 bis 66 Millionen Jahren in der ausklingenden Kreidezeit, genauer gesagt im Maastrichtium, und ist vor allem aus Funden in Nordamerika bekannt, insbesondere aus Texas und New Mexico.

Benannt wurde er nach Quetzalcóatl, der gefiederten Schlangengottheit der Azteken, was seiner schlanken, eleganten und doch gewaltigen Erscheinung durchaus gerecht wird.

Das auffälligste Merkmal von Quetzalcoatlus northropi, der größeren und berühmteren Art, ist zweifellos seine enorme Flügelspannweite, die nach heutigen, konservativen Schätzungen bei etwa 10 bis 11 Metern liegt – vergleichbar mit der Spannweite eines kleinen Sportflugzeugs oder eines Stadtbusses.

Frühere Rekonstruktionen gingen teilweise von bis zu 15 Metern oder mehr aus, doch neuere Analysen der Knochenproportionen und biomechanischen Grenzen haben diese Zahlen nach unten korrigiert. Trotz dieser gigantischen Ausmaße blieb das Tier bemerkenswert leicht: Die meisten aktuellen Gewichtsschätzungen bewegen sich zwischen 200 und 250 Kilogramm, manchmal bis maximal etwa 280 Kilogramm. Dies wurde durch hohle, extrem dünnwandige Knochen, große Luftsäcke und eine insgesamt sehr leichte Bauweise ermöglicht, ähnlich wie bei modernen Großvögeln, aber noch extremer ausgeprägt.



Am Boden wirkte Quetzalcoatlus wie ein seltsames, langbeiniges Wesen mit giraffenartiger Haltung. Seine Schulterhöhe lag bei etwa 2,5 bis 3 Metern, der Kopf konnte bei aufgerichtetem Hals über 5 Meter Höhe erreichen. Der extrem lange, steife Hals – bis zu 3 Meter bei großen Exemplaren – trug einen massigen, leicht gekammten Schädel mit einem langen, spitzen, völlig zahnlosem Schnabel. Eine Schwanzflosse fehlte fast vollständig, was den Körper stromlinienförmig und leicht machte. Der Rumpf war kompakt, die Hinterbeine lang und kräftig, die Vorderbeine – die zugleich Flügel waren – endeten in großen, klauenbewehrten Händen. Anders als viele frühere Vorstellungen zeichnen aktuelle Rekonstruktionen Quetzalcoatlus als sehr bodengewandt: Er bewegte sich quadruped, also auf allen Vieren, erstaunlich effizient und konnte weite Strecken laufend oder schreitend zurücklegen, fast wie ein großer, geflügelter Storch oder Reiher.



Das Flugvermögen dieses Giganten hat lange kontrovers diskutiert. Einige Forscher hielten einen Dauerflug für biomechanisch unmöglich, doch inzwischen gilt als gesichert, dass Quetzalcoatlus tatsächlich flog – und zwar aktiv und effizient. Der Start erfolgte nicht durch Anlauf und Hüpfen wie bei Vögeln, sondern durch einen kraftvollen, vierbeinigen Absprung: Das Tier drückte sich mit allen vier Gliedmaßen gleichzeitig vom Boden ab, schnellte bis zu 2–2,5 Meter in die Höhe und begann dann sofort mit kräftigen Flügelschlägen. Einmal in der Luft nutzte es vermutlich Thermik und Aufwinde, um segelnd und gleitend enorme Distanzen zu überwinden, möglicherweise Hunderte von Kilometern pro Tag. Der Flugstil ähnelte damit eher modernen Albatrossen oder Geiern als schnellen Flatterfliegern.

Ernährungstechnisch verhielt sich Quetzalcoatlus northropi wohl wie ein riesiger Reiher oder Storch. Er watete in flachen Gewässern, Flussufern und Feuchtgebieten und stocherte mit dem langen Schnabel nach Beute: kleine Wirbeltiere, Fische, Krebse, Insekten oder Aas. Die Solitärnatur wird für die großen Individuen angenommen – sie streiften vermutlich allein oder in sehr losen Paaren umher. Die kleinere Art Quetzalcoatlus lawsoni (mit nur etwa 4,5–5,5 Metern Spannweite) war dagegen wahrscheinlich geselliger und ernährte sich stärker von kleinen Wirbellosen in Seen und Tümpeln.

Insgesamt verkörpert Quetzalcoatlus die Extreme der Evolution: ein Lebewesen, das zugleich himmelhoch fliegen und bodenständig wandern konnte, das mit minimalem Gewicht maximale Größe erreichte und das noch kurz vor dem großen Massensterben der Dinosaurier und Pterosaurier die Lüfte Nordamerikas beherrschte. Seine Fossilien bleiben fragmentarisch, doch jede neue Studie macht dieses gefiederten Schlangenwesens der Urzeit ein Stück greifbarer – und zugleich noch atemberaubender.

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