Titelbild: Screenshot TikTok
Warnung vor anhaltender Betrugswelle auf TikTokund anderen sozialen Netzwerken. Gefälschte Angebote für Caravans und Wohnmobile mit französischen und portugiesischen Kontaktnummern
Seit Anfang 2026 häufen sich auf der Plattform TikTok Anzeigen für gebrauchte Caravans und Wohnmobile zu Preisen, die weit unter dem Marktwert liegen. Betroffene Accounts sind unter anderem @laurent.caravane, @campingcar22, @maxcampingcar0, @marketplac04 („Jean Marc Marketplace“), @marketplacacaravan („Jeremie Caravane“) sowie @expertcarsexport und ähnliche Profile. Angeboten werden Modelle von Knaus Südwind, Hymer, Fendt, Kabe, Burstner, Hobby, Adria, LMC und TEC zu Preisen zwischen etwa 300 und 8.000 Euro. Diese Preise liegen deutlich unter den marktüblichen Werten für vergleichbare Gebrauchtfahrzeuge, die selbst bei älteren Baujahren in der Regel zwischen 10.000 und 60.000 Euro kosten.
Die Beiträge enthalten in der Regel keine konkreten Preisangaben im Hauptpost, sondern fordern ausschließlich zur Kontaktaufnahme per WhatsApp auf. Die verwendeten Nummern gehören fast durchgängig zur französischen Vorwahl +33 (vor allem die Serien +33 7 56 xx xx xx und +33 7 57 xx xx xx) oder zur portugiesischen Vorwahl +351 (z. B. +351 927 004 768). Weitere Angaben wie Firmenname, Handelsregisternummer, ladungsfähige Anschrift, Impressum oder eigene Website fehlen vollständig. Die Kommunikation erfolgt ausschließlich über WhatsApp oder E-Mail-Adressen von kostenlosen Anbietern (Gmail, Outlook).
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Die Fotos und Videos in den Beiträgen stammen in der überwiegenden Mehrzahl nicht von den Accounts selbst, sondern wurden aus öffentlichen Anzeigenportalen (mobile.de, Kleinanzeigen.de, Facebook Marketplace) oder von etablierten Händlern entnommen. Sie bedienen sich auch der Identität ihres Opfer.
Die TikTok-Profile weisen in der Regel nur wenige hundert echte Follower auf (oft zwischen 0 und 500), erzielen jedoch teilweise Zehntausende bis über 100.000 Aufrufe pro Video – ein deutliches Indiz für den Einsatz von gekauften Views und Bots. Die verwendete Sprache wechselt häufig zwischen Deutsch, Französisch, Englisch und Spanisch; die Formulierungen wirken oft maschinell übersetzt.
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Nach bisherigen Erkenntnissen handelt es sich um eine koordinierte Betrugswelle mit hoher Wahrscheinlichkeit aus Westafrika, vor allem Elfenbeinküste/Abidjan, Benin/Cotonou, Senegal. Die Täter nutzen anonym mietbare Voice-over-IP-Nummern, um europäisch zu wirken, und wechseln regelmäßig Account-Namen, Profile und Kontaktdaten.
Der Betrug folgt einem einheitlichen Schema: Interessierte werden in einen privaten Chat gelockt und dort mit einer gefälschten Reservierungs- oder Anzahlungsrechnung konfrontiert (meist 3.000 bis 15.000 Euro für angebliche Transport-, Zoll-, Versicherungs- oder Exportkosten). Die Zahlung wird ausschließlich über nicht rückholbare Wege wie Western Union, MoneyGram, Bitcoin, Paysafecard, Revolut oder Kryptowährungen gefordert. Nach erfolgter Überweisung brechen sämtliche Kontakte ab; das Fahrzeug existiert nicht, die Nummer ist deaktiviert und der TikTok-Account gelöscht oder umbenannt.
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Besonders auffällig sind die wiederkehrenden Kontaktnummern, die sich durch die gesamte Welle ziehen: +33 07 56 84 96 46, +33 07 56 88 58 90, +33 07 56 90 92 81, +33 07 57 83 21 83 und +351 927 004 768. Diese VOIP-Nummern aus der 07 56- und 07 57-Serie werden seit 2023/2024 massiv für Betrug missbraucht – sie sind anonym und günstig zu mieten, wirken aber europäisch/französisch. Echte europäische Händler nutzen solche Nummern nicht für deutsche Kunden und werben schon gar nicht ausschließlich per WhatsApp ohne eigene Domain.
Die Rechtsanwaltskammern und Verbraucherschutzorganisationen warnen seit 2025 verstärkt vor dieser Entwicklung: TikTok dient als Einstiegsplattform, während die eigentliche Abwicklung über WhatsApp erfolgt. Besonders gefährdet sind Personen, die auf Schnäppchenjagd sind und die niedrigen Preise nicht hinterfragen.
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Betroffene und aufmerksame Nutzer werden gebeten, folgende Schritte zu unternehmen:
– Keine Kontaktaufnahme per WhatsApp oder E-Mail.
– Verdächtige Accounts und Beiträge bei TikTok als Betrug melden.
– Bei bereits erfolgter Kontaktaufnahme: Sofort blockieren und keine Zahlungen leisten.
– Bei bereits geleisteten Überweisungen: Unverzüglich Polizei (Fachbereich Cybercrime) und Bank kontaktieren.
Wer weitere Beobachtungen oder ähnliche Fälle melden möchte, kann dies anonym über entsprechende Plattformen oder die Verbraucherzentrale tun. Je mehr Hinweise öffentlich werden, desto wirksamer kann gegen diese organisierte Betrugswelle vorgegangen werden.
Bleiben Sie vorsichtig und prüfen Sie jedes vermeintliche Schnäppchen genau.
