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Internationale Aktion gegen riesiges Schleppernetzwerk

Titelbild: Algier, pexels, Beispielbild

Spanien zerschlägt eines der größten Schmugglernetzwerke im Westmittelmeer

78 Festnahmen bei internationaler Großrazzia – Drogen, Waffen und Menschen zwischen Europa und Algerien geschmuggelt

Den spanischen Sicherheitsbehörden ist gemeinsam mit Europol und Partnern aus Frankreich, Portugal und Polen ein bedeutender Schlag gegen die organisierte Kriminalität im Mittelmeerraum gelungen.
Wie die europäische Polizeibehörde am Freitag mitteilte, wurde eines der größten kriminellen Netzwerke zerschlagen, das über Jahre hinweg Drogen, Waffen und Migranten zwischen Europa und Algerien geschmuggelt hatte. Bei einem koordinierten Zugriff wurden insgesamt 78 Verdächtige festgenommen.

Die Ermittlungen, die von der spanischen Guardia Civil und der Nationalpolizei bereits im Jahr 2023 aufgenommen worden waren, mündeten am 16. Juni in einen groß angelegten Zugriffstag.
Dabei nahmen die Behörden 77 Personen in Spanien und eine weitere in Algerien fest, darunter drei als besonders bedeutend eingestufte Zielpersonen. Die überwiegende Mehrheit der Festgenommenen besitzt die algerische Staatsangehörigkeit und unterhielt nach Angaben der Ermittler Verbindungen zu kriminellen Gruppen in Frankreich, Belgien, Portugal, Italien und Polen. Im Zuge der Aktion durchsuchten Einsatzkräfte insgesamt 17 Objekte in Spanien, unter anderem in Alicante, Almería, Cartagena und Murcia.

Ein kriminelles Netzwerk wie ein Logistikunternehmen



Nach Darstellung von Europol funktionierte die Organisation nach dem Vorbild eines professionellen Dienstleistungsunternehmens. Sie bot anderen kriminellen Gruppierungen im gesamten Westmittelmeer Dienstleistungen wie die Lagerung und den Transport von Schmuggelgut, das Betanken von Booten, Übergaben auf hoher See, die Wartung von Fahrzeugen sowie Gegenüberwachungsmaßnahmen zum Schutz vor Entdeckung an. Die Ermittler gehen davon aus, dass sich die Gruppe im Laufe der Zeit von einem klassischen Drogenhandelsnetzwerk zu einem breiter aufgestellten kriminellen Unternehmen mit zweigleisigem Geschäftsmodell entwickelte, das konsequent auf Profitmaximierung ausgerichtet war.

Auf dem Weg von Spanien und Portugal nach Algerien wurden vor allem synthetische Drogen wie MDMA sowie Schusswaffen und Sprengstoff transportiert. Auf der Rückroute von Algerien nach Spanien nutzte die Organisation dieselben Schiffsverbindungen, um Migranten in Richtung des spanischen Festlands sowie der Insel Ibiza zu schleusen. Die eingesetzten Schnellboote wurden dabei so betrieben, dass sie kaum geortet werden konnten.


Hohe Gewinne, große Gefahr für die Betroffenen

Für die Überfahrt verlangte die Organisation nach Angaben von Europol bis zu 12.000 Euro pro Person. Bei einer einzigen Fahrt konnten dabei mehr als 50 Migranten gleichzeitig transportiert werden. Allein aus dem Menschenschmuggel sollen der Gruppe nach Schätzungen der Ermittler Gewinne von mehr als 24 Millionen Euro zugeflossen sein.

Die Bedingungen an Bord waren den Behörden zufolge äußerst gefährlich. Migranten wurden auf überfüllten Booten transportiert, denen häufig Beleuchtung und Rettungswesten fehlten. Die Überfahrten fanden mitunter auch bei schlechtem Wetter statt. Nach Angaben der Ermittler wurden Passagiere zeitweise festgebunden, damit sie bei den oft mit hoher Geschwindigkeit durchgeführten Fahrten nicht über Bord fielen. Die Organisation soll zudem in erheblichem Umfang Gewalt eingesetzt haben – sowohl gegenüber den geschmuggelten Migranten als auch gegenüber eigenen Mitgliedern und einschreitenden Sicherheitskräften.

Neben dem Menschen- und Drogenschmuggel wird der Gruppe eine Reihe weiterer Straftaten zur Last gelegt, darunter gewaltsame Raubüberfälle, Erpressung, Freiheitsberaubung sowie Geldwäsche.

Umfangreiche Sicherstellungen

Im Rahmen der Razzia stellten die Behörden erhebliche Vermögenswerte sicher. Dazu zählen 18 Hochgeschwindigkeitsboote mit einem geschätzten Gesamtwert von rund fünf Millionen Euro, Schusswaffen, mehr als 25.000 Euro Bargeld sowie rund 15.000 MDMA-Tabletten. Zudem wurden Satellitentelefone und weitere Kommunikationsgeräte beschlagnahmt, die der Gruppe zur Koordination ihrer Aktivitäten und zur Umgehung behördlicher Überwachung gedient hatten.

Internationale Zusammenarbeit im Zentrum der Ermittlungen

Die Aktion wurde im Rahmen einer neu eingerichteten Europol-Taskforce durchgeführt, die dem Europäischen Zentrum gegen Migrantenschmuggel der Behörde angegliedert ist. Neben der spanischen Guardia Civil und Nationalpolizei waren die französische Grenzpolizei, die portugiesische Kriminalpolizei sowie der polnische Grenzschutz an der Operation beteiligt. Europol selbst unterstützte die Ermittlungen koordinierend von seinem Hauptsitz in Den Haag aus.



Spanische Sicherheitsbehörden bezeichneten die zerschlagene Gruppe als eine der größten kriminellen Organisationen, die auf maritimen Menschenschmuggel im Mittelmeerraum spezialisiert sind.
Die Bekanntgabe der Festnahmen erfolgte nur wenige Tage, nachdem Tausende Migranten in die spanische Exklave Ceuta in Nordafrika vorgedrungen waren – ein Ereignis, das internationale Aufmerksamkeit auf den anhaltenden Migrationsdruck in der Region gelenkt hatte. Beobachter werten die Zerschlagung des Netzwerks als deutliches Zeichen für die zunehmend professionelle und lukrative Struktur, die der Schmuggel von Menschen und Drogen über die schmale Meerenge zwischen Europa und Nordafrika mittlerweile angenommen hat.

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