Titelbild:KI generiert, 2026
Golfstrom-Kollaps: Droht Deutschland der große AMOC-Eishammer?
Die Schlagzeile klingt dramatisch und sie wird gerade wieder massiv geklickt: Wenn die Heizung Europas ausfällt, wird es bei uns eiskalt. Gemeint ist die Atlantische Umwälzzirkulation AMOC, zu der auch der Golfstrom gehört. Sie funktioniert wie eine riesige Pumpe. Im Nordatlantik sinkt kaltes, salziges Wasser in die Tiefe und zieht warmes Wasser aus dem Golf von Mexiko nach Norden, das unser Klima in West- und Mitteleuropa mild hält. Durch die Erderwärmung schmilzt das Grönlandeis in hohem Tempo, Süßwasser strömt ins Meer, verdünnt den Salzgehalt und das Wasser sinkt nicht mehr richtig ab. Die Pumpe verliert an Kraft.
http://Daswetter.com warnt in einem aktuellen Bericht vor genau diesem Kipppunkt. Die Folge wären nicht milde Regenwinter, sondern Dauerfrost, skandinavische Verhältnisse mitten in Deutschland, heftigere Stürme, chaotische Regenmuster und Sommer, die zwischen den Extremen schwanken. In Modellrechnungen schiebt sich sogar Packeis bis zum Ärmelkanal vor, Ernten würden ausfallen, Ernährung und Energieversorgung gerieten unter Druck.
Wie realistisch ist das Szenario jetzt? Die Wissenschaft ist gespalten. Eine Studie der Universität Utrecht von 2024 hatte mit einem Kollaps zwischen 2025 und 2090 bei 95 Prozent Wahrscheinlichkeit gerechnet, Forscher des Potsdam-Instituts um Niklas Boers sehen den Annäherungsprozess an eine kritische Schwelle. Auf der anderen Seite stehen zwei viel beachtete Studien aus Nature von Januar und Februar 2025, die zeigen, dass die AMOC seit mindestens 60 Jahren stabil geblieben ist und keinen signifikanten Abschwächungstrend zeigt. Eine Untersuchung der Universität Exeter mit 34 Klimamodellen kam zu dem Ergebnis, dass sich die AMOC zwar abschwächt, aber dank windgetriebener Prozesse im Südozean nicht komplett kollabiert.
Der Weltklimarat IPCC hält es weiterhin für sehr unwahrscheinlich, dass die AMOC noch in diesem Jahrhundert abrupt kollabiert. Für Deutschland bedeutet das: Der Golfstrom bleibt vorerst unsere Heizung, ein Eishammer morgen ist nicht zu erwarten, aber die Pumpe wird schwächer, das Wetter extremer und der Risikofaktor für einen Kipppunkt ist größer als noch vor zehn Jahren gedacht.
