Titelbild: Gold Pixabay
Der Liechtensteiner Goldhändler hat seine Geschäfte eingestellt und bittet Kunden, zu einer neuen Firma auf Mauritius zu wechseln. Aufsichtsbehörden, Ermittler und Verbraucherschützer sehen das Modell kritisch. Die Beschuldigten bestreiten alles, es gilt die Unschuldsvermutung.
Es ist ein Schreiben, das Anleger aufhorchen lässt. Die TGI AG aus Vaduz, jahrelang Anbieterin von Gold mit Rabatt, hat nach eigenen Angaben ihre Geschäftstätigkeit eingestellt. Gründer Helmut Kaltenegger teilte mit, dass die TGI AG ihre Tätigkeit zum 31. Juli beendet hat. Alle Kaufverträge würden zum tagesaktuellen Goldpreis der TGI AG abgerechnet. Kunden haben demnach zwei Möglichkeiten: Sie lassen sich den Betrag auf ihr Bankkonto auszahlen, wofür das Schreiben sechs bis acht Wochen Bearbeitungszeit nennt. Oder sie überweisen ihn an die neu gegründete Trust Gold International Ltd. und kaufen dort erneut Gold, mit Rabatten und einer Frist bis zum 15. August.
Wer das Angebot liest, erkennt das alte Modell wieder. Und genau dieses Modell beschäftigt seit Monaten Behörden in mehreren Ländern.
Das Prinzip: Zahlen jetzt, Gold später
Der Kern des Geschäfts sind die sogenannten Goldrabatte. Kunden kaufen Gold, bezahlen und warten dann bis zu drei Jahre auf die Auslieferung. Als Gegenleistung gibt es einen Preisnachlass. Wer Gold über die TGI AG kauft und erst später, etwa nach 36 Monaten, liefern lässt, erhält bis zu 4 Prozent Rabatt für jeden Monat. Verbraucherschützer stuften das für Kunden als riskant ein.
Wer so hohe Nachlässe verspricht, muss sie irgendwie finanzieren. Nach Darstellung der Firma sollten das die Gewinne von Partnerunternehmen leisten. Ob dieses Geld überhaupt dort ankam, ist der zentrale Punkt der Ermittlungen.
Ein Unternehmen mit wechselnden Namen
Die TGI AG hat eine bewegte Vorgeschichte. Offiziell tritt sie im März 2024 zum ersten Mal unter diesem Namen auf. Zuvor hieß sie „GGMT Revolution AG“ und „M.R. Capital AG“. Die spätere TGI übernahm Geschäftsmodell, Rechte und Pflichten der GGMT. Die Zentrale liegt unterhalb von Schloss Vaduz, flankiert von einem Tattoostudio und einem Souvenirladen. Bekannt wurde das Unternehmerpaar Kaltenegger auch durch eine Fernsehserie auf Puls 4, die laut news.at nach den Betrugsvorwürfen abgesetzt wurde.
TGI AG: Anatomie eines goldigen Versprechens
Schon im Januar 2026 wollte das Liechtensteiner Amt für Justiz die TGI AG liquidieren.
Behörden schlagen Alarm
In den Monaten vor dem angekündigten Ende häuften sich die Maßnahmen. Die deutsche Bafin verbot im April den Vertrieb mehrerer Produkte. Ende Mai folgte die Finanzmarktaufsicht Liechtenstein (FMA) mit einem weitreichenden Verbot, das auch die Verträge von Kunden betraf. Die FMA stellte außerdem klar, dass die TGI AG nicht lizenziert oder registriert ist und keine genehmigungspflichtigen Dienstleistungen in Liechtenstein erbringen darf. Nach Angaben von news.at hat die FMA zudem eine Frist gesetzt: Das Halten von Einlagen ist binnen vier Monaten einzustellen.
Ermittlungen gegen Goldhändler TGI: Liechtenstein ersucht Österreich um Rechtshilfe
Anfang Juni 2026 schließlich kam es zu einer Hausdurchsuchung in Liechtenstein. Das Fürstliche Landesgericht Vaduz hatte sie angeordnet. Wer sich darüber hinaus für die Details interessiert, findet sie in den Ermittlungsakten, aus denen news.at ausführlich zitiert.
Was die Ermittler vermuten
Laut diesen Akten richten sich die Vorwürfe der Staatsanwaltschaft gegen mehrere Personen. Schwerer gewerbsmäßiger Betrug und Geldwäscherei lauten die Vorwürfe gegen Helmut Kaltenegger, ein Verwaltungsratsmitglied, einen ehemaligen Verwaltungsratspräsidenten und die TGI AG selbst. Dazu kommen unerlaubte Geschäftstätigkeit nach dem Bankengesetz und das Anbieten von Wertpapieren ohne Prospekt. Auch gegen den Finanzchef, den Geschäftsführer und einen niederösterreichischen Rechtsanwalt wird ermittelt. Ein erstes Verfahren gab es schon im Juli 2024, wenige Monate nach dem Start der TGI.
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Besonders brisant ist die Auswertung der Zahlungsflüsse. Auf einem Konto, das die Ermittler der TGI zurechnen, gingen zwischen Januar 2024 und Januar 2025 rund 31,3 Millionen Euro von mutmaßlichen Investoren ein. Nur gut 2,9 Millionen Euro, etwa neun Prozent, flossen an einen Geschäftspartner der TGI. Gut 18 Millionen Euro gingen demnach wieder an Investoren, weitere 5,8 Millionen an Empfänger im Umfeld der TGI, darunter die Kalteneggers selbst.
Die Ermittler ziehen daraus einen schwerwiegenden Schluss. Hinter dem Geschäftsmodell der TGI vermuten sie ein Schneeballsystem. Das mehrstufige Vertriebssystem mit Provisionen für Empfehlungsgeber deute zudem auf ein Pyramidenspiel hin. Die Liechtensteiner Geldwäschemeldestelle zählte 68 Bankkonten bei verschiedenen Banken im In- und Ausland, über die Kundengelder geflossen sein könnten. Allein diese Zahl begründe den Verdacht, dass Geldflüsse verschleiert worden sein könnten.
Die Ermittler schauten auch zurück zur Vorgängerfirma GGMT, obwohl die Kalteneggers in Österreich wegen dieser Firma bereits rechtskräftig freigesprochen worden waren. Auch dort stellten sie fest, dass ein großer Teil der Einzahlungen nicht ins versprochene Projekt floss. Bei einem Konto flossen von rund 6,2 Millionen Euro nur etwa 991.000 Euro in das versprochene Investment. Bei einem anderen Konto wurden demnach auch Luxusautos bezahlt. Interessant in diesem Zusammenhang zeigen sich unsere eigenen Recherchen. Es gab nie Gold- es ist ein international bekanntes Ponzi- Schema, das aus dem Kongo auch in Sierra Leone angeboten wird und sehr hohe Gewinne für die Betreiber in den ersten Monaten ausweist. In dem Gebäudekomplex auf Mauritzius treiben sich ähnliche Herrschaften rum.
Wo ist das Gold?
Entscheidend für die Kunden ist die Frage, ob das Gold überhaupt existiert. Die TGI hatte der FMA dazu einen Bericht des Wirtschaftsprüfers Grant Thornton vorgelegt. Er sollte ein Depot in Freetown, Sierra Leone, belegen. Die Staatsanwaltschaft überzeugt das nicht. Sie geht davon aus, dass Kunden an dem untersuchten Gold kein Eigentum erworben haben.
Die Kritik an dem Bericht ist deutlich. Die Barren hatten keine Seriennummern, Bestandslisten wurden nicht vorgelegt, und der Feingehalt wurde von Mitarbeitern des Lagers mit deren Messgeräten gemessen. Die Prüfer beobachteten das nur. Auf der TGI-Website wurden 24-Karat-Feingoldbarren versprochen, der gemessene Gehalt von rund 23,6 Karat entspreche dem laut Akte nicht. Die Aufsichts-Fachstelle der FMA äußerte laut news.at sogar den Verdacht, die Untersuchung sei darauf angelegt gewesen, mediale Berichte nach außen zu entkräften, und sprach von einem möglichen Gefälligkeitsgutachten. Dass das Gold zunächst in Ghana liegen sollte und wenige Monate später Gold im Wert von über 314 Millionen US-Dollar in Sierra Leone, erscheine den Ermittlern verdächtig.
Die Akte Kaltenegger: Was Liechtensteins Ermittler der TGI genau vorwerfen:
Die Aktie, die nie kam
Auch bei einem geplanten Börsengang gab es Ungereimtheiten. Die TGI warb 2025 mit einer baldigen Aktie. Die FMA lehnte den eingereichten Prospekt am 6. März 2026 ab, nachdem die TGI auf mehrere Nachfragen nicht reagiert haben soll. Währenddessen sei bei Veranstaltungen laut news.at weiter mit der Aktie geworben worden.
Datenleck, Warnlisten und offene Auszahlungen
Zusätzlich belastet wird das Unternehmen durch ein massives Datenleck mit sensiblen Unternehmens- und Kundendaten. Kunden sollten deshalb bei Anrufen vorsichtig sein, die sich als TGI oder Trust Gold International ausgeben. Allein die Kenntnis persönlicher Daten beweise nicht, dass der Anrufer wirklich für das Unternehmen arbeitet.
Wie es für Betroffene aussieht, zeigt der Fall einer Kundin. Auf Anraten ihrer Freundin kaufte sie für knapp 70.000 Euro Gold bei der TGI AG. Nach Berichten von news.at wartet sie seit Monaten auf ihr Geld.
Die Stiftung Warentest hat sich die neue Konstruktion angesehen. Kaltenegger hat die Trust Gold International Ltd. mit Sitz auf Mauritius im Sommer 2026 gekauft. Im neuen Kundenkonto waren noch keine Positionen zu sehen, was Kaltenegger mit offenen IT-Fragen erklärte. Die Tester bewerten das Angebot als Fall für ihre Warnliste, denn erfahrungsgemäß ist es schwierig, bei Problemen Ansprüche in der Ferne durchzusetzen.
Was die TGI sagt
Die TGI AG weist die Vorwürfe nach Angaben von news.at entschieden zurück und erklärt, mit den Behörden zu kooperieren und stets im Einklang mit den Gesetzen gehandelt zu haben. Bemerkenswert: Diese Stellungnahme sprach von einem uneingeschränkt fortgesetzten Geschäftsbetrieb, wenige Tage vor der Ankündigung, die Geschäftstätigkeit zu beenden. Es gilt die Unschuldsvermutung, und ein Gericht hat bisher nichts festgestellt.
Was Betroffene jetzt tun können
Wer ein Schreiben der TGI erhalten hat, sollte sich von Fristen nicht drängen lassen. Sinnvoll ist, unabhängige Beratung bei einer Verbraucherzentrale oder einem auf Kapitalanlagen spezialisierten Anwalt zu suchen und alle Verträge und Zahlungsbelege zu sichern. Bei unerwarteten Anrufen gilt: auflegen und selbst über die offiziellen Kanäle nachfragen.
