Pjöngjang – Nordkorea hat die Vorwürfe der USA zurückgewiesen, für den Diebstahl von Kryptowährungen im Wert von mehr als sechs Milliarden US-Dollar von der Börse Binance verantwortlich zu sein. Kim Yo Jong, die einflussreiche Schwester des Machthabers Kim Jong-un, bezeichnete die Anschuldigungen als „absurde Rhetorik“ und „schwerwiegende politische Provokation“. Die staatliche Nachrichtenagentur KCNA zitierte sie am Dienstag mit der Aussage, die Behauptungen der USA seien Ausdruck einer feindseligen Haltung Washingtons. Nordkorea werde seine Haltung gegenüber den USA angesichts dieser Feindseligkeit überdenken.
Das FBI hatte am Wochenende erklärt, die staatlich unterstützte Hackergruppe TraderTraitor stecke hinter dem Angriff auf die weltweit größte Kryptobörse. Nach Einschätzung von Cybersicherheitsexperten gehören nordkoreanische Hacker zu den aktivsten Akteuren im Bereich von Kryptodiebstählen. Die erbeuteten Mittel dienen nach Angaben der US-Behörden der Finanzierung der Waffenprogramme des Landes. Pjöngjang bestreitet regelmäßig jede Verwicklung in Kryptodiebstähle und andere Cyberverbrechen.
Kunden ziehen Milliarden ab
Nach der Wiederaufnahme der Auszahlungen bei Binance haben Kunden nach Unternehmensangaben 3,64 Milliarden US-Dollar abgezogen. Dies entspreche 2,1 Prozent der verwalteten Vermögenswerte. Die Abflüsse hätten sich nach einem ersten starken Anstieg stabilisiert. Binance widersprach zugleich Daten der Analyseplattform DefiLlama, die die Abflüsse auf 5,81 Milliarden Dollar beziffert hatte. Diese Zahl sei ungenau, da sie interne Transfers auf neue eigene Wallets fälschlicherweise einbeziehe. Ende Oktober verwaltete Binance nach eigenen Angaben Vermögenswerte in Höhe von 171 Milliarden Dollar.
Der Bitcoin-Kurs erholte sich am Montag leicht und stieg auf über 78.000 Dollar, nachdem er am Freitag auf ein Sechswochentief gefallen war. Gleichzeitig zeigten sich institutionelle Anleger nervös: Aus US-Spot-Bitcoin-ETFs flossen am Freitag 643 Millionen Dollar ab. Ein Hackerangriff auf eine Kryptobörse sei wie ein Bankraub in Internetgeschwindigkeit, sagte Ari Redbord vom Blockchain-Analyseunternehmen TRM Labs. Dies schaffe ein instabiles Risikoprofil für alle, die für das Kapital anderer verantwortlich seien.
Quelle: KCNA
