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40 Jahre nach Tschernobyl ist Wildfleisch immer noch mit Cäsium-137 belastet

Titelbild: Beispielbild: Pixabay
Am 26. April 2026 jährt sich die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl zum 40. Mal.
Auch vier Jahrzehnte nach dem Unglück sind die Folgen in Deutschland in bestimmten Regionen noch spürbar, vor allem durch die anhaltende Belastung mit dem radioaktiven Isotop Cäsium-137 im Waldboden.
Dieses hat eine Halbwertszeit von etwa 30 Jahren, sodass bis heute nur rund 60 Prozent der ursprünglichen Menge zerfallen sind.



Der radioaktive Fallout von 1986 hatte sich besonders stark über Teilen Süddeutschlands niedergeschlagen, darunter der Bayerische Wald, weite Gebiete Bayerns südlich der Donau sowie Teile Baden-Württembergs wie Oberschwaben, der Schwarzwald und der Alb-Donau-Kreis.
In diesen Regionen bindet sich das Cäsium-137 im Waldboden relativ fest und wird nur langsam in tiefere Schichten verlagert, was eine langfristige Verfügbarkeit für die Nahrungskette bedeutet.Besonders betroffen sind Wildschweine, deren Fleisch in manchen Fällen die gesetzlich erlaubten Höchstwerte von 600 Becquerel pro Kilogramm überschreitet und daher nicht in den Handel gelangen darf.



Der Grund liegt im speziellen Ernährungsverhalten der Tiere: Wildschweine wühlen im Boden und fressen unterirdische Pilze wie die Hirschtrüffel, die das Cäsium aus tieferen Schichten aufnehmen und stark anreichern können. Im Gegensatz dazu zeigen Rehe und Hirsche, die hauptsächlich oberirdische Pflanzen fressen, schon seit vielen Jahren deutlich geringere Belastungen. In betroffenen Jagdgebieten werden bei erlegten Wildschweinen regelmäßig Werte gemessen, die den Grenzwert teilweise deutlich übersteigen – mit Spitzenwerten von mehreren Tausend Becquerel pro Kilogramm, in Einzelfällen sogar über 10.000 Bq/kg.



Im Jagdjahr 2024/2025 gab es beispielsweise in Baden-Württemberg Höchstwerte bis zu etwa 5.362 Bq/kg im Landkreis Freudenstadt und 4.005 Bq/kg im Alb-Donau-Kreis, wobei in manchen Kreisen wie Ravensburg oder Biberach ein relevanter Anteil der Proben über dem Grenzwert lag.Ein interessantes Phänomen, das lange als „Wildschwein-Paradoxon“ bezeichnet wurde, erklärt, warum die Belastung bei diesen Tieren langsamer abnimmt als zunächst erwartet.
Lange Zeit galt Tschernobyl als alleinige Hauptursache. Eine wissenschaftliche Studie aus dem Jahr 2023 hat jedoch gezeigt, dass in vielen hoch belasteten Proben ein erheblicher Teil des Cäsiums-137 – teilweise bis zu 68 Prozent – aus den oberirdischen Atombombentests der 1950er und 1960er Jahre stammt. Dieser „alte“ Fallout war in tieferen Bodenschichten vorhanden und gelangt nun über die Hirschtrüffel in den Nahrungskreislauf der Wildschweine.



Dadurch ergibt sich eine Überlagerung beider Quellen, die dafür sorgt, dass die Werte bei Wildschweinen in manchen Gebieten kaum zurückgehen und die Situation sich in den kommenden Jahren voraussichtlich nur langsam verbessern wird.
Trotz dieser regionalen Belastungen ist das Risiko für Verbraucher insgesamt gering. Im Handel angebotenes Wildschweinfleisch aus Bayern und anderen Bundesländern wird vor dem Verkauf kontrolliert gemessen. Im Jahr 2025 lagen die Mittelwerte bei untersuchten Handelsproben in Bayern bei nur etwa 33 Becquerel pro Kilogramm, und keine Probe überschritt den Grenzwert von 600 Bq/kg. Auch Importware zeigte extrem niedrige Werte. In weniger betroffenen Regionen wie Norddeutschland ist die Belastung ohnehin meist vernachlässigbar. Deutschland legt mit dem Grenzwert von 600 Bq/kg einen vergleichsweise strengen Maßstab an – in der Schweiz gilt beispielsweise 1.250 Bq/kg und in Schweden sogar 1.500 Bq/kg.
Für Jäger und private Verbraucher, die Wild direkt vom Jäger beziehen oder selbst erlegen, lohnt es sich in belasteten Gebieten, das Fleisch vor dem Verzehr messen zu lassen. Viele Jagdverbände und Untersuchungsstellen bieten qualifizierte Messungen an.



Auch bestimmte Wildpilze wie Maronenröhrlinge können in denselben Regionen noch erhöhte Cäsium-Werte aufweisen, sodass ein maßvoller Verzehr empfohlen wird.
Die allgemeine zusätzliche Strahlenexposition durch diese Waldprodukte bleibt jedoch für die breite Bevölkerung gering, solange kein übermäßiger Konsum aus stark kontaminierten Gebieten erfolgt. Insgesamt zeigen sich die Folgen von Tschernobyl in Deutschland heute stark regional begrenzt und betreffen fast ausschließlich bestimmte Waldprodukte wie Wildschweinfleisch und einzelne Pilzarten, während die übrige Lebensmittelversorgung keine nennenswerten Belastungen mehr aufweist.

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