Titelbild: Waldbrand Beispielbild
Die schweren Waldbrände im Département Gironde im Südwesten Frankreichs, die am Mittwoch, dem 22. Juli 2026, in der Nähe der Ortschaft Saumos nördlich des Beckens von Arcachon ausgebrochen sind, stellen nach übereinstimmenden Berichten französischer Medien wie Sud Ouest, Le Figaro und der Präfektur eine der schwersten Brandkatastrophen des Landes seit dem Zweiten Weltkrieg dar und nähern sich bedrohlich der Metropolregion Bordeaux.
Bis Montagmorgen, dem 27. Juli, hatten die Flammen nach Angaben der Präfektur Gironde rund 42.000 Hektar Wald und Buschland vernichtet – eine Fläche, die mit dem großen Brand in den Landes de Gascogne von 1949 vergleichbar ist, der damals etwa 50.000 Hektar erfasste. Rund 220.000 Menschen wurden vorsorglich evakuiert, darunter viele Touristen und Bewohner aus 23 Gemeinden rund um das Becken von Arcachon und am Rande der Großstadt Bordeaux; es handelt sich um eine der umfangreichsten zivilen Evakuierungsoperationen in der französischen Geschichte außerhalb kriegerischer Konflikte. Etwa 240 Wohnhäuser sind zerstört, während 84 Feuerwehrleute verletzt wurden, darunter zehn schwerer. Zivilopfer sind bislang nicht zu beklagen.
Französische Behörden und Medien beschreiben das Feuer als „hors norme“ und „orage de feu“ – ein Feuergewitter oder Feuersturm, bei dem die Flammen eigene Winde erzeugen, Pyrokumuluswolken bilden und Blitze auslösen können, die neue Brandherde entfachen. Die Präfektin Sophie Brocas sprach von einem unvorhersehbaren Phänomen, das mit eigenen Winden das Feuer immer wieder anfacht und sich zeitweise wie ein selbst ernährendes System verhält. Innenminister Laurent Nuñez bezeichnete die Situation wiederholt als „sehr ungünstig“ und betonte, das Land habe Brände in diesem Ausmaß noch nie erlebt. In der Nacht von Samstag auf Sonntag war das Feuer erneut „extrem virulent und unberechenbar“ geworden, erzeugte eigene Winde und bewegte sich erratisch in Richtung der Agglomeration Bordeaux, bevor es etwas abflaute. Am Sonntag lag die Front nach Angaben des Bordeauxer Bürgermeisters Thomas Cazenave etwa 15 Kilometer von wichtigen Eingangspunkten zur Innenstadt entfernt, etwa auf Höhe von Martignas-sur-Jalle.
Eine Evakuierung der Stadt Bordeaux selbst sei nicht geplant, die Metropole sei jedoch auf alle möglichen Entwicklungen vorbereitet. Über weiten Teilen der Stadt liegt starker Brandgeruch.
In der Nacht von Sonntag auf Montag blieb die Lage nach Auskunft der Präfektur „globalement stable“ ohne größere Veränderungen, doch das Feuer ist weiterhin nicht unter Kontrolle und nicht „fixiert“. Die Kampfmittel umfassen rund 2.500 Feuerwehrleute (darunter eine Schweizer Einheit), 1.500 Soldaten, 1.200 Sicherheitskräfte sowie 18 Löschflugzeuge und Hubschrauber; ein umgerüstetes Militärtransportflugzeug vom Typ A400M, das bis zu 20 Tonnen Löschmittel abwerfen kann, kommt ebenfalls zum Einsatz. Präsident Emmanuel Macron leitete am Montagvormittag eine interministerielle Krisenzelle. Die Autobahn A63 Richtung Spanien ist auf längeren Abschnitten gesperrt, der Zugverkehr südlich von Bordeaux unterbrochen. In Notunterkünften wie dem Parc des Expositions in Bordeaux fanden Tausende Evakuierte Aufnahme.
Die Prognosen bereiten zusätzliche Sorgen: Ab Dienstag wird eine neue Hitzewelle mit Temperaturen bis zu 40 Grad Celsius erwartet, die die Bedingungen weiter verschärfen könnte. Nuñez und Feuerwehrvertreter warnten, der Kampf werde lang und sehr schwierig, möglicherweise über Wochen oder Monate andauern, und die Evakuierten dürften erst zurückkehren, wenn das Feuer endgültig stabilisiert sei. Touristen wird dringend abgeraten, in die Region zu reisen. Parallel wüten weitere Brände in den Landes (rund 3.600 Hektar) und im Var, doch das Feuer in der Gironde bleibt der mit Abstand größte und bedrohlichste Herd, der die Weinanbauregion und die Großstadt Bordeaux in Atem hält. Französische Medien wie Sud Ouest und Le Figaro berichten von einer angespannten, aber entschlossenen Mobilisierung und betonen die außergewöhnliche Dimension dieses „mégafeu“, das durch extreme Trockenheit und Hitze der vergangenen Wochen begünstigt wurde.
