Flora und Fauna

Stelldichein in der Möhre

Foto: Schildwanzen in wilder Möhre, kasaan media, ram, 2026

Stelldichein in der wilden Möhre

Auf dem Bild ist ein reizendes Stelldichein zweier Schildwanzen zu sehen, die sich mitten in einer wilden Möhre (Daucus carota) niedergelassen haben. Die wilden Möhrenblütenstände mit ihren charakteristischen, fein gefiederten und borstigen Dolden bilden eine perfekte Kulisse – sie wirken wie ein grün-weißer, haariger Blütenball, der die Insekten einrahmt.


Die beiden Tiere gehören zur Art ‚Graphosoma italicum‘, auch bekannt als ‚Italienische Streifenwanze‘ oder ‚Minstrel Bug‘. Sie fallen sofort durch ihre auffällige Warntracht auf: ein leuchtendes Rot-Orange mit markanten schwarzen Querstreifen auf den Flügeldecken. Diese Farbgebung ist ein klassisches Beispiel für ‚Aposematismus‘ – die Tiere signalisieren potenziellen Fressfeinden, dass sie ungenießbar sind oder zumindest unangenehm schmecken. Schildwanzen besitzen spezielle Drüsen, die bei Bedrohung ein übelriechendes Sekret absondern können, was sie zusätzlich schützt.

Im Bild sieht man deutlich, wie die beiden Wanzen eng beieinander auf der Doldenblüte sitzen. Es handelt sich wahrscheinlich um ein Paarungsverhalten. Die Schildwanzen paaen sich ungestört und nutzen dafür die typische Vegetation ihrer Lebensräume – trockene Wiesen, Wegränder und sonnige Ruderalflächen.


Diese auffällig gemusterten Wanzen sind in Mitteleuropa weit verbreitet, besonders auf Doldenblütlern wie der wilden Möhre, aber auch auf Schafgarbe oder Pastinake. Sie ernähren sich hauptsächlich von den Säften der Pflanzen, indem sie ihre stechend-saugenden Mundwerkzeuge in die Samen oder Stängel bohren.

Die wilden Möhren, auf denen sie hier zu Gast sind, sind die ursprüngliche Form unserer kultivierten Karotte. Ihre reifen Dolden rollen sich später oft zu einem „Vogelnest“ zusammen, doch hier sind sie noch im offenen, fruchtbaren Stadium – ideal für Insekten wie diese Wanzen. Die feinen Härchen auf den Fruchtknoten und die filigrane Struktur der Dolden geben dem Foto eine fast märchenhafte, detailreiche Ästhetik.

Es ist eine kleine, farbenfrohe Alltagsszene, die zeigt, wie faszinierend Fauna und Flora sind und wieviel Schönheit und Leben in den kleinsten Beobachtungen steckt.


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