Afrika Südafrika

Xenophobie in Südafrika

Titelbild: Beispielbild Mandela
Die Dynamik von Rassismus, Nationalismus und Fremdenfeindlichkeit (Xenophobie) in Südafrika ist tief in der schmerzhaften Geschichte des Landes verwurzelt und entlädt sich in der Gegenwart regelmäßig in sozialer und physischer Gewalt gegen afrikanische und asiatische Migranten sowie Flüchtlinge.
Obwohl die Verfassung von 1996 zu den fortschrittlichsten der Welt gehört und die Würde aller Menschen schützt, klafft eine gewaltige Lücke zwischen diesem rechtlichen Ideal und der Lebensrealität im Post-Apartheid-Staat. Nach dem Ende der weißen Minderheitsregierung im Jahr 1994 stand das Land vor der monumentalen Aufgabe, eine geeinte Nation aus einer tief gespaltenen Gesellschaft zu formen.



Dieser neue südafrikanische Nationalismus, der oft unter dem Begriff der „Regenbogennation“ romantisiert wurde, entwickelte jedoch eine gefährliche Kehrseite. Er definierte Zugehörigkeit zunehmend exklusiv, wodurch sich ein exklusionistischer Nationalismus etablierte, der Grenzzohnen zwischen Staatsbürgern und vermeintlichen „Eindringlingen“ zieht.
Diese Ausgrenzung trifft insbesondere Geflüchtete und Wirtschaftsmigranten aus Nachbarländern wie Simbabwe, Mosambik, Malawi, der Demokratischen Republik Kongo sowie Somalia und Pakistan.
In den Townships und urbanen Zentren manifestiert sich dieser Nationalismus in einem tief sitzenden xenophobischen Sozialklima. Ein zentraler Treiber dieser Feindseligkeit ist die anhaltende sozioökonomische Krise Südafrikas, die durch eine der weltweit höchsten Arbeitslosenraten, extreme Ungleichheit und mangelhafte staatliche Dienstleistungen gekennzeichnet ist. In diesem von Armut geprägten Umfeld dienen ausländische Staatsbürger als bequeme Sündenböcke für das Versagen der Regierung. Ihnen wird pauschal vorgeworfen, Arbeitsplätze zu stehlen, die Löhne zu drücken, das ohnehin marode Gesundheitssystem zu überlasten und für die hohe Kriminalitätsrate im Land verantwortlich zu sein.
Der Rassismus und die rassistisch motivierte Xenophobie in Südafrika weisen dabei eine spezifische, intersektionale Grausamkeit auf. Während wohlhabende weiße oder westliche Migranten selten Ziel von Anfeindungen werden, richtet sich die Aggression fast ausschließlich gegen arme, schwarze nicht-südafrikanische Migranten. Dieses Phänomen, das in der Wissenschaft auch als „Afrophobie“ bezeichnet wird, spiegelt das Erbe der Apartheid wider. Die jahrzehntelange rassistische Indoktrination und die systematische Trennung der Bevölkerung haben Spuren hinterlassen. Die südafrikanische Gesellschaft wurde unter der Apartheid vollständig vom restlichen afrikanischen Kontinent isoliert, was bis heute zu Vorurteilen und einer Entfremdung gegenüber anderen afrikanischen Kulturen führt. Das internalisierte rassistische Hierarchiedenken der Vergangenheit wird nun auf die schwächsten Glieder der Gesellschaft – die Geflüchteten – projiziert.



Diese toxische Mischung aus ökonomischem Frust, exklusivem Nationalismus und historischem Trauma bricht sich immer wieder in wellenartigen, tödlichen Unruhen Bahn. Seit den verheerenden xenophobischen Ausschreitungen von 2008, bei denen Dutzende Menschen starben und Zehntausende vertrieben wurden, flammen diese Pogrome zyklisch auf. Dabei werden Geschäfte von Migranten geplündert, Unterkünfte niedergebrannt und Menschen auf offener Straße angegriffen. Angefeuert wird diese Stimmung im politischen Diskurs oft von populistischen Politikern und Bewegungen wie „Operation Dudula“, die gezielt fremdenfeindliche Ressentiments mobilisieren, um Wählerstimmen zu gewinnen und von Korruption sowie politischem Versagen abzulenken.
Flüchtlinge und Asylsuchende geraten in Südafrika zudem in eine institutionelle Sackgasse.
Das südafrikanische Asylsystem leidet unter massiver Ineffizienz und Korruption, wodurch Anträge jahrelang unbearbeitet bleiben und Schutzsuchende ohne legalen Status und ohne Zugang zum formalen Arbeitsmarkt in ständiger Angst vor Abschiebung und politischer Willkür leben müssen. Da die Polizei und Behörden den Betroffenen oft den Schutz verweigern oder selbst an Schikanen beteiligt sind, herrscht eine weitgehende Straflosigkeit für fremdenfeindliche Straftaten. Südafrika kämpft somit drei Jahrzehnte nach der Apartheid mit dem Paradoxon, dass der Kampf gegen den historischen Rassismus im Inneren nahtlos in einen gewaltvollen Nationalismus und Rassismus gegen Menschen von außen übergegangen ist.


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