Drohnenanschläge und ständige Provokationen durch Wegwerfagenten
Und jetzt kommen die Drohnen. Nicht mehr nur zur Aufklärung, sondern als Waffe.
Polizei und MAD melden seit Frühjahr fast wöchentlich Vorfälle: Drohnen, die gezielt über Umspannwerke, Raffinerien in Schwedt und Leuna, über Rüstungsbetriebe in München und über die Bahntrasse Berlin-Hamburg kreisen. Teils mit Brandsätzen, teils nur als Test – wie weit kommt man, ohne abgeschossen zu werden? In Polen, in Rumänien, in Deutschland stürzten in den letzten Wochen mehrere aufmunitionierte Drohnen ab. Die Flugrouten begannen, so die Ermittler, fast immer im Osten.
Das System dahinter ist zynisch und neu: Moskau nennt es „Wegwerfagenten“. Keine hochbezahlten Profis wie im Kalten Krieg mehr. Sondern Kleinkriminelle, Überschuldete, Ideologen aus Telegram-Gruppen, angeworben für 2.000 bis 10.000 Euro. Einmalige Verwendung. Sie bekommen Koordinaten, einen Bausatz für eine Brand- oder Kurzschlussvorrichtung, eine Anleitung aus dem Netz. Sie legen Feuer in einem Bauhaus-Lager für Ukraine-Hilfe, sie fotografieren einen Kaserneneingang, sie lassen eine Drohne über einem Depot steigen. Werden sie gefasst, weiß der nächste nichts von ihnen. Werden sie nicht gefasst, kommen sie wieder.
Genau das macht es so gefährlich. Es ist kein großer, erklärter Schlag, der eine Kriegserklärung rechtfertigen würde. Es sind hundert kleine Nadelstiche. Jeden Tag eine neue Provokation. Mal brennt ein DHL-Laster, mal steht das Netz in Brandenburg still, mal kreist eine Drohne über Ramstein. Für sich genommen immer knapp unter der Schwelle. In der Summe aber ist es genau das, was Militärs eine Zermürbungskampagne nennen.
Putins Kalkül ist einfach: Er testet, wie viel wir aushalten, bevor wir es Krieg nennen. Und solange wir noch darüber streiten, ob es ein Einzeltäter, ein Klimaaktivist oder ein technischer Defekt war, hat er schon gewonnen.
Wir sind schon im Krieg. Nur kämpft bisher nur einer.
