Allgemeine Nachrichten

Die Pilzsammler- Wie die Sabotagegruppe Ralf Forster bis heute wirkt

Titelbild:Beispielbild ki

Die Pilzsammler – Wie die Sabotagegruppe Ralf Forster bis heute wirkt

Wer heute die Bilder von den Umspannwerken Turnow-Preilack in Brandenburg und Bergheim in NRW sieht, stellt sich die gleiche Frage: Wie kann jemand tagelang im Maisfeld Abschussvorrichtungen vergraben, Raketen mit Treibsätzen bauen, Drähte über 380.000-Volt-Leitungen schießen, und niemandem fällt es auf?


Die Antwort steht in den Akten der Stasi-Unterlagenbehörde. Sie heißt: Gruppe Ralf Forster.

Eine Armee im Schatten

Die Gruppe Ralf Forster, auch DKP-Militärorganisation oder Gruppe Aktion genannt, war keine spontane linke Chaotentruppe. Sie war eine reguläre militärische Einheit.

Gegründet auf eine Absprache zwischen Walter Ulbricht und Max Reimann, dem KPD-Chef, existierte sie von 1969 bis zum Frühjahr 1989. Ihre Aufgabe war klar definiert: In „Zeiten sich zuspitzender Klassenkämpfe“ sollten sie Sabotageakte und Terroranschläge verüben und Gefangene befreien.

Finanziert, bewaffnet und gesteuert wurde sie von der DDR. Geld, Waffen, Sprengstoff kamen aus Ost-Berlin. Zuständig war die Abteilung AGM/S des Ministeriums für Staatssicherheit – die Abteilung für Arbeitsgruppe des Ministers / Sonderfragen. Das war die Stasi-Abteilung für paramilitärische Operationen und „operative Terrorabwehr“, im Klartext: Sabotage im Westen.


Die theoretische Ausbildung fand in Ost-Berlin statt. Die praktische Ausbildung fand am Springsee in Brandenburg statt, durchgeführt von Offizieren der NVA. Auf dem Lehrplan: Umgang mit Waffen und Sprengmitteln, die Taktik von Kleinkampfgruppen, Tarnung, Spurenverwischung und – so steht es wörtlich in den Unterlagen – „das lautlose Töten von Menschen“.

Mitglieder waren keine Studenten. Es waren gestandene DKP-Kader. Chef war Harry Schmitt, Deckname Ralf Forster, Jahrgang 1919, KPD-Urgestein. Daneben Rudolf Fey, Deckname Alex, Mitglied des DKP-Militärrats, Willi Herrmann, Horst Krämer, Deckname Henry Rehbein, Uwe Eichholz, ehemaliges Mitglied des Parteivorstands. Stützpunkte gab es in Hamburg, im Ruhrgebiet, in Kaiserslautern – unweit der US-Air-Base Ramstein. Im Kriegsfall sollte dort die US-Infrastruktur lahmgelegt werden.

Was aus ihnen wurde? Fast nichts.

2004 wurde die Existenz der Gruppe durch Aktenfunde endgültig bewiesen. 14 Mitglieder wurden nach der Wende vor dem Landgericht Frankfurt angeklagt wegen Vorbereitung von Sabotagehandlungen und Agententätigkeit zu Sabotagezwecken.


Das Ergebnis: Alle kamen straffrei davon. Im November 1995 wurde das Verfahren gegen die letzten vier Angeklagten gegen Zahlung von Geldbußen zwischen 1.500 und 5.000 Mark eingestellt. Keine Haft. Keine echte Verurteilung. Harry Schmitt starb 1999. Viele andere leben bis heute unbehelligt, oft noch im DKP-Umfeld.

Ihr Wissen verschwand nicht. Es ging in den Untergrund.

Putin in Dresden – der Verbindungsmann

In genau dieser Zeit, von 1985 bis 1990, saß in Dresden ein junger KGB-Offizier: Wladimir Putin.

Seine offiziellen Aufgaben: Personalgewinnung, Ausbildung in Funkkommunikation, Überwachung des Technologie-Kombinats Robotron, Unterstützung sogenannter Illegaler. Dresden war ein Zentrum für Technologietransfer zwischen West und Ost.

Inoffiziell wurde er zum Verbindungsmann zwischen KGB und Stasi. Er besaß sogar einen eigenen Stasi-Ausweis. Ein K1-Mann der Dresdner Polizei, Georg Schneider, wurde ihm zur Seite gestellt.

Um 1990 gab es laut dem Überläufer Oleg Gordijewski noch 500 bis 700 KGB-Agenten in Deutschland, vorwiegend in den Räumen Köln/Bonn, Berlin und Hamburg. Hamburg – genau dort, wo die Gruppe Ralf Forster immer am stärksten war.


Die britische Journalistin Catherine Belton behauptet, Putin habe in Dresden linke Studenten, vom Westen Enttäuschte und auch RAF-Terroristen als Agenten angeworben. Mitglieder der RAF seien per Zug zu ihm nach Dresden gereist, hätten Waffenlisten übergeben. Sogar der Mord an Alfred Herrhausen sei „aus Dresden vorgegeben“ worden.

Andere Historiker, die die Dresdner Akten gelesen haben, halten das für übertrieben: So eine politisch heikle Operation hätte Moskau kaum einem unerfahrenen Offizier in der Provinz anvertraut. Belege dafür gibt es in den Unterlagen nicht.

Was aber unstrittig ist: Die Autorin Regine Igel hat nachgewiesen, dass der ostdeutsche Geheimdienstapparat eine „massive und langfristige Lenkung des deutschen und internationalen Terrorismus“ betrieben hat. Extremisten von links und rechts seien „benutzt“ worden, um den Westen zu destabilisieren.

Putin musste die Gruppe Ralf Forster nicht persönlich kennen. Er saß in der Schaltzentrale, die solche Gruppen verwaltete, ausbildete und finanzierte.

Die Methode Pilzsammler

Und damit sind wir wieder bei Turnow-Preilack und Bergheim.

Innenminister Redmann sagt: „Wir müssen davon ausgehen, dass die Täter schon mehrere Tage vorher dort unterwegs waren und die Anlagen installiert haben.“ Der Bau setze „einiges an technischem Know-how“ voraus. Es waren keine Silvesterraketen, sondern fachkundig gebaute Flugkörper mit Treibsatz, die leitfähiges Material in die Leitung transportieren.

Wer kann tagelang in einem Maisfeld in NRW oder in einem Wald in Brandenburg Löcher graben, Gestelle verankern, Kabel verlegen, ohne dass jemand die Polizei ruft?

Nicht der vermummte Autonome. Der fällt auf.

Der alte Mann mit Stoffbeutel, Pilzmesser und Hund fällt nicht auf. Der Rentner, der angeblich Spargelstangen kontrolliert, der Angler, der am Graben sitzt, der Spaziergänger.

Das war die zentrale Lehre am Springsee: Tarnung ist nicht Uniform. Tarnung ist Harmlosigkeit. Alte Männer sind unauffällig. Sie sind die besten Pilzsammler. Und die besten Saboteure.


Genau deshalb ermitteln die Behörden jetzt wegen verfassungsfeindlicher Sabotage und prüfen, ob der Generalbundesanwalt übernimmt. Genau deshalb spricht Redmann von hybrider Bedrohung und schließt nicht aus, dass fremde Mächte dahinterstecken. Und genau deshalb sagt er gleichzeitig: Die Tatausführung unterscheidet sich von den bisherigen linksextremen Anschlägen auf Tesla oder den Berliner Strom.

Es ist nicht mehr die Szene, die ein Feuer legt und danach ein Bekennerschreiben schickt. Es ist die alte Schule. Paramilitärisch. Geduldig. Fachkundig. Und getarnt als etwas, das niemand verdächtigt.

Die Frage ist nicht mehr, ob es eine Verbindung zwischen den alten Ralf-Forster-Netzen und den heutigen Sabotageakten gibt. Die Frage ist, wie viele dieser alten Pilzsammler noch draußen unterwegs sind.

Themenverwandte Artikel

Mehr Schein als Sein – die Wahlleistungsstation des Klinikums Winterberg /Saarbrücken

the kasaan times

Überschwemmungen in der Emilia-Romagna fordern neun Menschenleben

the kasaan times

Das Szenario: Wie Russland die NATO angreifen würde

the kasaan times

Von der Leyen spricht und dann kommt der Paukenschlag mit Kanada

the kasaan times

Der Prinz ist auch weg

the kasaan times

Wo ist das Bernsteinzimmer?

the kasaan times

Artemis 1- Auf dem Weg zum Mond

the kasaan times

Der Wahlsieger in Sachsen-Anhalt heißt Putin, dank Typen wie Sarah Wagenknecht

the kasaan times

Thalburg ist überall, auch heute

the kasaan times

Julian Assange auf dem Weg nach Saipan

the kasaan times

„Last Generation“ wird seit dem Morgen durchsucht

the kasaan times

Neue Pandemie in Sicht? H5N1

the kasaan times

Hinterlasse einen Kommentar

*