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Korruption um Nigel Farage – dem politischen Paten der AfD

Titelbild: Euro Realist Newsletter,Farage, 2008

Korruption um Nigel Farage, UKIP, Reform UK und die Brücke zur AfD

Wenn man die Geschichte von Nigel Farage erzählen will, muss man bei der Partei beginnen, die er berühmt gemacht hat. Die UK Independence Party, UKIP, war einst eine Ein-Mann-Protestbewegung gegen Brüssel, mit Farage als unermüdlichem Redner im Europaparlament, der von 2009 bis 2014 als Co-Vorsitzender der Fraktion Europa der Freiheit und der Demokratie immer wieder durch Skandale und harte Angriffe auffiel.


Doch schon damals begann das Muster, das seine Karriere bis heute prägt. Geld, das nicht dort auftaucht, wo es auftauchen sollte, und die ständige Frage, wer eigentlich für wen arbeitet.

Heute heißt Farages Partei Reform UK, der Name hat sich geändert, das Muster ist geblieben. Erst in dieser Woche, während der Jahreskonferenz von Reform UK in Birmingham, musste Farage vor laufenden Kameras erklären, seine Partei habe keine Gesetze gebrochen und kein dubioses Geld angenommen. Anlass war eine Recherche von Channel 4 News. Verdeckte Reporter der Gruppe Verbatim Investigations hatten sich als amerikanische Unternehmer ausgegeben und Reform UK eine Großspende aus den USA angeboten. Die Regeln in Großbritannien sind eindeutig, ausländische Spenden sind verboten, doch nach dem Bericht sollen Parteifunktionäre aktiv nach Wegen gesucht haben, das Geld unter Umgehung dieser Regeln nutzbar zu machen. Zwei hochrangige Funktionäre, darunter ein enger Berater von Farage, legten noch am Morgen nach der Ausstrahlung ihre Ämter nieder, die Partei leitete eine interne Untersuchung ein.



Es ist nicht der erste Vorwurf dieser Art. Seit Monaten läuft gegen Farage eine Untersuchung des Parliamentary Commissioner for Standards, des obersten Kontrolleurs für Abgeordnetenethik. Im Kern geht es um eine Schenkung von fünf Millionen Pfund, die ihm der Krypto-Milliardär Christopher Harborne vor der Unterhauswahl 2024 zukommen ließ. Britische Abgeordnete müssen große Zuwendungen, die im Zusammenhang mit ihrer politischen Arbeit stehen und in den zwölf Monaten vor ihrer Wahl eingegangen sind, deklarieren, damit die Öffentlichkeit weiß, wer sie möglicherweise beeinflusst.
Farage deklarierte die Summe nicht. Seine Verteidigung war ebenso schlicht wie aufsehenerregend. Er sagte der BBC, es habe sich um ein bedingungsloses persönliches Geschenk für seine lebenslange private Sicherheit gehandelt, das er für Autos oder was auch immer ausgeben könne und über das die Öffentlichkeit kein Recht habe, etwas zu erfahren. In dieselbe Untersuchung geriet auch die undeklarierte Unterstützung durch George Cottrell, einen wegen Betrugs verurteilten ehemaligen Mitarbeiter Farages, über den die Sunday Times berichtete.

Ein zweiter Einnahmestrom sorgt für zusätzliche Kritik. Farage hat über die Plattform Cameo seit seinem Beitritt fast 375.000 Pfund mit personalisierten Videobotschaften verdient, acht Videos allein am Tag seiner Wahl im Juli 2024, teilweise sogar während laufender Parlamentssitzungen hochgeladen. In diesen Kaufvideos, die eigentlich harmlose Geburtstagsgrüße sein sollen, fanden Journalisten Botschaften mit dem Slogan They have to go back, einer Chiffre für die Zwangsabschiebung von Migranten, sowie wiederholte Bezugnahmen auf antisemitische Verschwörungstheorien um George Soros und die Rothschilds und frauenfeindliche Kommentare über Politikerinnen wie Alexandria Ocasio-Cortez.



Die Verbindung zur AfD in Deutschland ist dabei keine zufällige Bewunderung von außen, sondern Teil eines strategischen Netzwerks. Farage trat 2018 aus der UKIP aus, weil sie ihm, wie er selbst im Telegraph schrieb, zu extrem und zu rassistisch geworden sei, doch sein politisches Modell lebt weiter. Beide Parteien, Reform UK und AfD, teilen sich Spender-Milieus, Think Tanks und Kommunikationsberater aus dem Umfeld amerikanischer Tech-Libertärer und Krypto-Investoren. Wenn in Birmingham über Wege nachgedacht wird, wie man amerikanisches Geld an britischen Regeln vorbei in die Partei schleust, dann ist das exakt die Frage, die auch die deutsche Debatte um illegale Parteispenden, Strohmann-Konstrukte und Auslandsfinanzierung bei der AfD seit Jahren bestimmt. Farage ist für die AfD nicht nur ein Fan, er ist ein Vorbild dafür, wie man mit Anti-Establishment-Rhetorik gegen Brüssel gleichzeitig ein hochgradig personalisiertes, von Großspendern abhängiges Geschäftsmodell betreibt, bei dem die Grenze zwischen persönlichem Geschenk und politischer Spende bewusst unscharf gehalten wird.

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