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Vogelgrippe-Virusmutation schlimmer als Corona?

Titelbild: Beispielbild Pixabay 

Die Vogelgrippe, medizinisch als aviäre Influenza bezeichnet, wird hauptsächlich durch Influenza-A-Viren der Subtypen H5, H7 und H9 verursacht, wobei besonders das derzeit zirkulierende hochpathogene H5N1-Virus (Kladde 2.3.4.4b) seit 2020 eine beispiellose globale Ausbreitung zeigt.

Dieses Virus hat sich von einem reinen Geflügelpathogen zu einem multihost-fähigen Erreger entwickelt, der inzwischen nicht nur Wildvögel und Nutzgeflügel, sondern auch zahlreiche Säugetierarten, darunter Seehunde, Füchse, Marder, Bären, Kühe und neuerdings auch den Menschen infiziert. Der entscheidende Faktor für die wachsende Besorgnis in der Wissenschaft ist die zunehmende Mutationsrate und die Fähigkeit des Virus, sich genetisch an neue Wirte anzupassen, ohne dabei zwangsläufig seine hohe Virulenz zu verlieren.

Besonders kritisch werden Mutationen im sogenannten Hämagglutinin-Protein (HA) betrachtet, weil dieses Protein bestimmt, an welche Rezeptoren auf der Oberfläche von Wirtszellen das Virus andockt. Vögel besitzen überwiegend Alpha-2,3-verknüpfte Sialinsäuren als Rezeptoren, während der menschliche obere Atemtrakt vorwiegend Alpha-2,6-verknüpfte Sialinsäuren aufweist.

Solange das Virus bevorzugt an Alpha-2,3-Rezeptoren bindet, bleibt die Übertragung von Mensch zu Mensch extrem unwahrscheinlich. In den letzten Jahren wurden jedoch in infizierten Säugetieren, vor allem Milchkühen in den USA und in Einzelfällen bei Menschen, Mutationen nachgewiesen, die eine stärkere Affinität zu Alpha-2,6-Rezeptoren zeigen, etwa die Aminosäure-Austausche E627K und D701N im PB2-Gen des viralen Polymerasekomplexes. Diese Mutationen sind klassische Marker für eine bessere Anpassung an Säugetiere und wurden bereits bei früheren Pandemien (1957, 1968) beobachtet. Sie erhöhen die Replikationseffizienz des Virus in menschlichen Zellen und in der warmen Umgebung des menschlichen Körpers (37–38 °C statt 40–41 °C im Vogeldarm).

Ein weiterer entscheidender Punkt ist das Auftreten von Reassortment-Ereignissen, also dem Austausch ganzer Gen-Segmente zwischen verschiedenen Influenza-Stämmen, wenn zwei Viren gleichzeitig dieselbe Zelle infizieren. In den USA wurde 2024 und 2025 bei Milchkühen und auch bei einigen menschlichen Patienten ein reassortiertes H5N1-Virus nachgewiesen, das interne Gene von niedrigpathogenen humanen H1N1- oder H3N2-Viren enthielt. Solche Reassortants können plötzlich eine deutlich bessere Mensch-zu-Mensch-Übertragung ermöglichen, weil sie die Oberflächenproteine (H5 und N1) des hochpathogenen Vogelgrippevirus mit der effizienten Übertragungsfähigkeit saisonaler humaner Grippeviren kombinieren.

Die Fallzahlen beim Menschen bleiben bisher glücklicherweise sehr niedrig (weltweit etwa 900 laborbestätigte Fälle seit 2003, davon über 50 im Jahr 2025), aber die Letalität liegt bei den klassischen H5N1-Infektionen nach wie vor bei etwa 50–60 %. Neuere Infektionen in den USA (vor allem bei Milchvieharbeitern) verliefen dagegen meist mild oder sogar symptomlos, was einerseits beruhigend wirkt, andererseits aber darauf hindeutet, dass das Virus sich bereits an den Menschen anpasst, ohne sofort schwere Erkrankungen auszulösen – ein typisches Muster vor einer möglichen Pandemie.

Es lässt sich mit Sicherheit sagen, dass das derzeitige H5N1-Virus durch eine Kombination aus punktförmigen Mutationen (insbesondere im PB2- und HA-Gen), Neusortierung mit humanen Viren und einer enormen Verbreitung in Wildvögeln und Säugetieren schrittweise die genetischen Voraussetzungen für eine effiziente Übertragung unter Menschen entwickelt. Ob und wann der entscheidende Sprung zur pandemischen Form erfolgt, hängt davon ab, ob gleichzeitig mehrere dieser Anpassungs-Mutationen in einem einzigen Virusstamm auftreten und dieses Virus dann unter Menschen zirkuliert.

Die wissenschaftliche Gemeinschaft bewertet das Risiko einer größeren Mensch-zu-Mensch-Übertragung derzeit deutlich höher als noch vor fünf Jahren, spricht aber noch nicht von einer unmittelbaren Pandemiegefahr. Entscheidend bleibt die intensive Überwachung von Geflügelbeständen, Wildvögeln, Nutztierhaltungen und insbesondere von Menschen mit intensivem Tierkontakt, um frühzeitig gefährliche Virusvarianten zu erkennen und gegebenenfalls durch Impfung oder antivirale Maßnahmen einzudämmen.

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