Scammer Scammer Alarm

Faule Immobilienangebote

Titelbild : Screenshot TikTok

Hier ist ein mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit Betrug – und zwar einer der mittlerweile klassischen Art, die auf TikTok (und leider auch Instagram) derzeit explosionsartig um sich greifen.

Stellen Sie sich vor, Sie scrollen abends durch TikTok, auf der Suche nach ein bisschen Inspiration oder einfach nur Ablenkung – und plötzlich erscheint er: der Heilige Gral der Wohnungssuche. Ein modernes, frisch renoviertes 1-Zimmer-Apartment in Dortmund-Ruhrallee, 20 Quadratmeter pure Perfektion, Erstbezug, Einbauküche, stilvolles Bad, WLAN inklusive, Aufzug, E-Ladestation vor der Tür, zentrale Lage nahe Signal Iduna Park, thyssenkrupp und Co.

Und das Ganze für lächerliche 560 Euro warm im Jahr 2026, wo selbst ein winziger Kellerraum in der Dortmunder Innenstadt inzwischen fast das Doppelte verschlingt. Das Universum scheint Ihnen zuzuzwinkern: „Hier, nimm es schnell, bevor es weg ist!“

Herzlichen Glückwunsch. Sie haben soeben einen der beliebtesten Mietbetrugs-Tricks des Jahres 2026 erwischt.

 

Der Account, von dem diese Perle stammt – mit dem unauffälligen Namen „Real Estate DE“ und einem Handle, das verdächtig nach Massenproduktion riecht –, postet derartige „Schnäppchen“ in Serie. Mal eine charmante 2,5-Zimmer-Wohnung für 650 Euro warm, mal eine luxuriöse 4-Zimmer-Residenz für unter 1.500 Euro. Immer neu, immer modern, immer viel zu günstig für den Dortmunder (oder überhaupt deutschen) Markt. Und immer mit demselben Muster: Kontakt ausschließlich per E-Mail an eine frisch kreierte Gmail-Adresse („marleneaergenceimmobilier@gmail.com“ – der Name allein ist schon eine kleine Hommage an die Kreativität von Betrügern, die offenbar Französisch mit Tastatur-Matsch kombinieren). Kein Telefon. Kein echtes Maklerbüro. Kein Impressum, wie es in Deutschland gesetzlich vorgeschrieben wäre. Keine verifizierbare Homepage. Stattdessen: „Nur per E-Mail“, „Termin vereinbaren“, „Kaution sichern“.

 

Der Ablauf ist so abgedroschen, dass er fast schon langweilig wäre, wenn nicht so viele Menschen darauf hereinfallen würden. Sie schreiben eine begeisterte Nachricht. Sekunden später trudelt die höfliche Antwort ein: Die Wohnung sei sehr gefragt, aber für Sie als „seriösen“ Interessenten mache man eine Ausnahme. Allerdings – Überraschung! – müsse die Kaution (exakt 1.380 Euro, also drei Monatskaltmieten) und idealerweise auch die erste Miete vorab überwiesen werden, „da der Vermieter derzeit im Ausland weilt“ oder „die Sache remote abgewickelt werden muss“. Oft wird ein „Anwalt“ oder „Notar“ ins Spiel gebracht, der den digitalen Vertrag regelt. Und eine Besichtigung? „Leider erst möglich, wenn die Reservierung gesichert ist.“ Klar. Remote-Besichtigung aus dem Nichts.

 

Sobald das Geld auf dem Konto des Scammers landet – meist auf einem deutschen Zwischenkonto, das binnen Stunden leergeräumt wird, oder per Western Union, Paysafecard, Krypto –, endet die Kommunikation abrupt. Die E-Mail-Adresse existiert nicht mehr, der TikTok-Account wird gelöscht oder gesperrt, und Sie bleiben mit einer leeren Brieftasche und dem bitteren Nachgeschmack zurück, dass Sie eigentlich hätten schlauer sein können.

 

Leider ist das kein Einzelfall. Auf TikTok wimmelt es 2026 nur so von solchen Fake-Annoncen: gestohlene Fotos aus echten Immobilienportalen, echte Adressen, die aber gar nicht vermietet werden, Preise, die 30–50 % unter Marktniveau liegen. Die Betrüger nutzen genau die Verzweiflung aus, die der Wohnungsmarkt schürt – besonders bei Studierenden, Auszubildenden und jungen Berufstätigen, die dringend etwas Bezahlbares suchen. Und TikTok ist perfekt dafür: Kurze, emotionale Videos mit trendiger Musik (hier „Poker Face x Super Bass“ – weil Ironie ja bekanntlich tot ist), Hashtags wie #Studentenwohnung #UrbanLiving #DortmundWohnung, die den Algorithmus füttern und Tausende erreichen.

 

Die gute Nachricht: Sie sind nicht naiv, nur weil Sie kurz gezögert haben. Der Markt ist brutal, die Hoffnung auf ein echtes Schnäppchen verständlich. Die schlechte kommt jetzt, solche Maschen kosten Menschen jährlich Millionen. Die Polizei nimmt die Anzeigen auf, kann aber oft wenig ausrichten, weil das Geld schnell ins Ausland verschoben wird.

 

Mein Rat daher: Finger weg von allem, was nur per Mail kontaktiert werden kann, bei dem keine persönliche Besichtigung vor Zahlung möglich ist und das deutlich unter Marktwert liegt. Prüfen Sie Adressen immer parallel auf Immowelt, Immobilienscout24 oder bei etablierten Maklern. Melden Sie verdächtige Posts und Accounts direkt bei TikTok als Betrug. Und vor allem: Überweisen Sie niemals Geld, bevor Sie die Schlüssel in der Hand halten und den Mietvertrag unterschrieben haben – am besten in Anwesenheit eines echten Vermieters oder Maklers.

 

Der Wohnungsmarkt mag teuer und frustrierend sein, aber er ist real. Und echte Angebote brauchen keine dramatische TikTok-Musik, um gut zu wirken. Sie brauchen nur Ehrlichkeit.

 

Bleiben Sie wachsam – und viel Erfolg bei der Suche nach Ihrem echten neuen Zuhause.

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