Titelbild: Beispielbild Pixabay
Im digitalen Zeitalter steht die Freiwillige Feuerwehr vor einer doppelten Herausforderung, wenn es um den Nachwuchs geht. Einerseits kämpfen viele Wehren mit einem spürbaren Mangel an jungen Engagierten, der durch den demografischen Wandel, berufliche Mobilität und eine veränderte Freizeitgestaltung verstärkt wird, andererseits birgt die zunehmende Digitalisierung sowohl enorme Chancen als auch erhebliche Risiken für die Jugendlichen selbst und damit indirekt für die Rekrutierung neuer Mitglieder.
Die Jugendfeuerwehr, als zentrale Säule der Nachwuchsförderung, muss sich in dieser Welt neu positionieren, um attraktiv zu bleiben, ohne die Gefahren zu ignorieren, die aus der ständigen Online-Präsenz resultieren.
Der Nachwuchsmangel bei den Freiwilligen Feuerwehren ist kein neues Phänomen, hat sich jedoch in den letzten Jahren verschärft. Viele Jugendliche wachsen in einer Welt auf, in der Smartphones und soziale Netzwerke den Alltag dominieren. Die Zeit, die früher für Vereinsaktivitäten oder ehrenamtliches Engagement genutzt wurde, wird heute oft mit Scrollen durch Feeds, Gaming oder virtuellen Communities verbracht.
Das Ehrenamt erscheint manchen jungen Menschen als zeitaufwendig und weniger flexibel, verglichen mit der sofortigen Belohnung digitaler Interaktionen. Hinzu kommt, dass berufliche Ausbildung oder Studium häufig einen Umzug erfordern, was die Bindung an die lokale Feuerwehr erschwert. In ländlichen Regionen führt dies bereits dazu, dass Einsatzbereitschaften gefährdet sind und Nachbarwehren ausrücken müssen. Die Jugendfeuerwehr, die traditionell den Großteil des Nachwuchses für die aktiven Abteilungen liefert, verliert Mitglieder, wenn der Übergang in den Erwachsenendienst nicht nahtlos gelingt oder andere Interessen überwiegen.Doch genau hier liegt auch die Chance der Digitalisierung. Soziale Medien wie Instagram, TikTok oder YouTube bieten Feuerwehren eine Plattform, um sich modern und actionreich zu präsentieren. Viele Wehren haben erkannt, dass kurze Videos von Einsatzfahrten, Übungen oder lustigen Alltagsszenen Tausende von Aufrufen generieren und vor allem junge Menschen ansprechen. Mit Handykameras gedrehte Clips, die den Adrenalinkick eines Einsatzes oder den Teamgeist zeigen, können viral gehen und Neugier wecken. Erfolgreiche Beispiele zeigen, dass gezielte Kampagnen auf diesen Kanälen nicht nur bestehende Mitglieder motivieren, sondern auch Quereinsteiger oder Jugendliche erreichen, die sonst nie den Weg zur Feuerwehr gefunden hätten. Digitale Tools wie Apps für Alarmierungen oder Online-Übungen machen das Engagement flexibler und passen sich dem Lebensrhythmus der Generation Z an.
Die Deutsche Jugendfeuerwehr fordert sogar den Einsatz digitaler Medien zur Beteiligung junger Menschen und die Bereitstellung von Hardware für benachteiligte Jugendliche, um Inklusion zu fördern.Gleichzeitig darf nicht übersehen werden, dass das digitale Zeitalter echte Gefahren für die Jugend birgt, die sich auch auf das Ehrenamt auswirken können. Die ständige Erreichbarkeit und der Druck, sich online zu präsentieren, führen bei vielen Heranwachsenden zu Stress, Cybermobbing oder suchtähnlichem Verhalten.
Plattformen fördern oft eine Kultur der Selbstdarstellung, in der Likes und Follower zur Währung werden, während reale soziale Kontakte in den Hintergrund treten. In der Jugendfeuerwehr selbst erweitert sich das Spektrum sexualisierter Gewalt durch Phänomene wie Sexting oder Cybermobbing, was Betreuer sensibilisieren und schulen muss. Es gibt Fälle, in denen Chats von Jugendfeuerwehren mit extremistischen Inhalten oder Mobbing auffallen, was das Image schädigt und Eltern abschreckt. Zudem lenken digitale Ablenkungen von der realen Welt ab.
Jugendliche, die Stunden vor Bildschirmen verbringen, entwickeln möglicherweise weniger Interesse an physischen Aktivitäten wie Übungen oder Teamarbeit, die das Herz der Feuerwehrarbeit ausmachen.
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Die Feuerwehr als Institution muss daher einen Balanceakt vollziehen. Sie sollte digitale Kanäle aktiv nutzen, um Werbung zu betreiben und Inhalte zu teilen, die Abenteuer, Verantwortung und Gemeinschaft vermitteln, ohne in die Falle von Sensationalismus zu tappen. Gleichzeitig gilt es, in der Jugendarbeit Medienkompetenz zu fördern – etwa durch Workshops zu sicheren Online-Verhalten oder Alternativen zu riskanten Challenges. Der Fokus auf reale Erlebnisse, wie sportliche Wettbewerbe oder gemeinsame Ausflüge, kann als Gegenpol zur digitalen Überflutung wirken und langfristig binden. Nur so kann die Feuerwehr im digitalen Zeitalter nicht nur Nachwuchs sichern, sondern auch einen Beitrag leisten, Jugendliche vor den Schattenseiten der Online-Welt zu schützen und sie zu verantwortungsvollen Bürgern zu erziehen. Die Zukunft des Ehrenamts hängt davon ab, ob es gelingt, die digitale Welt als Verbündeten zu gewinnen, ohne ihre Risiken zu unterschätzen.
