Trump USA

Infantino und Trump verkaufen die WM

Titelbild:Bryan Berlin/Wikipedia Lizenz 3.0

Trump und Infantino sind in einem Netz aus gegenseitigen Gefälligkeiten, kommerziellen Interessen und politischer Einflussnahme tief verstrickt, das die Fußballwelt und die WM 2026 nachhaltig prägt.

Gianni Infantino, Präsident des Weltfußballverbands FIFA, hat über Jahre hinweg eine enge, fast unterwürfige Beziehung zu Donald Trump aufgebaut. Diese Allianz kulminiert nun in Plänen, die WM und andere Großveranstaltungen teilweise zu privatisieren – ein Vorhaben, das Kritiker als Höhepunkt einer Entwicklung sehen, in der Fußball nicht mehr dem Sport, sondern privaten und politischen Interessen dient.




Die Geschichte dieser Verbindung reicht zurück bis in Trumps erste Amtszeit. Bereits 2018, kurz nachdem die USA gemeinsam mit Kanada und Mexiko die Rechte für die WM 2026 zugesprochen bekommen hatten, trafen sich die beiden im Weißen Haus. Infantino überreichte Trump symbolisch gelbe und rote Karten – eine Geste, die als Witz gemeint war, aber bereits das Muster der Beziehung andeutete.

Infantino als derjenige, der um Gefallen wirbt, Trump als der Mächtige, der sie gewähren kann. In den folgenden Jahren vertiefte sich diese Nähe. FIFA mietete Büroräume im Trump Tower in New York – trotz eines bestehenden Hauptsitzes in Miami –, zahlte Miete an die Trump-Organisation und schuf damit direkte finanzielle Verbindungen. Infantino vergab einen eigens erfundenen „FIFA Peace Prize“ an Trump, lud ihn zu Veranstaltungen ein, ließ Trophäen im Oval Office ausstellen und trat wiederholt als Unterstützer von Trumps Agenda auf, was gegen die angebliche politische Neutralität der FIFA verstößt.


Kritiker, darunter US-Demokraten wie Jamie Raskin, sehen darin klare Anzeichen eines Quid-pro-quo-Systems. FIFA soll im Gegenzug von der Trump-Administration profitiert haben, etwa durch das Einstellen oder Zurückziehen von Korruptionsermittlungen aus der Zeit des alten FIFA-Skandals, durch erleichterte Visa-Prozesse oder durch politischen Einfluss auf sportliche Entscheidungen. Ein besonders umstrittenes Beispiel war die Aufhebung einer Roten Karte gegen den US-Spieler Folarin Balogun während der WM 2026 – nach einem direkten Anruf Trumps bei Infantino. Solche Interventionen lassen den Verdacht aufkommen, dass die Unabhängigkeit des Sports untergraben wird.

Der jüngste und vielleicht brisanteste Schritt ist die geplante Privatisierung wesentlicher Teile der FIFA-Kommerzialisierung. Infantino will eine neue Tochtergesellschaft (FIFA Forward Enterprise) schaffen, die die Vermarktung der WM, des Club-WM und anderer Events übernimmt. Bis zu 20–21 Prozent dieser Gesellschaft sollen an private Investoren verkauft werden – bei einer Bewertung von rund 20 Milliarden Dollar. Führend dabei ist der Fonds Thrive Eternal von Joshua Kushner, dem Bruder von Jared Kushner, dem Ehemann von Trumps Tochter Ivanka.


JP Morgan berät das Ganze, und es wird offen über Beteiligungen von Staatsfonds gesprochen. Die FIFA verspricht im Gegenzug hohe Entwicklungsgelder für die 211 Mitgliedsverbände – ein Lockangebot, das jedoch von UEFA und vielen europäischen Verbänden scharf kritisiert wird: „Der Fußball gehört nicht der FIFA zum Verkaufen.“

Für Kritiker ist das der endgültige Beweis für eine tiefe Verstrickung in korruptionsähnliche Strukturen. Infantino, der sich selbst als globalen Leader sieht, schafft durch diese Privatisierung nicht nur neue Einnahmequellen, sondern potenziell auch persönliche Vorteile – Gerüchte sprechen sogar davon, dass er nach seiner Präsidentschaft eine führende Rolle in der neuen kommerziellen Einheit übernehmen könnte. Trump spielt dabei eine gewichtige Rolle: Seine Familie profitiert indirekt über Mieteinnahmen und familiäre Verbindungen zu den Investoren, während seine politische Macht FIFA Türen öffnet und im Gegenzug sportliche und imagepolitische Gefälligkeiten ermöglicht. Die WM 2026, die eigentlich ein Fest des Sports werden sollte, wirkt zunehmend wie eine Bühne für diese Allianz aus Politik, Geld und Macht.




Die Folgen sind weitreichend. UEFA droht mit Boykott oder Widerstand, Fans und Ethikwächter sehen die Glaubwürdigkeit des Fußballs beschädigt, und die alte Korruptionskrise der FIFA scheint durch eine neue Form der Einflussnahme abgelöst worden zu sein – weniger offene Schmiergelder, dafür systemische Verflechtungen mit mächtigen politischen und finanziellen Akteuren. Infantino und Trump präsentieren das als Win-Win für den Sport und die Entwicklung; Gegner sehen ein System, in dem der Weltfußball an private Interessen und eine spezielle US-amerikanische Machtkonstellation verkauft wird. Ob dieses Modell langfristig Bestand hat, hängt von den Abstimmungen der Mitgliedsverbände ab – doch die Richtung ist klar: Der Fußball wird kommerzieller, politischer und enger mit Figuren wie Trump verknüpft.

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