Todesstrafe

Zwei Hinrichtungen an einem Tag in Florida

Quellen: CNN und AP
Titelbild:KI generiert

Florida hat am Dienstag, dem 28. Juli 2026, erstmals seit fast sechs Jahrzehnten zwei Hinrichtungen an einem einzigen Tag vollstreckt. In der Florida State Prison nahe Starke wurden der 68-jährige James Aren Duckett und der 80-jährige Dominick Anthony Occhicone durch eine tödliche Injektion hingerichtet. Damit hat sich der Bundesstaat unter Gouverneur Ron DeSantis weiter als führender Vollstrecker der Todesstrafe in den USA positioniert.


Zuerst starb am Nachmittag James Aren Duckett um 13:19 Uhr. Der ehemalige Polizist war 1987 wegen Vergewaltigung und Ertränken der elfjährigen Teresa McAbee verurteilt worden. Er hatte das Mädchen während seines Dienstes in Zentralflorida missbraucht und getötet. Duckett verzichtete auf eine letzte Erklärung und reagierte auch nicht, als der Gefängnisdirektor ihn Minuten nach Beginn der Prozedur ansprach. Die Familie des Opfers äußerte nach Jahrzehnten des Wartens Erleichterung, betonte jedoch das lange Leid. Die Mutter des Mädchens sagte, sie habe fast 40 Jahre darauf gewartet, dass der Täter tot sei, und eine Cousine kritisierte, dass Duckett seine Polizeimarke missbraucht habe.


Weniger als fünf Stunden später, um 18:13 Uhr, wurde Dominick Anthony Occhicone hingerichtet. Der 80-Jährige war der zweitälteste Insasse, der in der modernen Geschichte der USA per Giftspritze getötet wurde. Er war 1986 wegen des Doppelmordes an den Eltern seiner Ex-Freundin verurteilt worden. Occhicone wurde damit zum ältesten in Florida hingerichteten Gefangenen seit Beginn der modernen Aufzeichnungen vor rund einem Jahrhundert. Seine Anwälte hatten argumentiert, dass altersbedingte Erkrankungen wie Nieren- und Prostata-Probleme die Hinrichtung besonders schmerzhaft und damit grausam machen könnten. Diese Einwände blieben jedoch erfolglos.

Beide Hinrichtungen erfolgten mit dem in Florida üblichen Dreier-Cocktail aus einem Beruhigungsmittel, einem Muskelrelaxans und einem Herzstillstand verursachenden Medikament. Die US-amerikanische und die Florida Supreme Court hatten die letzten Berufungen der Verurteilten am selben Tag bzw. in der Woche zuvor abgelehnt. Im Fall Duckett hatte es zuvor einen Aufschub gegeben, um alte DNA-Spuren zu testen; die Ergebnisse waren jedoch nicht eindeutig genug, um das Urteil zu kippen.


Die Entscheidung, beide Männer am selben Tag hinrichten zu lassen, traf Gouverneur Ron DeSantis persönlich. Er nutzte seine gesetzliche Befugnis, um die Termine zusammenzulegen, nachdem Duckett zunächst einen anderen Termin hatte. Solche Doppelausführungen waren in Florida zuletzt 1964 üblich, danach nicht mehr. DeSantis begründete den hohen Tempo der Vollstreckungen damit, dass viele Opferfamilien jahrzehntelang auf Gerechtigkeit gewartet hätten – „Justice delayed is justice denied“. Er bezeichnete die Entscheidung später als „weighty“, also schwerwiegend, und betonte, er empfinde keine Freude daran, sehe es aber als notwendig an, nach Verzögerungen durch die Corona-Pandemie aufzuholen.

Unter DeSantis hat Florida die Todesstrafe deutlich intensiviert. Im Jahr 2025 gab es mit 19 Hinrichtungen einen Rekord für einen einzelnen Gouverneur seit der Wiedereinführung der Todesstrafe 1976. Bis Ende Juli 2026 hatte der Staat bereits zwölf Menschen hingerichtet – mehr als alle anderen Bundesstaaten zusammen. Seit Anfang 2025 summierten sich die Hinrichtungen in Florida auf rund die Hälfte aller US-weiten Vollstreckungen. Während die Todesstrafe landesweit seit zwei Jahrzehnten rückläufig war, hat Florida diesen Trend umgekehrt. Kritiker wie die Organisation „Floridians for Alternatives to the Death Penalty“ sprechen von einer „beispiellosen Eskalation“ und bezweifeln, dass dies dem Willen der Bevölkerung entspricht.

Die Doppelausführung markiert einen seltenen Vorgang in der jüngeren US-Geschichte. Die letzte vergleichbare Aktion mit zwei Hinrichtungen am selben Tag in einem Bundesstaat lag 2017 in Arkansas zurück. Viele der zum Tode Verurteilten in Florida sitzen seit Jahrzehnten in der Todeszelle, oft für Verbrechen aus den 1980er Jahren. Der Fall zeigt die anhaltende Kontroverse um die Todesstrafe: Auf der einen Seite das Bedürfnis der Opferfamilien nach Abschluss, auf der anderen Seite Fragen nach Alter, möglicher Unschuld, methodischer Grausamkeit und dem Sinn einer Strafe, die in vielen anderen westlichen Ländern längst abgeschafft ist. Florida setzt unter DeSantis klar auf Beschleunigung – mit weiteren Hinrichtungen bereits angekündigt.


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