Titelbild: KI Vulkangruppe, 2026
Phantom am Stromnetz – die Vulkangruppe und die Frage nach dem Geld
Der versuchte Anschlag nahe einem Umspannwerk in Brandenburg reiht sich ein. Nach dpa-Informationen prüfen die Ermittler Brandstiftung, das Vorgehen erinnere an linksextreme Taten. Belege für einen ausländischen Drahtzieher gibt es nicht.
Die Vulkangruppe gilt seit 2011 als aktiv. Mindestens 13 Anschläge werden ihr zugerechnet. Täter bis heute nicht gefasst. Das BKA lobte am 26. Januar 2026 eine Million Euro Belohnung aus.
Nach dem Blackout im Januar 2026 – 45.000 Haushalte, 100 Stunden ohne Strom – erschienen zwei widersprüchliche Bekennerschreiben. Eines auf der Szene-Plattform http://knack.news, eines auf Indymedia. Das eine bekennt sich, das andere distanziert sich unter dem Namen der Vulkangruppe.
Sprachprüfung: Kein Übersetzungstext
Eine linguistische Auswertung des Schreibens vom 08.01.2026 auf http://knack.news, das sich als „Vulkangruppe: Den Herrschenden den Saft abdrehen“ ausgibt, zeigt keine Spuren einer Übersetzung. Der Text nutzt Szene-Jargon aus Berlin („Kampfblatt B.Z.“, „Switch Off“, „klandestin“), komplexe deutsche Schachtelsätze und typische Rechtschreibfehler von Muttersprachlern („das“ statt „dass“). Ein Profil mit Interferenzen aus dem Russischen – fehlende Artikel, falsche Präpositionen – liegt nicht vor. Der Text wehrt sich selbst explizit: „Wir dienen keinen fremden Herren, wir dienen keinen Herren!“
Bleibt die Frage der Logistik
Wie eine seit 15 Jahren nicht gefasste Kleingruppe die nötige Logistik, Ortskenntnis und Zeit aufbringt, ist ungeklärt. Ob und wie sie sich finanziert, auch. Ermittlerkreise verweisen darauf, dass grundsätzlich auch geprüft wird, ob logistische Unterstützung von außen kommt – etwa durch Bezahlung oder Bereitstellung von Material. Belege dafür gibt es im Fall der Vulkangruppe bislang nicht. Ebenso ungeklärt ist, wie eine Vorrichtung an den Hochsicherheitsbereich des Umspannwerks in Brandenburg gelangen konnte. Die Auswertung von Zutrittsprotokollen läuft.
Das Phantom bleibt.
INFOKASTEN: Chronologie Vulkangruppe
2011 – Ostkreuz: Brand an Kabelbrücke, Bahnchaos. Bekennerschreiben: „Das Grollen des Eyjafjallajökull“.
2018 – Charlottenburg: Starkstromleitungen brennen, 6.500 Wohnungen ohne Strom.
2024 – Tesla Grünheide: Brand an Strommast legt Produktion tagelang lahm. Generalbundesanwalt ermittelt.
Sept 2025 – Berlin: Brandanschlag auf zwei Strommasten, 50.000 Haushalte 60 Stunden ohne Strom.
Jan 2026 – Berlin-Lichterfelde: 15 Kabel auf Brücke zerstört, 45.000 Haushalte 100 Stunden ohne Strom. Zwei widersprüchliche Bekennerschreiben folgen.
