Titelbild:Screenshot TikTok, kasaan media, 2026
In den Weiten der TikTok-App, wo täglich Millionen von Nutzern nach leichter Unterhaltung suchen, hat sich ein verstörendes Genre etabliert: Videos von Makaken und anderen Affen, die nicht durch ihre natürliche Verspieltheit auffallen, sondern durch explizite, sexualisierte und oft grausame Darstellungen.
Ein Nutzer, der die Plattform eigentlich nur zum Zeitvertreib nutzen wollte, stieß wiederholt auf derartige Inhalte und dokumentierte sie mit Screenshots. Was er sah, löste bei ihm tiefen Ekel aus – und führte letztlich sogar zu einer Ermahnung der Plattform, weil er die Videos meldete. Seine Bilder zeigen ein System, das offenbar mehr Wert auf Klicks und Verweildauer legt als auf den Schutz von Tieren und den Anstand seiner Nutzer.
Die Screenshots, die dem Artikel zugrunde liegen, sprechen eine deutliche Sprache. In einem Video wird ein sehr junger Makake von einem Menschen gehalten, während seine Genitalien deutlich sichtbar und in den Fokus gerückt sind. Das Tier wirkt hilflos, fast wie ein Spielzeug. Ein anderes zeigt zwei Affen in einer deutlichen Mounting-Position auf einem Wohnzimmerboden, während die Kamera nah heranzoomt. Wieder andere Clips deuten orale sexuelle Handlungen an, begleitet von anzüglichen Kommentaren wie „Little monkey: I want to suckle“ oder Hashtags, die das Ganze noch sexualisieren. Ein Nutzer filmt, wie eine Hand direkt die Genitalregion eines Affen berührt, ein weiteres Video zeigt einen Makaken mit erigiertem Geschlechtsteil, während im Vordergrund eine Frau posiert. Dazwischen taucht immer wieder der Hinweis auf „Tierschutz“ auf – ein ironischer Kontrast zu den Bildern, die eher von Ausbeutung zeugen.
Diese Inhalte sind kein Einzelfall. Auf TikTok kursieren Tausende solcher Clips, oft unter harmlos klingenden Suchbegriffen wie „monkey bray“, „cute monkey“ oder „baby monkey“. Viele stammen aus dubiosen Quellen, in denen die Tiere offenbar als Haustiere gehalten oder extra für die Kamera inszeniert werden. Die Affen, meist junge Makaken, werden von ihren Müttern getrennt, in menschlichen Haushalten gehalten, mit Kleidung vermenschlicht oder in Situationen gebracht, die ihre natürlichen Verhaltensweisen verzerren und ausnutzen. Was auf den ersten Blick wie niedliche Tieraufnahmen wirken soll, entpuppt sich bei genauerem Hinsehen als Mischung aus Voyeurismus, animalischer Sexualisierung und blanker Tierquälerei.
Hinter den Kulissen dieser Videos steht ein ganzer Industriezweig. Tierschutzorganisationen wie die Social Media Animal Cruelty Coalition (SMACC) und World Animal Protection haben in umfangreichen Untersuchungen nachgewiesen, dass der Boom solcher Inhalte den illegalen Handel mit Primaten befeuert. Die Tiere leiden unter massivem Stress, psychischen Traumata und fehlender artgerechter Haltung. Statt in sozialen Gruppen im Wald aufzuwachsen, verbringen sie ihr Leben in engen Käfigen oder auf dem Schoß von Content-Creatorn, die jede unnatürliche Regung für Likes ausnutzen. Besonders erschreckend ist der sexuelle Aspekt: Manche Videos konzentrieren sich gezielt auf die Genitalien der Tiere, zeigen Masturbations-ähnliche Bewegungen oder inszenieren Interaktionen, die an Pornografie grenzen. Solche Aufnahmen finden offenbar ein Publikum, das genau danach sucht – und TikToks Algorithmus serviert sie bereitwillig weiter.
Der betroffene Nutzer, der die Screenshots anfertigte, reagierte mit Abscheu und meldete mehrere der Videos. Statt einer Löschung erhielt er jedoch eine Ermahnung der Plattform. Ein Vorgang, der viele Nutzer kennen: TikTok bestraft offenbar öfter diejenigen, die auf Missstände hinweisen, als diejenigen, die sie verursachen. Das Meldesystem der App scheint bei sensiblen Themen wie Tierquälerei und sexueller Ausbeutung von Tieren überfordert oder schlicht nicht interessiert. Gleichzeitig profitiert die Plattform von der hohen Verweildauer, die schockierende Inhalte erzeugen. Wer einmal in diesen Feed gerät, bekommt immer mehr davon angezeigt – ein Teufelskreis aus Algorithmen, fehlender Verantwortung und dem Streben nach viralem Erfolg.
Experten kritisieren diesen Zustand seit Jahren. Die Vermenschlichung und Sexualisierung von Affen auf Social Media trage nicht nur zur Normalisierung von Tierleid bei, sondern gefährde auch die Nutzer selbst, insbesondere jüngere. Kinder und Jugendliche, die TikTok massenhaft nutzen, stoßen so auf verstörende sexuelle Inhalte, die unter dem Deckmantel „Tiervideo“ laufen. Gleichzeitig wächst der Druck auf Wildpopulationen, weil der Online-Hype immer mehr Menschen dazu verleitet, sich selbst einen „süßen“ Affen anzuschaffen – mit katastrophalen Folgen für die Tiere.
Der Fall des Nutzers, der nun eine Ermahnung kassierte, steht sinnbildlich für ein größeres Versagen. Es zeigt, wie sehr Plattformen wie TikTok den Profit über Ethik stellen. Solange explizite Makaken-Videos Klicks bringen, werden sie weiter empfohlen. Die Nutzer, die sich dagegen wehren, bleiben auf der Strecke. Es wird Zeit, dass Aufsichtsbehörden, Tierschutzverbände und die Öffentlichkeit stärkeren Druck ausüben. Denn was auf den Screenshots zu sehen ist, ist kein harmloser Spaß – es ist ein Symptom eines Systems, das Tiere ausbeutet und die Grenzen des Anstands ignoriert. Wer die Schnauze voll hat, hat damit vollkommen recht. Es ist höchste Zeit, dass sich etwas ändert.
