Titelbild KI- kasaan media, 2026
Das Carnische Pluvialereignis, auch als Carnian Pluvial Episode oder kurz CPE bekannt, stellt eine der markantesten klimatischen Umwälzungen der gesamten Triaszeit dar und ereignete sich vor etwa 234 bis 232 Millionen Jahren im späten Carnium, der unteren Stufe der Obertrias. Zu jener Zeit erstreckte sich der Superkontinent Pangäa über weite Teile der Erdoberfläche und prägte ein überwiegend arides, also trockenes und heißes Klima, das nur selten von saisonalen Regenfällen unterbrochen wurde.
Genau in diese Phase brach plötzlich eine dramatische Veränderung ein: Die globale Niederschlagsmenge nahm massiv zu, die Luftfeuchtigkeit stieg an und weite Teile der Landmassen erlebten eine anhaltende humid-pluviale Periode, die insgesamt etwa ein bis zwei Millionen Jahre andauerte.Es handelte sich dabei keineswegs um einen ununterbrochenen Dauerregen, der Tag für Tag über die gesamte Erde niederging, sondern um eine lang anhaltende Verschiebung hin zu deutlich feuchteren Bedingungen mit mehreren intensiven Regenschüben und einer allgemein verstärkten hydrologischen Aktivität. In den Sedimentarchiven vieler Regionen – besonders gut dokumentiert in den Südalpen und den Dolomiten, aber auch in China, Nordamerika, Argentinien und anderen Teilen der ehemaligen Tethys – zeigt sich dieser Wandel sehr deutlich. Rote, oxidierte Wüsten- und Sabkha-Sedimente, die typisch für die trockene Trias waren, wurden abrupt von grauen bis schwarzen, kohlenstoffreichen Schichten abgelöst, in denen sich verstärkte Flusseinträge, Deltaablagerungen und organische Anreicherungen finden. Seen und Sümpfe breiteten sich aus, Böden zeigten vermehrt humose Horizonte und die Verwitterung nahm stark zu, was zu einer massiven Einschwemmung von Siliziklastika in die Meere führte.Die Hauptursache für diese globale Klimaverschiebung wird heute weitgehend in einem gewaltigen vulkanischen Ereignis gesehen: der Eruption der „Wrangellia Large Igneous Province“, eines riesigen Flutbasaltgebiets, das vor der Küste des damaligen Nordamerikas (heute Teile Alaskas, British Columbias und der Wrangell Mountains) entstand.
Diese vulkanische Provinz schleuderte über Hunderttausende bis Millionen Kubikkilometer Basaltlava hervor und setzte dabei enorme Mengen an Treibhausgasen – vor allem Kohlendioxid, aber auch Schwefelverbindungen und Quecksilber – frei. Die freigesetzten Gase führten zu einer spürbaren globalen Erwärmung von schätzungsweise 4 bis 8 °C, was die Verdunstung über den Ozeanen ankurbelte, die Atmosphäre mit mehr Wasserdampf anreicherte und letztlich den gesamten hydrologischen Kreislauf beschleunigte. Negative Kohlenstoff-Isotopen-Exkursionen in marinen und terrestrischen Ablagerungen, erhöhte Quecksilberkonzentrationen und wiederholte Pulse vulkanischer Aktivität, wie sie in jüngsten Studien aus Nordchina, Nordirland und dem Junggar-Becken nachgewiesen wurden, untermauern diese Verbindung sehr stark. Neuere Untersuchungen deuten sogar darauf hin, dass die Eruptionen nicht in einem einzigen Schub abliefen, sondern in mehreren aufeinanderfolgenden Phasen stattfanden, was die CPE ebenfalls in mehrere feuchte Episoden unterteilte.Die ökologischen Folgen dieses Klimawandels waren enorm und reichten von massiven Umstrukturierungen bis hin zu einem echten Wendepunkt in der Evolution des Lebens. Im Meer kam es zu einer Krise der Karbonatplattformen: Viele riffbildende Organismen litten unter der verstärkten Einschwemmung von Schwebstoffen, veränderter Wasserchemie und möglicherweise leichter Ozeanversauerung, sodass etwa ein Drittel der marinen Gattungen verschwand oder stark zurückging – ein Ereignis, das manche Forscher inzwischen als eines der bedeutenderen Aussterbeereignisse der Trias einstufen. Auf dem Land starben viele an Trockenheit angepasste Arten aus, während feuchtigkeitsliebende Pflanzen wie Farne, Schachtelhalme und bestimmte Nacktsamer explosionsartig zunahmen und die Landschaften deutlich grüner und üppiger machten. Nach dem Ende der längsten globalen „Kohle-Lücke“ seit der Besiedlung des Landes durch Pflanzen setzte wieder eine intensive Kohlebildung ein, was die veränderte Vegetation und den höheren Biomasse-Eintrag widerspiegelt.Besonders folgenreich war der Effekt auf die Landwirbeltiere. Viele der älteren, eher reptilienartigen Gruppen, die in der trockenen Trias dominiert hatten, gerieten unter Druck oder verschwanden, während sich genau in dieser feuchten Phase eine neue Generation von Tieren durchsetzte und rapide diversifizierte. Dinosaurier, die bis dahin nur eine untergeordnete Rolle gespielt hatten, nutzten die veränderten Bedingungen – mehr Pflanzenbiomasse, ausgedehntere Lebensräume, weniger Konkurrenz – um sich stark auszubreiten und schließlich zur dominanten Landtiergruppe zu werden. Ähnliches gilt für die frühen Vorläufer der Säugetiere, Krokodile, Schildkröten und vieler moderner Pflanzengruppen. Deshalb wird das Carnische Pluvialereignis heute oft als einer der entscheidenden Auslöser für das „Zeitalter der Dinosaurier“ und den Übergang zur modernen Biosphäre betrachtet – ein ökologischer „Neustart“, der die Weichen für die weitere Entwicklung des Lebens auf der Erde stellte.Aktuelle Forschungen, darunter hochauflösende geochemische Profile aus Seenablagerungen in China oder Kerne aus Nordirland, bestätigen zunehmend, dass dieses Ereignis global war und in mehreren Pulsen ablief, wobei die vulkanische Treibhausgas-Freisetzung als primärer Motor gilt. Es zeigt eindrucksvoll, wie tiefgreifend große vulkanische Provinzen das Erdsystem verändern können – eine Parallele, die auch für das Verständnis heutiger Klimadynamiken relevant bleibt.
